In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

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Mittwoch, 20. November 2019

"Neues Fleisch" von Hendrik Hassel

„Neues Fleisch – Essen ohne Tierleid – Berichte aus der Zukunft unserer Ernährung.“ Dieser Buchtitel weckte meine Aufmerksamkeit. Was werden wir künftig essen, wenn Massentierhaltung aus den verschiedensten Gründen nicht mehr praktiziert wird? Kann der Mensch fleischlos glücklich sein? Welche Alternativen gibt es zum Schweinefleisch für 2,99 Euro pro Kilogramm? Auf diese und ähnliche Fragen hoffte ich, im Buch eine Antwort zu finden. Autor Hendrik Hassel hat schon im Alter von 23 Jahren gemeinsam mit anderen die Tierrechtsorganisation „Animal Equality Germany e.V.“ gegründet, die er leitet. 

Das Buch lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Zum Einen, weil unter „neuem Fleisch“ auf ungefähr 90 Prozent der Seiten tatsächlich Fleisch verstanden wird. „Clean Meat“ ist nicht mehr am Tier gewachsen, sondern im Labor gezüchtet, im wahrsten Sinne des Wortes „schweineteuer“ und noch lange nicht massentauglich. Der Weg zum ersten „gebrauten“ Fleisch wird ausführlich und spannend beschrieben. Aber ist das wirklich die Zukunft? Warum mit viel Aufwand, Energie und Kosten pflanzliche Ausgangsstoffe in tierische umwandeln? Vielleicht zeigt die Zeit uns schon jetzt, wer im Rennen um die beste Alternative zum tierleidtriefenden Billigfleisch als massentauglicher Sieger hervorgeht.

Das Vorwort des Autors ist vom Sommer 2019, und doch sind wir im Herbst desselben Jahres, nur wenige Wochen später, schon viel weiter auf dem Weg zum neuen Fleisch. Dass der „Impossible Burger“ lt. Autor in Deutschland gar nicht vertrieben werden sollte, scheint unwichtig. Haben doch seine fleischlosen Kumpel mit ähnlich klangvollen Namen, nicht nur den Weg in Berliner Szene-Bistros gefunden, sondern wartet mittlerweile in jedem Supermarkt und bei jedem Discounter auf ihre Käufer. Der Absatz boomt, die Nachfrage ist da. Das neue (pflanzliche) Fleisch hat längst die Kühlschränke und Bratpfannen eines Großteils der Deutschen erobert. Ob „Clean Meat“ dies auch eines Tages tun wird oder gar tun muss, um auch die Menschen zu überzeugen, die „schon immer Fleisch gegessen haben und immer essen werden“, bleibt abzuwarten. 


Fazit: Interessante Einblicke in den langsamen Wandel der industriellen Fleischproduktion. 4****

Das Buch mit flexiblem Einband ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen, hat 176 Seiten und kostet 18 Euro. Das E-Book ist für 14 Euro erhältlich. 


Mittwoch, 10. Juli 2019

"DNA" von Yrsa Sigurdardóttir (Band 1 Huldar und Freyja)

Nach der Leseprobe  wollte ich unbedingt R.I.P. von dieser Autorin lesen. Da dies aber der dritte Band um Kommissar Huldar und Kinderpsychologin Freyja ist, begann ich logischerweise mit Band 1 - DNA. Nach einem Prolog, der 28 Jahre vor der Haupthandlung spielt, werden wir zunächst in die Idylle eines Hause geführt, wo Elisa mit ihrem Mann und den Kindern lebt. Diese Bilderbuchfamilie wird je zerstört, als ein unbekannter Mann ins Haus eindringt und Elisa auf bestialische und dennoch unblutige Art tötet. Da die siebenjährige Tochter sich unter Mamas Bett versteckt hatte, wird die Kinderpsychologin Freya zu den Ermittlungen hinzugezogen. Dumm nur, dass sie und Huldar sich bereits begegnet sind und Freya zu recht sauer auf Huldar ist. Die Spannung zwischen diesen beiden Figuren tut der Geschichte gut, auch wenn sie beide dadurch nicht immer rational handeln. Da es weitere Morde gibt, die auf denselben Täter hinweisen, aber keinerlei Verbindung zwischen den Opfern, tappen die Ermittler lange Zeit im Dunklen. Ein Amateurfunker, der mit den Fällen erstmal gar nichts zu tun hat, kommt dem Zusammenhang Schritt für Schritt auf die Spur ... 

Mir gefiel vor allem die spannende Story, bei der ich lange miträtselte, wie wohl alles zusammenhängt. Auch die im Buch eingestreuten Informationen über Island waren sehr interessant. Und erst die Mordmethoden! Wie kommt man auf sowas??? Die Protagonisten, insbesondere Karl, aber auch Freyja und Huldar denken viel und immer wieder das Gleiche. Das nimmt ein bisschen den Schwung aus der Geschichte, denn sie bestätigen doch durch ihr Verhalten die bereits geäußerten Gedanken. Das kapiert der Leser auch ohne wiederholende gedankliche Monologe. Auch der Sprachstil ließ mich manchmal stolpern, was aber auch an der Übersetzung liegen kann. 

Fazit: ein spannender Thriller, der die Vorfreude auf Band 2 und 3 „SOG“ und „R.I.P.“ noch erhöhte. 4****

Das Taschenbuch ist im btb Verlag erschienen. Es hat 512 Seiten (inklusive Leseprobe zu Band 2 "SOG") und kostet 10 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich, das gebundene Buch für 19,99 Euro. 






Mittwoch, 20. März 2019

"Mädchenwiese" von Martin Krist

Mädchenwiese, das klingt nett, harmlos und irgendwie niedlich. Doch die Bedeutung dieses Ortes hat sich gewandelt, plötzlich wird eine Tote dort abgelegt. Und Lisa, die Tochter von Laura, ist verschwunden. Ist die Sechzehnjährige wirklich nur abgehauen, weil sie die Schnauze voll hat von ihrer ewig nörgelnden, seit Kurzem alleinerziehenden Mutter? Ihr kleiner Bruder Sam weiß etwas, doch er hat versprochen, zu schweigen. Er, der von den großeren Kindern immer nur geärgert wird, ist für mich neben Berta, der „Dorfhexe“, eine der interessantesten Figuren der Geschichte. Wie er sich der Angst um seine Schwester stellt, und, weil ihm niemand zuhört, selbst aktiv wird, ist nachvollziehbar und  liebenswert beschrieben. Die Handlung springt immer wieder in die Vergangenheit, als Berta jung war, Träume hatte. So begreift man als Leser langsam, welche Ereignisse von damals ihre bösen, tödlichen Schatten bis in die Gegenwart werfen.

Laura als hoffnungslos überforderte Mutter, die alles richtig machen will und doch das Gefühl hat, nichts wirklich hinzubekommen. Alex, der Expolizist, der nun die Dorfkneipe führt und selbst einen dunklen Fleck in seiner Vergangenheit hat. Frank, Lauras Nachbar, Schwager und ermittelnder Polizist. Lisa, die verschwunden ist ... Fast alle Figuren wirken sehr lebensecht und unverwechselbar mit ihren Sehnsüchten und in ihrer Unperfektheit. Manche Szene wollte in meinem Kopf aber einfach kein schlüssiges Bild ergeben, z.B. Lisas Begegnung mit Silke und wie sie gemeinsam herumkichern. Oder die Auflösung, weil aus meiner Sicht lange nichts an der Figur auf "die Bestie" hindeutete. Natürlich sollte das, wie die vielen gut platzierten Cliffhanger, die Spannung erhöhen. Aber in so einem Fall fühle ich mich als Leser ein bisschen an der Nase herumgeführt. Auch zeitlich hatte ich ein Problem mit der Einordnung von Berta, der „Greisin“, die lt. meiner Rechnung um die 60 Jahre als sein müsste. Diese kleinen Stolpersteinchen ändern aber nichts daran, dass ich mich richtig gut unterhalten gefühlt habe und das Buch innerhalb von zwei Tagen durchlesen musste.

