In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

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Montag, 11. August 2025

"Was früher blüht, ist länger tot" von Karen Finch

 In diesem Cosy Krimi nimmt die Autorin Karen Finch uns mit in das kleine fiktive Dorf Humbleham im englischen County Rutland. Rutland County gibt es wirklich, es ist aber so klein, dass es auch das "vergessene County" genannt wird. Dieses Dörfchen Humbleham nimmt am Wettbewerb "Rutland in Bloom" teil und wurde deswegen von den eifrigen Einwohnern besonders herausgeputzt. Ausgerechnet hierher hat die zuvor bei Scotland Yard erfolgreiche Ermittlerin Helen Franklin sich versetzen lassen, um als Dorfpolizistin einen uraufregenden Dienst zu schieben und wieder bei ihrer Mutter im winzigen Cottage zu wohnen. Über die Gründe für diesen freiwilligen Abstieg auf der Karriereleiter erfahren wir erst im Laufe der Geschichte mehr. 

Zunächst einmal irrt Helen, denn plötzlich ist ihr Job gar nicht mehr umaufregend, da es einen Toten gibt, ausgerechnet am Tag des Jury-Besuches zum Blumenwettbewerb. Der Wirt des örtlichen Pubs kommt durch einen tragischen Unfall ums Leben. Erfahrene Krimileser zweifeln natürlich sofort an der Unfalltheorie. Im Dorf aber versucht man, dennoch die Jury bei Laune zu halten - bis ein einflussreiches Jurymitglied auf offener Straße erschossen wird.

Karen Finch spielt sehr gekonnt mit den Klischees um England, seine kleinen Dörfer und Cottages mit vor Blumen überbordenden Vorgärten. Der Gegensatz aus der Idylle auf der einen Seite und dem Verbrechen auf der anderen Seite, macht den Reiz der Geschichte aus. Helen steht mitten zwischen diesen zwei Fronten und versucht, es allen recht zu machen - u.a. ihrer neugierige Mutter, den Nachbarn, die hoffen, doch noch eine Chance im Wettbewerb zu haben und ihren ehemaligen Kollegen von Scotland Yard, die zur Aufklärung der Verbrechen nach Humbleham gesandt wurden. Dabei werden die Situationen oft bewusst überzeichnet, um auf die Skurilität dieses Gegensatzes hinzuweisen, wie z.B. die Sache mit dem Auto ihrer Mutter, in dem Helen ihren Ex-Kollegen Ben Baxter chauffiert. 

Für mich war dieses Buch eine sehr angenehme Sommerurlaubslektüre. Leicht zu lesen, viele Dialoge, keine ekligen Beschreibungen der Morde und mit immer wieder überraschenden Wendungen.

Fazit: 5***** und Lesempfehlung

Das Buch erschien bei HarperCollins, hat in der Printausgabe  305 Seiten und kostet als Taschenbuch 14 Euro sowie als E-Book 10,99 Euro.

Donnerstag, 3. Juli 2025

"Lavendel-Wut" von Carine Bernard

 Dies ist nun schon der siebente Krimi von Carine Bernard, in dem die junge Polizistin Lilou Braque die Hauptrolle spielt. So begegnen wir, unabhängig vom zu klärenden Kriminalfall, den vertrauten Personen aus den vorangegangenen Büchern wieder und erfahren u.a. wie es mit der Beziehung von Lilou und Simon weitergeht. Ich mag diese in jedem Teil ein Stück weitererzählten Hintergrundgeschichten. Sie geben mir ein Stück Vertrautheit zu den Figuren, ein Gefühl von ein bisschen Dazugehören.

Außerdem holte mich dieser siebente Provencekrimi der Autorin noch auf einer ganz anderen Ebene ab. Ein Rennradfahrer wird tot am steilen Hang aufgefunden, den er samt Rad hinuntergestürzt ist. Das ist tragisch und Lilou beginnt zu ermitteln, ob es tatsächlich nur ein Unfall oder eventuell mehr war. Nebenbei wird die immer wieder neu ausdiskutieret Frage aufgeworfen, was besser ist - Rennradfahren oder Mountainbiken? Da ich mich selbst zu (nur!) einer dieser beiden Fraktionen zähle, habe ich die Argumentation mit Vergnügen verfolgt. Und allen, die Bergauffahren ohne Motor bekloppt finden, kann ich nur versichern, Ihr habt a) das falsche Fahrrad und b) lasst uns doch unseren Sport, so wie wir Euch Euer bequemes Sofa lassen.


Von der Handlung möchte ich gar nicht viel verraten. Die Autorin lässt wieder einmal Lilou auf ihr Bauchgefühl vertrauen, nimmt uns wieder mit zu den Gerüchen, Geschmäcken und Ansichten der Provence, sodass man fast glaubt, selbst dort zu sein - Urlaubsfeeling bzw. Erinnerung an vergangene Urlaube. Die kommt ohne brutale Gewaltszenen aus, liest sich flüssig und wird angenehm durch viele lebensechte Dialoge aufgelockert.

Fazit: Klare Empfehlung als Sommerlektüre und Vorfreude auf Lilous 8. Fall.

Sonntag, 8. Oktober 2023

"Die dunkle Spur" von Jenny Blackhurst

 Nach dem Tod ihrer Mutter gehen die Schwestern Holly und Claire ganz unterschiedlich mit ihrer Trauer um. Während Holly einen Ferienjob auf Martha’s Vineyard annimmt, findet Clair vermeintlichen Trost im Alkohol. So reagiert sie auch nicht verwundert, als Holly sich mehrere Tage nicht meldet und muss erst von ihrer Freundin Jess auf die merkwürdige letzte Nachricht Hollys aufmerksam gemacht werden. Hin und her gerissen zwischen Wut auf Holly, weil sie einfach so davon gereist ist und auf sich selbst, weil sie sich als „schlechte Schwester“ fühlt, fliegt Claire spontan nach Martha’s Vineyard, um Holly zu suchen. 


Mir gefällt, wie hier durch zwei Erzählebenen geschickt Spannung aufgebaut wird. Zum Einen begleiten wir Claire bei ihrer Suche nach Holly, zum Anderen erfahren wir in Rückblenden, was Holly auf Martha’s Vineyard erlebt hat. Wie sie schnell Freundinnen fand und Kontakt zu den „reichen Jungs“ bekam. Dass die Polizei Claires Suche nicht ernst nimmt und alle ein wenig zu oft betonen, dass es auf der Insel sicher sei, kommt Claire merkwürdig vor. Erst recht, als sie erfährt, dass vor ein paar Jahren schon einmal eine junge Frau spurlos verschwand und später tot aufgefunden wurde. 


Der Gegensatz zwischen scheinbarer Idylle und lauernder Gefahr wird sehr schön dargestellt. Auch Hollys Hin- und Hergerissenheit im Umgang mit Slayton-Brüdern wirkt äußerst glaubhaft aus der Sicht einer 22-Jährigen. Die Autorin beschreibt die Insel und die Menschen, die dort leben, sehr gut, lockert das Geschehen durch viele Dialoge auf, sodass sich das Buch gut und flüssig liest. Wir verfolgen mit Claire verschiedene Fährten und haben doch die ganze Zeit den Verdacht, dass die Slayton-Brüder mit