Fazit: Ein geschickt und spannend konstruierter Thriller. Leseempfehlung. 4****

Das Taschenbuch ist bei epubli erschienen, hat 417 Seiten und kostet 12,99 Euro. Das E-Book ist momentan zum Einführungspreis der Neuauflage für 0,99 Euro erhältlich. 



Montag, 11. März 2019

"Ganz Ohr" von Thomas Sünder und Dr. Andreas Borta

Vor wenigen Tagen, am 3. März, war der Welttag des Hörens. Passend dazu erschien Ende Februar "Ganz Ohr - Alles über unser Gehör und wie es uns geistig fit hält“. Thomas Sünder begann aus persönlicher Betroffenheit, sich mit dem Thema Gehör zu befassen. Zwölf Jahre lang arbeitete er als DJ, hatte sich an seinen Tinnitus und einseitig eingeschränkte Hörfähigkeit gewöhnt. Heftige Schwindelanfälle warfen ihn aus der Bahn. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Mediziner Dr. Andreas Borta, recherchierte Thomas Sünder. Dabei geht er zurück bis zu den Urtierchen, denn vor dem Gehör entstand der Gleichgewichtssinn, der heute ebenfalls in unseren Ohren zu finden ist. 

Das Buch liest sich von Anfang an gut und flüssig. Mir persönlich waren die Erklärungen über die Entwicklung seit der Urzeit allerdings etwas zu ausführlich, diese hätte ich mir etwas kompakter gewünscht. Die persönliche Geschichte Thomas Sünders dagegen liest sich sehr viel spannender. Traurig sind die Einblicke in unser „Akkord-Gesundheitssystem“. Ohne seinen Freund, Dr. Andreas Borta, wäre Herr Sünder als Patient niemals optimal behandelt worden. Auch das ist ein Grund, warum ich dieses Buch für wichtig halte. Je mehr wir als medizinische Laien wissen, um so besser können wir vorbeugen, um im besten Fall gar nicht erst zum Patienten zu werden. Das ist für mich die wichtigste Botschaft des Buches. Auch dass Schwerhörigkeit mehr als nur ein lästiges Übel ist und Menschen, die ihr Hörgerät nicht regelmäßig benutzen, „... weil die Batterien so teuer sind“, sich erhöhtem Demenzrisiko aussetzen, war für mich neu. Und falls wir doch als Patienten zum Ohrenarzt müssen, hilft dieses Buch, die richtigen Fragen zu stellen. Insofern finde ich es schade, dass das Buch zwar den Untertitel trägt „Alles über unser Gehör ...“, aber z.B. die Mittelohrentzündung samt ihren Risiken nicht aufgeführt ist. Ebenso vermisse ich ein Register, um bestimmte Schwerpunkte später noch einmal gezielt nachlesen zu können. Viele interessante Fakten, die Erwähnung finden, lassen sich nur schwer wiederfinden. 


Fazit: Ein interessantes, wichtiges Buch. Das vermittelte Wissen über unser Gehör kann helfen, die eigene Gesundheit zu erhalten. 4****

Das Buch ist broschiert im Goldmann Verlag erschienen, hat 384 Seiten und kostet 14 Euro. Das E-Book ist für 11,99 Euro erhältlich. 


Sonntag, 9. Dezember 2018

"Zimmerservice" - Halloween Special von Bloody Qindie (Anthologie)

„Zimmerservice“ klänge ja ganz freundlich, würde er nicht von Bloody Qindie präsentiert und dann noch mit dem Untertitel „Halloween Special“. Nach dem Jahrmarkts Halloween Special vom letzten Jahr war ich sehr gespannt, was mich im Gruselhotel erwartet. In 13 Zimmern bzw. Geschichten präsentierten die Autoren ganz unterschiedliche Gruselarten. Geister, Nachtmahre, Riesenmonster, verhexte Familienbande oder einfach nur stinkender Schimmel ... richtig gemütlich war es in keinem der Zimmer. Richtig fies wird es, wenn die eigene schwarze Katze auch mitspielen will und ausgerechnet bei ... der passenden Geschichte erscheint und Dich unverwandt anschaut. Aber auch ohne tierische Unterstützung hat mir das Buch angenehme Lese- und etwas weniger angenehme Nachtruhe bereitet. Manche Geschichten sollte man lieber nicht vor dem Einschlafen lesen. 

Insgesamt gefielen mir die Geschichten dieses Mal sehr unterschiedlich. Es gab eine Handvoll, die ich super fand, und zwei, die mich nicht wirklich überzeugen konnten. Dazwischen lag solide, gute Unterhaltung. Dass es nicht immer übernatürlich zuging, fand ich persönlich ein wenig enttäuschend, aber das lag wohl an meiner Erwartung: Halloween = Geister. Besonders gelungen fand ich „Die Welt in der Welt“ von Mika Krüger, „Die blaue Blume“ von Daniel Dekkard (danach konnte ich nicht gut schlafen), „Zuflucht“ von David Pawn (Darüber rätsele ich immer noch) „Das Gruselhotel von Hohenzell“ von Divina Michaelis und „Von Albträumen und Nachtmahren“ von Katharina Gerlach.

Richtig genial ist in meinen Augen das Cover. Es ist so schön schaurig und gleichzeitig zweideutig – sehr verlockend! 


Fazit: Einen lesenswerte Gruselanthologie 4****

Das Taschenbuch hat 286 Seiten und kostet 10 Euro. Das E-Book ist für 2,99 Euro erhältlich. 


Donnerstag, 27. September 2018

"Die Optimierer" von Theresa Hannig

Theresa Hannings Erstlingswerk wurde 2016 mit dem Stefan-Lübbe-Preis ausgezeichnet. "Der intelligente und mitreißende Gesellschaftsentwurf eines zukünftigen Deutschlands." (Auszug aus der Begründung der Jury)

Deutschland ist im Jahr 2052 Teil der Bundesrepublik Europa (BEU), die sich nach außen durch hohe Grenzzäune vom Rest der Welt abgeschottet hat. Denn hier, in der BEU, leben die Menschen fast wie im Paradies. Der offizielle Gruß lautet „Jeder an seinem Platz“ und erinnert stark an These des Kommunismus „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“ Dass jeder in der BEU einen Platz findet, der seinen Fähigkeiten entspricht, dafür sorgen sogenannte Lebensberater. Samuel Freitag ist einer von ihnen. Er ist überzeugt davon, in der optimalen Gesellschaftsform zu leben, sammelt fleißig Sozialpunkte, freut sich auf seine bevorstehende Beförderung und darauf, seiner langjährigen Freundin Melanie einen Heiratsantrag zu machen. Um das System der Optimalökonomie weiter zu perfektionieren, schreibt Samuel regelmäßig Korrekturvermerke, die ihm weitere zusätzliche Sozialpunkte einbringen. Die Beschreibung dieser zukünftigen Gesellschaft überzeugt zunächst. Den Menschen geht es gut, sie laufend lächelnd durchs Leben. Es gibt keine Massentierhaltung mehr und kaum noch Umweltverschmutzung. Roboter verrichten niedere Arbeiten, sorgen für Sicherheit auf den Straßen und in den Häusern. Kriminalität ist fast nicht mehr vorhanden, die Menschen nutzen eine sehr viel weiter entwickelte digitale Technik. Doch zwischen den Zeilen kommen erste Zweifel auf, weil Parallelen zur heutigen Gesellschaft erkennbar sind. Alles wird aufgezeichnet und gespeichert. Der Rundum-Überwachung ist fast nicht zu entkommen. Offiziell natürlich zum Wohle der Menschen. 

Eines Tages gerät Samuels Lebenstraum ins Wanken. Ein kleines Missverständnis, denkt er, als ihm einige Sozialpunkte abgezogen werden und seine Beförderung in die Ferne rückt. Plötzlich läuft es auf allen Ebenen gewaltig schief für ihn, und er muss erkennen, dass er sich in einer Abwärtsspirale befindet. Wir beobachten Samuels Begegnungen mit Menschen, die dem System kritisch gegenüberstehen, u.a. auch seine Eltern. Trotzdem glaubt er weiter an das System, sucht nach Ursachen und Schuldigen. Im letzten Drittel verändern sich Charakter und Geschwindigkeit der Handlung. Das Ende der Geschichte will logisch erscheinen, kam mir aber doch etwas zu weit hergeholt vor. 


Fazit: Zukunftsvision mit starken Parallelen zur Gegenwart. Lesenswert. 4****

Das Taschenbuch ist bei Bastei Lübbe erschienen, hat 304 Seiten und kostet 10 Euro. Das E-Book ist für 8,99 Euro erhältlich, das Hörbuch für 13,92 Euro.


Donnerstag, 12. April 2018

"Unterwegs mit Bodie" von Belinda Jones

Belinda glaubt, in Nathan die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben. Doch der Marineoffizier verlässt sie, weil er ihr eine mehrmonatige Trennung durch seinen Dienst nicht zumuten will. Für Belinda scheint das Leben sinnlos, sie ist sozusagen am Ende. Genau wie Bodie, der schon so lange im Tierheim lebt, dass demnächst die Todesspritze auf ihn wartet. Eine glückliche Fügung führt die Beiden zusammen und schenkt ihnen neuen Lebensmut. Schon nach kurzer Zeit beschließt Belinda, mit Bodie über 3000 Kilometer die amerikanische Westküste hinaufzureisen, von Los Angeles bis Portland. 

Ich fand Belindas Schilderung der ersten Erlebnisse mit Bodie amüsant und fühlte mich an meine erste Zeit als Hundebesitzerin erinnert. Wie sich plötzlich alles um den Hund dreht, Kleidung nach Zweckmäßigkeit gewählt und gute Vorsätze, was der Hund darf und was nicht, gefasst und wieder über den Haufen geworfen werden.

Der größte Teil des Buches schildert die Reise der Beiden. Einerseits fand ich diese ausführlichen Reiseberichte faszinierend. Welche Cottages, Restaurants, Läden usw. Belinda und Bodie besuchen und wo sie sich besonders willkommen fühlen. Andererseits gefiel mir auch die Entwicklung der Beziehung zwischen der Autorin und ihrem Hund. Die Schrecksekunden an der stark befahrenen Straße oder auch das Glücksgefühl, den eigenen Hund glücklich und entspannt zu sehen. Rührend fand ich auch Bodies erste Begegnung mit dem Meer. So ähnliche unvergessliche Erlebnisse gibt es im Leben jedes Hundebesitzers. Ich war beeindruckt von der Freundlichkeit, der Belinda begegnee, sowohl Hundebesitzern und als auch ihren vierbeinigen Begleitern gegenüber. Schade, dass mein Hund und ich Belindas so ausführlich beschriebener Route nicht folgen können, auch wenn das Buch direkt dazu einlädt. 

Belinda gewinnt neues Selbstvertrauen, fühlt sich nicht mehr als die von Nathan Verlassene, sondern als die von Bodie Auserwählte. Kleine Selbstzweifel zwischendurch machen die Geschichte um so authentischer. Manchmal kamen mir Belindas Gedanken etwas zu euphorisch-philosophisch vor, was aber durch Situation, in der sie sich befand erklärbar ist. Sie war am Ende und staunt selbst, wie viel Glück wieder in ihr Leben kommt. Durch einen Hund. 

Der in meinen Augen einzige Kritikpunkt ist die Qualität der Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche. Wortwiederholungen innerhalb eines Satzes, die man elegant hätte vermeiden können, und aus dem Englischen übernommener Satzbau störten wiederholt meinen Lesefluss. Wenn ein Satz so verquer formuliert ist, dass ich ihn mehrfach lesen muss, um die Wörter neu zu sortieren und den Inhalt zu verstehen, hat der Übersetzer seine Arbeit nicht gut gemacht. Dafür einen Stern Abzug.

Fazit: Ein lesenswertes Buch für alle Hundefans. 4****

Die gebundene Ausgabe ist im Benevento Verlag erschienen, hat 312 Seiten und kostet 16 Euro. Das E-Book ist für 12,99 Euro erhältlich. 



Sonntag, 7. Januar 2018

"Gewagter Einsatz" von Elke Schwab

Der Kurzkrimi "Gewagter Einsatz" ist der erste Teil bzw. das Prequel der bislang sechsbändigen Krimireihe mit Lukas Baccus und Theo Borg, geschrieben von der Saarländerin Elke Schwab. Wir erfahren, wie Lukas Baccus und Theo Borg sich auf dieselbe Planstelle bewerben und beim ersten gemeinsamen Einsatz um diesen Posten konkurrieren. Dabei geht nicht immer alles glatt, ihr Draufgängertum bringt die Beiden in gefährliche und auch irgendwie komische Situationen. Doch als es darauf ankommt, werfen die Männer ihr Konkurrenzdenken über Bord.

Die Figuren Baccus und Borg gefielen mir gut. Sie wirken lebendig, voller Energie und Überschwang in ihrem Bemühen, alles richtig zu machen und den begehrten Job zu ergattern. Ihre Entscheidung, als es darauf ankommt, ist menschlich und sympathisch. Der Fall, an dem sie beide zusammenarbeiten, hat es in sich. Scharfsinnige Leser dürfen miträtseln und anhand kleiner Details selbst auf die richtige Spur kommen. Ein paar Figuren wirkten auf mich arg klischeehaft, alles in allem fühlte ich mich aber gut unterhalten und vor allem mit dem nötigen Vorwissen ausgestattet, um mich direkt dem nächsten Baccus-Borg-Krimi zuzuwenden.

Kleine Anmerkung zum Cover: Das Motiv an sich finde ich gut, wenn auch nicht wirklich zur Geschichte passend. Leider wurde dieses Fotomotiv im Laufe der letzten Jahre von diversen Autoren fast schon inflationär für Krimis und Thriller verwendet, sodass es keinen eindeutigen Wiedererkenn-Effekt für dieses Buch hat. 


Fazit: Unbedingt vor den anderen Baccus-Borg-Krimis lesen! 4****

Das kleine Taschenbuch ist im Solibro Verlag erschienen, hat 112 Seiten und kostet 4 Euro. Das E-Book ist für 2,49 Euro erhältlich.


Montag, 23. Oktober 2017

"Die stille Kammer" von Jenny Blackhurst

Kann es für eine Mutter etwas Schlimmeres geben, als die Gewissheit, das eigene Kind ermordet zu haben? Susan Webster hat genau dies getan - ihren drei Monate alten Sohn Dylan mit einem Kissen erstickt. Drei Jahre verbrachte sie in der Forensischen Psychiatrie, nun lebt sie unter dem neuen Namen Emma in einer anderen Stadt. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los. Sie erhält einen Brief mit einem Foto eines kleinen Jungen - laut Notiz auf der Rückseite soll es Dylan heute zeigen. Kann es sein, dass ihr Kind lebt? Susan, psychisch noch nicht völlig stabil, beginnt an ihrem Verstand zu zweifeln, aber auch, sich Hilfe zu holen. Ihre beste Freundin Cassie und der Journalist Nick helfen Susan dabei, herauszufinden, was vor drei Jahre wirklich geschah. Plötzlich scheinen andere Ereignisse, die über zwanzig Jahre zurückliegen, mit Dylans Tod zusammenzuhängen. 

Der Autorin gelingt es von Anfang an, Spannung aufzubauen. Susan war mir trotz ihrer schlimmen Tat, an die sie keine Erinnerung hat, sofort sympathisch. Ihre beste Freundin Cassie ist ein Glücksfall für sie, und auch der Journalist scheint ihr in erster Linie helfen zu wollen und nicht nur auf eine reißerische Story auszusein. Die zweite Handlungsebene, die Rückblende in die 1980er und -90er Jahre, scheint zunächst nichts mit Susans Geschichte zu tun zu haben. Die Erzählung von der Jungsclique erinnerte ein bisschen an die »Kindheitsidylle«, mit der manche Geschichte vom großen Meister Stephen King beginnt und wo dann plötzlich das Grauen hereinbricht. Insofern fand ich diesen Teil ebenfalls sehr spannend, weil eine latente Bedrohung in der Luft schwebte.  Der Zusammenhang zu Susans Geschichte erschließt sich erst allmählich. 

Susan als Hauptfigur wirkt für mich sehr authentisch mit ihren Zweifeln, Schuldgefühlen, aber auch in ihrer Hoffnung. Die anderen Figuren sind teilweise interessant, z.B. Cassie und auch Jack und seine Entwicklung. So richtig warm wurde ich mit manchen von ihnen aber nicht. Mir fehlte einfach die Logik in ihrem Handeln, bzw. die Nachvollziehbarkeit ihrer Motive. Dass z.B. die Jungs der Clique wirklich so sehr von Jack abhängig sind, seine Anweisungen bis zum letzten mittragen, ohne sie zu hinterfragen oder ihren eigenen moralischen Grenzen zu unterwerfen. Jennifer blieb mir bis zum Schluss ein Rätsel. Und kann ein Mensch mit durchschnittener Kehle und »toten Augen« eine halbe Stunde später immer noch am Leben sein? Auch die Motivation anderer Randfiguren, die erst zum Ende der Geschichte ins Spiel kommen, war für mich nicht nachvollziehbar. Gerade das erwarte ich aber von einem guten Psychothriller, dass ich die Psyche der agierenden Personen zumindest ansatzweise verstehe. 

Alles in allem ein spannender Thriller mit einer langsam wachsenden, überraschenden Auflösung. 4****

Das Taschenbuch ist bei Bastei Lübbe erschienen, hat 446 Seiten und kostet 9,99 Euro. Das E-Book ist für 8,99 Euro erhältlich, das Hörbuch für 10,49 Euro. 





Mittwoch, 18. Oktober 2017

"App to Date" von Carine Bernard

Zum Erscheinen ihres neuen Liebeskrimis "App to Date" hat die Autorin Carine Bernard zu einer Blogtour eingeladen. Verschiedene Bloger stellen auf ihren Blogs das Buch vor, es gibt Interviews, Hintergrundinformationen und am Ende (Sonntag, 22.10.2017) ein großes Gewinnspiel, an dem auch Ihr, liebe Leser, hier auf diesem Blog teilnehmen könnt, denn Liselotteratur ist bei der Blogtour dabei. 




Rezension zu »App to Date« von Catherine Bernard

Ein Team von Psychologen entwickelt gerade eine neue Dating-App, mit deren Hilfe die Benutzer ihren perfekten Partner finden sollen. Jenny, die als Studentin diesem Team angehört, testet die App mit einem Fakeprofil. Doch dann wird es kompliziert - sie lernt mit Hilfe der App Jakob kennen und verliebt sich in ihn. Wenig später stirbt eines ihrer Dates und Jakob wird als Mörder verdächtigt. Natürlich versucht Jenny alles, um seine Unschuld zu beweisen ...

Es klingt wie ein moderndes Märchen: Die App analysiert mit Hilfe seines eigenen Smartphones den jeweiligen User, erkennt seine Bewegungen, Vorlieben, Kontakte usw. und schlägt ihm dazu passend die perfekten Datingpartner vor, sobald sich diese in seiner Nähe aufhalten. Jakob und Jenny sehen tatsächlich im jeweils Anderen den optimalen Partner. Klingt toll, kein langes Suchen mehr, keine Enttäuschenungen, Tränen und Liebeskummer. Nur dass jedes Ding zwei Seiten hat und Jenny bald erkennen muss, dass jemand die App und die mit deren Hilfe gesammelten Daten missbraucht. Und auch Jakob und Jenny werden von der Realität eingeholt, denn Konflikte und Missverständnisse kann selbst diese neue App nicht verhindern. 

Das Buch liest sich leicht und flüssig, die Charaktere sind relativ einfach - es gibt die Guten und die Bösen und kaum etwas dazwischen. Wenigstens Jakob hat als Guter ein paar Schwächen. Die Liebesgeschichte hat mich leider nicht so ganz gepackt. Einerseits ging es sehr schnell, andererseits war immer noch eine große Distanz zwischen den Beiden, z.B. das »verzockte Date«, oder dass Jenny nicht einfach mit der Wahrheit rausrückt. Durch die gelungene Beschreibung der Lokalitäten bekam ich direkt Lust, Düsseldorf wieder einmal zu besuchen. 

Mich hat vor allem die gruselige Datenmissbrauchsgeschichte fasziniert. Ein bitterböses was-wäre-wenn-Szenario. Der Mordfall war eher »Beiwerk«, zumal mir ziemlich schnell klar wurde, wer der Mörder sein würde und was sein Motiv ist - noch bevor es eine Leiche gab. Ein Rätsel gewohnter Krimileser hätte hier vielleicht mehr erwartet. Trotzdem hat mich das Buch gefesselt und nachdenklich zurückgelassen. Denn, zu diesem Krimi gibt es eine interessante Vorgeschichte. Die Autorin Carine Bernard ließ sich inspirieren von einer wahren Zeitungsmeldung: "Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt":  Der Inhalt ist so ungeheuerlich, dass man ihn am liebsten ins Reich der Phantasie verbannen würde. Und doch ist diese psychologische Ausspionierung und Beeinflussung heute bittere Realität. Ich empfehle Euch dringend, den verlinkten Artikel zu lesen. Es geht nämlich nicht nur darum, welche personalisierte Buch-, Schuh- und Reisewerbung uns angezeigt wird. Damit könnte ich leben. Im Buch werden Dates gemacht. In der Realität Regierungen. DAS macht mir wirklich Angst.
Fazit: Leichter Liebeskrimi mit sehr realem, beängstigendem Hintergrund. 4****




"App to Date" von Carine Bernard erschien am 13. Oktober 2017. Das Taschenbuch hat 292 Seiten und kostet 11,90 Euro. Das E-Book ist zur Zeit für 2,49 Euro erhältlich. 

Hier auf meinem Blog erwartet Euch am Freitag, dem 20.10.2017 ein "Werkstattgespräch" mit Carine Bernard. Wir plaudern darüber, woher wir die Ideen für unsere Bücher bekommen, wie lange wir an einer Geschichte schreiben und ob es Fortsetzungen der bisher erschienenen Bücher geben wird. Bleibt schön neugierig und vergesst das Gewinnspiel nicht: 





Gewinnspiel - Info: 
1. Preis: 1 Taschenbuch "App to Date" + 1 Lesezeichen
2. Preis: 1 E-Book "App to Date" + 1 Lesezeichen
3. Preis: 1 Messetasche "App to Date" + 1 Lesezeichen

Teilnahmebedingungen: Die Blogtour "App to Date" findet vom 16. - 22.Oktober 2017 statt. Während dieser Zeit werden auf den beteiligten Blogs (blog-a-holic, Buchwellenreiter, Flowers Büchertagebuch, Lina liest halt und Liselotteratur) Beiträge gepostet.
UM AM GEWINNSPIEL TEILZUNEHMEN, MUSS WÄHREND DER BLOGTOUR MINDESTENS EIN BEITRAG KOMMENTIERT WERDEN: 
- direkt in einem der beteiligten Blogs
ODER
- in einem zur Blogtour verlinkten Facebook-Beitrag
(auf der Facebookseite eines der Blogs oder auf der Seite der Veranstaltung)

Jeder kommentierte Beitrag erhöht die Gewinnchance! Mehrfache Kommentare im gleichen Beitrag werden aber nur einmal berücksichtigt.

Die oben genannten Preise werden am Sonntag, den 22. Oktober um 14.00 Uhr unter allen Teilnehmern verlost.
Die Sachpreise können nicht in bar abgelöst werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Datenschutz: Zur Übermittlung der Gewinne ist es notwendig, nach der Auslosung Name und Adresse anzugeben. Diese Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel verwendet und anschließend gelöscht.
Wer zum Zeitpunkt der Auslosung (22.10.2017) noch nicht 18 Jahre alt ist, benötigt eine Einverständniserklärung der Eltern.

Veranstalter des Gewinnspiels ist Karin Uhlig, Am Pfingsberg 35, 40882 Ratingen. Weder Facebook noch die teilnehmenden Blogger sind für die Durchführung verantwortlich.
***

Viel Glück beim Gewinnspiel! Wenn Ihr mehr über "App to Date" wissen und Eure Chancen beim Gewinnspiel erhöhen möchtet, schaut auch auf den anderen Blogs vorbei. Der nächste Beitrag erscheint am 19.10.2017 um 10 Uhr bei:




Donnerstag, 10. August 2017

"Die Sommerfrauen" von Mary Kay Andrews

»Die Sommerfrauen« von Mary Kay Andrews ist ein Roman wie ein Urlaub am Meer. Drei Freundinnen, die sich schon seit der Grundschule kennen, inzwischen 35 Jahre alt sind und, wie man so schön sagt, »mitten im Leben stehen« haben ein Strandhaus in North Carolina gemietet. Hier in nag’s Head wollen Ellis, Dorie und Julia gemeinsam den ganzen Monat August über Urlaub machen. Nur die Frauen, denn Männer, soweit vorhanden, mussten zuhause bleiben. Ihre Unterkunft »Ebbtide« genannt, ist ein etwas heruntergekommenes Haus direkt hinter den Dünen. Über einen Holzsteg ist man im Nu am Strand - allein das klang für mich so verlockend, dass ich mich immer wieder selbst nach Ebbtide träumte. Für die Freundinnen wird der gemeinsame Urlaub aber auch zur Stunde der Wahrheit. Langgehütete Geheimnisse kommen ans Licht und auch in ihrer aktuellen Lebenssituation kann jede der Drei mit Überraschungen aufwarten. Unverhofft kommt noch eine vierte Frau hinzu, Maryn, die zunächst gar nicht in die Runde zu passen scheint und eine kriminelle Hintergrundgeschichte mitbringt.. Und was wäre ein Sommerurlaub ohne Liebe? Auch fürs Herz bietet die Lektüre von »Sommerfrauen« genug Stoff. 

Mir hat gefallen, dass die Frauen sehr lebensecht wirken. Jede hat ihre größeren oder kleineren Macken. Sie haben gemeinsam Spaß, bauen auch mal Mist, halten aber zusammen und sind füreinander da. Die Zeit in Ebbtide bietet Gelegenheit, hinter die Fassade zu schauen, Lebensziele zu hinterfragen. 

»Sommerfrauen« ist ein typischer Frauenroman. Wir erfahren fast in jeder Szene, was die Freundinnen gerade anhaben, wie sie ihre Haare tragen. Aber auch das gehört für mich zum Sommerurlaub dazu - ein zur gebräunten Haut passendes Top oder ein schwingendes Sommerkleid. 

Ein wenig gestört haben mich die gehäuften Wiederholungen. Wenn wir bspw. Maryns Geschichte bereits kennen und sie dann Ellis noch einmal mit allen Details erzählt wird. Auch die Auflösung zum Schluss, wie es mit Ebbtide weitergeht, fand ich ein wenig sehr fantastisch. An dieser Stelle ähnelte der Roman mit den lebensechten Figuren eher einem modernen Märchen von der guten Fee. Überhaupt hat für mich die Geschichte zum Ende hin an Tiefe verloren. Zwar wurde es dramatischer, aber die kleinen, liebenswerten Details fehlten mir, die liebgewonnene Atmosphäre verblasste. Julias Geburtstag z.B. wird nur in zwei Nebensätzen erwähnt. Keine Torte, keine Kerzen ... ? Wie beste Freundinnen das doch sicher machen würden?

Trotzdem zählt »Sommerfrauen« zu meinen Favoriten für ein sommerliches Lesevergnügen. Ellis, Dorie, Julia und Maryn, ich wäre so gern noch länger mit euch in Ebbtide geblieben! 


Fazit: 4****

Das kleine, handliche Taschenbuch (9,2 x 14,4 x 2,7 cm) aus der Fischer TaschenBibliothek hat 688 Seiten und kostet 10 Euro. Das normale Taschenbuch und das E-Book kosten jeweils 9,99 Euro.


Mittwoch, 3. Mai 2017

"Die dunkle Seite des Sees" von Tina Schlegel

Dies ist nach "Schreie im Nebel" der zweite Bodensee-Krimi von Tina Schlegel um den Ermittler Paul Sito und den Kriminalpsychologen und Profiler Roman Enzig. Die Handlung beginnt Ende April / Anfang Mai. Die ersten heißen Tage des Jahres versetzen die Menschen am Bodensee in Sommerlaune. Noch ahnt niemand, dass die Hitze bis weit in den September hinein bleiben und immer mehr zur Last werden wird, genau wie der neue Mordfall, in dem Sito und sein Team ermitteln. 

Besonders gut hat mir bei diesem Buch die Bodenseeatmosphäre gefallen. Genau so kenne ich den See und die Stadt Konstanz. Immer wieder sah ich die bekannten Schauplätze vor Augen oder entdeckte Neues, mir bisher Unbekanntes, wie die kleine Dachterrasse der Buchhandlung. 

Die Kriminalfälle stehen in jedem Bodenseekrimi von Tina Schlegel für sich, die Hauptfiguren - Ermittler und ihr Umfeld - haben ihre eigene private Geschichte, die sich weiterentwickelt. Mit diesen Figuren kam ich vor allem deshalb gut zurecht, weil ich sie bereits aus "Schreie im Nebel" kannte. Einiges, was dort passierte, erklärt, warum die Hauptpersonen jetzt so und nicht anders handeln. In diesem zweiten Teil wird aber nur andeutungsweise darauf eingegangen, was ich schade finde für alle, die Teil 1 noch nicht kennen. Die Tagebuchaufzeichnungen Sitos halfen selbst mir nur bedingt weiter, sodass ich z.B. lange falsch lag, wessen Gesicht er immer wieder sieht. Trotzdem macht gerade die Entwicklung der Hauptfiguren einen Großteil des Reizes der Geschichte aus. Enzig, Sito, Samuel, Miriam ... sie alle haben ihre Probleme, lassen eine Entwicklung erkennen. Das lässt sie lebensecht und sympathisch wirken, gerade auch wegen der Fehler, die sie machen. 

Die Mordfälle sind außergewöhnlich und deuten auf ein persönliches Problem des Täters hin. Durch den Perspektivwechsel erfahren wir zwar schon früh einige Gedanken des noch unbekannten Mörders, das Motiv wird erst später im Buch enthüllt. Das macht es spannend. Auf den Täter hingegen deutet alles schon sehr bald hin und das finde ich schade für einen Krimi. Ich hätte gern mitgeraten, WER es war und nicht nur WARUM. 

Alles in allem ein unterhaltsames, spannendes Buch mit viel Bodenseeatmosphäre, eine interessante Fortsetzung des ersten Krimis »Schreie im Nebel«, den man meiner Meinung nach vorher gelesen haben sollte. 


Fazit: 4 ****

Das Taschenbuch ist im Emons-Verlag erschienen, hatt 336 Seiten und kostet 12,90 Euro. Das E-Book ist für 9,49 Euro erhältlich. 


Samstag, 4. Februar 2017

"Die Kanzlerin" von Linda Behringer

Angelika Mörkel, Deutschlands Bundeskanzlerin in diesem Buch, soll gemeinsam mit ihrem Ehemann heimlich Geld in die Schweiz geschafft haben, um Steuern zu unterschlagen. Diese Nachricht ist für die Presse ein gefundenes Fressen und der Skandal des Jahres. Mörkels Vertrauter rät ihr, unterzutauchen, und bringt Mörkel inkognito bei seinem ( ihm fremd gewordenen) Sohn in einer Berliner WG unter. Dieses Szenario erschien mir extrem unglaubwürdig, ist aber der Aufhänger für den weiteren Verlauf der Handlung. Während offiziell behauptet wird, die Kanzlerin sei krank, beginnt eine Hetzjagd der Journalisten, die ihren wahren Aufenthaltsort ausfindig machen und eine Stellungnahme von ihr haben wollen.
Ich gebe zu, beim Anblick des Covers war ich skeptisch. Diese Zitronenpresse, die es tatsächlich zu kaufen gibt, trifft nämlich gar nicht meinen Humor. Aber der Klappentext des Buches las sich gut, also gab ich der 172 Seiten langen Geschichte eine Chance und wurde nicht enttäuscht. Das Buch liest sich locker weg, was zum Einen am Erzählstil liegt, der sehr gut zum Genre passt, zum Anderen an den präzisen Hinweisen auf den nächsten Ortswechsel zu Beginn eines neuen Kapitels. Die vielen unterschiedlichen Charaktere haben alle ihre teils schrulligen Eigenarten und sind sehr gut unterscheidbar. Manche Szenen sind zwar etwas sehr skurril, z.B. die Kanzlerin in der Abstellkammer versteckt, aber wenn man sich auf diesen Humor einlässt, erkennt man fast so etwas wie eine Botschaft in dem Buch - Kanzlerinnen sind auch nur Menschen! So erleben wir Angelika Mörkel im Jogginganzug am WG-Tisch, als Ersatzkrankenpflegerin des griesgrämigen Nachbarn, in Erinnerungen schwelgend an die erste, total verliebte Zeit mit ihrem Ehemann usw. Ganz nebenbei kommen die Menschen in ihrem Umfeld ihr und sich gegenseitig (wieder) näher, was beim Lesen ein nettes, zufriedenes Gefühl erzeugt. Das große Finale ist filmreif, und spätestens da kam mir der Gedanke, dass das Buch wirklich eine prima Vorlage für einen Film wäre. Sicher ist manche Idee sehr weit hergeholt, aber wer von uns weiß denn, was hinter den Gardinen im Hause Kanzlerin wirklich los ist? Oder in ihrem Kopf? 
Es gibt einige Anspielungen auf aktuelle und vergangene Ereignisse. Politik und Presse kommen dabei nicht so gut weg, aber wir Deutschen wollen bei allem Humor ja auch immer etwas haben, auf das wir schimpfen können. 
Fazit: Nette, humorvolle Story. 4****
Das Taschenbuch ist als Book on Demand erschienen, hat 172 Seiten und kostet 9,99 Euro. Das E-Book ist für 6,99 Euro erhältlich. 


Donnerstag, 26. Januar 2017

"Totenrausch" von Bernhard Aichner

Wie hatte ich diesem dritten Teil der Blum-Trilogie entgegengefiebert! Teil 1 "Totenfrau" hatte mich berührt, wie kein Thriller vorher und teils schluchzend, teils atemlos weiterlesen lassen. Teil 2 "Totenhaus" hatte ein bisschen was von "Shining" und ließ mich am Ende mit der Frage zurück: "Wie, verdammt noch mal, soll denn hier alles wieder gut werden?" (Man sollte die drei Teile unbedingt auch in der richtigen Reihenfolge lesen.)

Und nun Teil drei. Tatsächlich findet Blum einen Weg zu einem Ort, der ihr und den Kindern wieder Geborgenheit gibt. Dass die Kinder dieses Gefühl genießen, in ihrer unschuldigen Naivität, ist normal. Dass Blum sich ebenfalls dieser Illusion hingibt, zumindest zeitweise verständlich. Nach allem, was sie durchgemacht hat, tut es ihr ebenso gut, wie den Kindern, wieder Normalität zu leben. Trotzdem sitzt sie auf einer tickenden Zeitbombe, das weiß sie. Darum kann ich ihre Handlungen gleich mehrfach nicht nachvollziehen, verliert Blum für mich ihre Glaubwürdigkeit. Erstens: Ihr Aussehen. Sie war mit Fahndungsplakaten in Österreich und Deutschland gesucht worden. Daran mögen sich manche Menschen noch erinnern. An keiner Stelle las ich, dass Blum ihr Aussehen verändert hätte, z.B. Haare geschnitten und gefärbt. Zweitens: Die Pässe für sich und die Kinder. Das war ihr großes Ziel. Warum haut sie nicht ab, als sie die Dokumente hat, sondern glaubt, ihre Schuld, ihr Versprechen nicht einlösen zu müssen? Drittens: Spätestens nach dem ersten Fehlschlag hätte sie die Kinder schnappen und verschwinden sollen. Natürlich, Blum ist müde geworden auf der Flucht. Aber jetzt hatte sie Zeit, sich zu erholen, weiter zu denken. Klar zu denken, so wie in den ersten beiden Teilen. Lange Zeit erschien sie mir in »Totenrausch« wie weichgespült. Kann Blum wirklich nur klar und logisch denken, wenn, salopp gesagt, die Kacke am Dampfen ist? Oder war ihr naives Vertrauen zu Schiele einfach nur notwendig, um die Geschichte so erzählen zu können, wie sie jetzt vor uns liegt? Wäre sie nach Erhalt der Pässe geflohen, wäre das Buch nach nicht einmal 90 Seiten zu Ende gewesen. So aber konnte Blum wieder zur Höchstform auflaufen und Totenrausch zu einem atemraubenden Finale führen. 

Alles in allem ein typischer Aichner. Die kurzen knackigen Sätze, die den Leser voranpeitschen. Manchmal noch einer hintendran gehängt. Und noch einer. Schnörkellose Dialoge, und damit meine ich nicht nur die fehlenden Anführungszeichen. Dadurch entsteht Tempo, man liest und will weiterlesen. Noch ein Kapitel. Noch eins, das war ja gerade so kurz. Und dann wieder die Momente, in denen wir mit Blum ganz still werden. Wenn sie die Kinder streichelt, während sie schlafen. Liebe und Hass, Leben und Tod so dicht beieinander. 

Das Bild auf dem Cover ist auch ein Aichner. Der Autor malt nämlich auch und das so gut und erfolgreich, dass es schon mehrere Ausstellungen gab. 


Fazit: Spannender Abschluss der Trilogie. 4****

Das Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen ist im btb Verlag erschienen, hat 480 Seiten und kostet 19,99 Euro. Das E-Book ist für 15,99 Euro erhältlich. 


Montag, 16. Januar 2017

"Gemüseheilige" von Florentine Fritzen - Eine Geschichte des veganen Lebens

Die Autorin Florentine Fritzen hat eine erstaunliche Anzahl historischer Fakten zur Geschichte des Veganismus in Deutschland zusammengetragen. Dabei stützt sie sich größtenteils auf Dokumente, die von diesen »Gemüseheiligen«, Natur- oder Pflanzenköstlern selbst verfasst wurden. Angefangen von Reinhold Riedel, der in den 1890er Jahren beruflich viel unterwegs war und sich dabei fast ausschließlich von Obst, Trockenfrüchten, Brot und Nüssen ernährte, bis hin zum Veganismus der Gegenwart, den mittlerweile etwa 900.000 Deutsche leben. Fritzens Buch liest sich größtenteils spannend und bietet dem Leser viele Aha-Erlebnisse. Dass der Veganismus als höchste Stufe des Vegetarismus angesehen wird, ist nicht neu, auch wenn das Wort »vegan« erst 1944 in England erfunden wurde und Jahrzehnte später in Deutschland gebräuchlich wurde. Seit Riedels Zeiten scheint allerdings das Bekenntnis zu rein pflanzlicher Ernährung so etwas wie eine Glaubensfrage gewesen zu sein. Anfangs standen vor allem gesundheitliche Aspekte im Vordergrund, Kurkliniken auf Basis der »Sonnenlichtnahrung« schienen ein Allheilmittel gegen allerlei Krankheiten des zunehmenden Wohlstands zu sein. Doch bald kamen die ersten Stimmen auf, die Tötung und Ausbeutung der Tiere als Sünde ansahen. Veganismus wurde, bevor es das Wort gab, eine Art Ersatz- bzw. Zusatzreligion. Auch dunkle Kapitel des Veganismus werden im Buch angesprochen, wie bspw. der »Zwangsvegansimus« während der Zeit des 1. Weltkriegs, als tierische Lebensmittel knapp und nahezu unerreichbar waren. Oder die Gleichschaltung vegetarischer Vereine zur Zeit des Nationalsozialismus. Spätestens hier ploppt die Erkenntnis auf, dass Veganer oder Vegetarier nicht automatisch bessere Menschen sind. 
In der Gegenwart ist vegan für viele Menschen eine Art Lifestyle, eine Art der Abgrenzung von all den Normalen, man isst eben anders und fühlt sich dadurch besser. Egal, ob dabei ethische (Tierschutz) oder gesundheitliche Aspekte im Vordergrund stehen, die Industrie hat dies erkannt und nutzt den neuen Trend, um in allen Supermärkten mit »vegan« zu locken. Die Verkaufszahlen hübsch aufgemachter veganer Kochbücher sind so hoch, dass daran gemessen mittlerweile wohl ganz Deutschland vegan leben müsste. Um so aufschlussreicher ist Fritzens Rückblick auf die Geschichte der veganen Ernährung in Deutschland. Und vielleicht ist der Trend zu »wenigstens ein bisschen vegan« ein Versuch, an die ursprünglichen Ziele der ersten Gemüseheiligen anzuknüpfen, die davon träumten, die Welt zu verändern und zu verbessern. Dass es dazu keiner »wie-Fleisch-aussehenden« Ersatzprodukte bedarf, macht das Beispiel Reinhold Riedels deutlich. Und dass »vegan« nicht automatisch »gesund« bedeutet, wird spätestens beim Blick auf die Inhaltsstoffe der industriell hergestellten, veganen (Fertig-)Produkte deutlich. Auch die aktuelle Diskussion um vegane Ernährung von Kindern und Schwangeren oder das Vitamin B12 findet Platz in diesem Buch.
Mir hätte eine klarere historische Linie in diesem Buch gefallen. Für meinen Geschmack geht es vor allem in der ersten Hälfte des Buches immer wieder vor und zurück. Die aktuelle Entwicklung der letzen knapp zehn Jahren wird relativ kurz abgehandelt, als »Hype« dargestellt, ohne tiefer auf die Gründe einzugehen. Ist vegan wirklich nur eine Alternative zu »Low Carb« oder Intervallfasten? Oder ist es ein Versuch, in kleinen Schritten die Welt verbessern zu wollen, ganz in Tradition von Riedel, Skriver und Co?
Fazit: »Gemüseheilige« hilft, die Entstehung des Veganismus zu verstehen und hinterfragt gleichzeitig aktuelle Trends. 4****
Das Hardcover mit Schutzumschlag ist im Franz Steiner Verlag erschienen, hat 183 Seiten und kostet 21,90 Euro. Eine E-Book-Ausgabe ist (bis jetzt ) nicht erhältlich. 

Freitag, 23. Dezember 2016

"Wunder der Weihnacht" von Elisabeth Mittelstädt (Hrsg.)

Weihnachten ist mehr ...

... als Geschenke kaufen, Glühwein trinken, Plätzchenbackorgien und weihnachtlich ein durchgestyltes Zuhause. Das Buch "Wunder der Weihnacht" vereint wahre Geschichten einer Vielzahl christlicher Autoren. In fünf Kapiteln, geordnet nach Themen wie "Weihnachtswunder", "Schutzengel unterwegs" oder "Königliche Geschenke" erfahren wir, was andere Menschen um Weihnachten herum erlebt haben. Die Geschichten lassen uns zur Besinnung kommen, denn jede zeigt auf ihre Weise, worum es Weihnachten wirklich geht: Christi Geburt und Gottes Liebe zu den Menschen, die wir mit unseren Mitmenschen teilen dürfen. 

Viele der Geschichten erfüllten mich mit Dankbarkeit, weil sie mir auch bewusst werden ließen, wie gut es mir / uns doch geht. Wir sind nicht auf der Flucht, haben ein schönes Haus, liebe Menschen um uns herum. genug zu Essen ... Wenn die einzige "Sorge" ist, was ich Tante Erna zu Weihnachten schenken soll, und ob der Weihnachtsbraten gelingt, dann haben wir wirklich keinen Grund zum Klagen. Aber die Geschichten zeigen noch mehr. Selbst nach dem Verlust eines geliebten Menschen oder in anderen schwierigen, traurigen Lebenssituationen ist Weihnachten eine Zeit, die Hoffnung gibt. Und Teilen macht glücklich.

Das Buch trägt den Untertitel "Wahre Geschichten" und dadurch hat es meine Erwartungen nur teilweise erfüllt. Etwa ein Viertel oder mehr der vermeintlichen Geschichten sind fromme Gedanken, teils mit zahlreichen Verweisen auf Bibelstellen. Wer dies mag und sucht, wird daran seine Freude haben. Mir haben diese Seiten nicht so gefallen, darum ein Stern Abzug. 

Insgesamt ist "Wunder der Weihnacht" ein Buch, das sehr gut geeignet ist, echte Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Die Geschichten sind kurz bist ganz kurz (ca. 40 auf knapp 200 Seiten) und lassen sich gut in ein paar ruhigen Minuten lesen oder vorlesen. 


Fazit: Lesetipp für die Vorweihnachtszeit. 4****

"Wunder der Weihnacht" ist als Hardcover im Lydia Verlag (Gerti Medien) erschienen, hat 208 Seiten und kostet 12,99 Euro. Eine E-Book-Ausgasbe gibt es bisher nicht. 



Dienstag, 6. Dezember 2016

"Hasen feiern kein Weihnachten" von Anne Blum

Weihnachten mit Christbaum, Kitsch und Bratapfel? Oder lieber unter asiatischer Sonne mit Cocktail am Pool? Tessa und Ole würden diese Frage völlig gegensätzlich beantworten. Trotzdem stünde auch dieses Jahr wieder die gemeinsame Flucht nach Ko Samui an. Hätte nicht drei Tage vor Weihnachten Tessa Ole beim Fremdgehen ertappt. So schießt sie den Untreuen zumindest vorläufig in den Wind und reist allein nach Kappeln zu ihren Eltern, Geschwistern, Bratäpfeln, Lametta und Weihnachtslieder singenden Gartenzwergen. 

Auf den ersten Blick ist "Hasen feiern kein Weihnachten" ein lustiges Buch um eine etwas spießige Familie, die sämtliche Weihnachtsbräuche auf die Spitze treibt und voll auslebt. Dann kommen die kleinen Aha-Momente, etwa als Tessa den Flur im Haus ihrer Eltern betritt und Spießigkeit auch jahrelange Vertrautheit und Geborgenheit bedeutet. Die Geschichte lebt von ihren liebenswert chaotischen Figuren, die unter der manchmal unfreiwillig komischen Hülle ihre Verletzlichkeit verbergen. In wenigen Szenen dürfen sie diese zeigen und werden dadurch noch lebensechter und liebenswerter. Natürlich wirkt manches satirisch überspitzt, aber wer sich beispielsweise über die fast schon aggressive Hartnäckigkeit wundert, mit der Tessa wiederholt nach Ehemann und Kinderzahl gefragt wird, ist wohl nicht auf dem Dorf oder in der Kleinstadt groß geworden. 

Das Buch zaubert ganz viel weihnachtliche Atmosphäre herbei und eignet sich perfekt als gefühl- und humorvolle Einstimmung auf die Feiertage. Natürlich werden Klischees bedient. Ohne scheint es im Genre nicht zu gehen. Das Ende war für mich bereits im ersten Drittel des Buches vorhersehbar und musste in der Kürze der Zeit von Tessas Weihnachsturlaub herbeigeführt werden. Trotzdem hat die Autorin ein paar Wendungen und Überraschungen eingebaut, sowohl, was die Handlung angeht, als auch die Schubladen, in die der Leser die Figuren gesteckt haben mag. Vielleicht spüren ja sogar bekennende Weihnachtshasser bei der Lektüre eine Art Wehmut und Sehnsucht nach der Zeit, als Weihnachten noch voller Geheimnisse war. Dann lasst Euch doch einfach verzaubern, denn dieses Buch wärmt nicht nur das Herz, sondern auch die Erinnerung an das  Weihnachten der Kinderzeit. 

Warum feiern Hasen denn nun kein Weihnachten? Diese Frage wird im Buch beantwortet ...

Fazit: Als »Bratapfel für die Seele« sehr zu empfehlen. 4****

Das Taschenbuch hat 240 Seiten, ist im Berlin Verlag Taschenbuch erschienen und kostet 9 Euro. Das E-Book ist für 7,99 Euro erhältlich. 




Freitag, 25. November 2016

"13" von Colin Grzanna

Colin Grzanna ist Arzt und schreibt aus seiner Sicht über unser Gesundheitssystem. Dass hier seit Jahren etwas falsch läuft, haben wir selbst schon geahnt - der Autor bestätigt es. Krankenhäuser müssen mit immer weniger Personal kostengünstig arbeiten. Da gibt es Operationen die "lohnen" und andere, die in ambulante Zentren ausgelagert  werden. Die Rettungsstellen der Krankenhäuser sind überlaufen, weil niedergelassene Fachärzte erst Termine in Wochen oder Monaten anbieten. Ärzte und Pflegemitarbeiter sind permanent überlastet und arbeiten doch am Menschen, wo Fehler tödlich sein können. Dazu kommen Patienten, die alle Verantwortung für ihre Gesundheit abgeben, die Ärzte und Medikamente werden's schon richten. 

Gefallen hat mir die sehr persönliche Sicht- und Erzählweise des Autors. Wir erleben mit, wie er als Medizinstudent und junger Arzt nach und nach Illusionen verliert und trotzdem sein Bestes geben will. Wie er dabei selbst krank wird und einen Ausweg sucht. Seine an Begeisterung grenzende Überzeugung, dass jeder Einzelne etwas tun kann, damit unsere Gesellschaft und speziell unser Gesundheitssystem besser funktionieren, wirken ansteckend. Dieses visionäre, Wege aufzeigende Denken gefällt mir. Colin Grzanna malt das Bild einer Gesellschaft, in der wir alle gesünder und zufriedener leben könnten. Dieses Bild wäre Utopie, gäbe er nicht auch gleich die Lösung mit auf den Weg: Verantwortung übernehmen, für uns selbst, für unsere Mitmenschen. Wir müssen einfach nur genauer hinschauen, nicht aufs Smartphone, sondern auf unseren Körper und die Signale, die er uns gibt. 

An vielen Stellen fühlte ich mich ertappt. Wir empfinden heute Dinge und Verhaltensweisen als normal, die vor Jahren als unhöflich galten und Verständnislosigkeit hervorgerufen hätten, wie beispielsweise in Gegenwart Anderer am Smartphone zu spielen oder zu schreiben, in öffentlichen Räumen oder Verkehrsmittel laut zu telefonieren, bei Facebook, Instagram & Co. den "Likes" hinterherzujagen und damit unser Selbstwertgefühl zu steigern, u.ä. 

Der Autor will mit seinem Buch sehr viel: 
- Die wunden Punkte unseres Gesundheitssystems aufzeigen, 
- Die Vorgänge in unserem Körper verständlich machen,
- Unser Selbst-Bewusstsein aktivieren,
- Wege zeigen, wie jeder Einzelne gesünder leben kann,
- Zu mehr Achtsamkeit gegenüber unseren Mitmenschen aufrufen.

Vom Inhalt und von der Aussage her finde ich das Werk genial! Man spürt immer wieder, wie sehr dem Autor das Thema am Herzen liegt und wie er hofft, Andere dazu zu bewegen, den ersten Schritt in ein gesünderes Leben zu gehen. Und den zweiten, und den dritten ...
An manchen Stellen geht es sehr ins Detail, was die körperlichen Zusammenhänge angeht. Spannend, aber manchem Leser vielleicht zu lang. Viele Aussagen werden mehrfach wiederholt, es wirkt fast wie gepredigt. 

Wenn das Buch möglichst viele Menschen erreichen und zum Umdenken bewegen soll, täten ihm drei Dinge gut:

1. Kürzen
2. Ein Lektorat
3. Ein anderes Cover

Ich mag wie ein Erbsenzähler daherkommen, aber es gibt jede Menge Stellen, die unprofessionell wirken: "Sie" als Anrede wird nun mal großgeschrieben, Kommafehler, Schusterjungen und Hurenkinder - sehr unschön z.B. bei den Tabellen auf S. 271 bis 273, wo Tabellenkopf und Inhalt nicht auf derselben Seite stehen - u.ä.
Das Cover spiegelt zwar kurz zusammengefasst den Inhalt des Buches wieder. Aber das ist nicht die Aufgabe eines Covers. Es soll Neugierde wecken und potentielle Leser ansprechen. Der Titel erklärt sich erst auf der letzten Seite. Ich hätte hinter dem Cover einen Jugendroman, eventuell sogar ein Comic oder Manga vermutet. Was nützt ein geniales Buch, wenn das Cover die Zielgruppe nicht anspricht? Wer von meinen Bloglesern würde im Buchladen nach diesem Buch greifen und warum?

Nur für diese drei Kritikpunkte, nicht für den Inhalt, ziehe ich einen Stern ab. 
Für mich persönlich war das Buch teilweise wie ein Tritt in den Hintern. Ich versuche seit Jahren, gesünder zu leben, aber immer wieder inkonsequent, vor allem, was die Ernährung und die virtuelle Welt angeht. 

Fazit: 4**** und unbedingte Leseempfehlung für jeden, der gesund alt werden und zufrieden leben möchte. 

"13" ist als Taschenbuch mit 332 Seiten bei Book on Demand erschienen und kostet 13 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich.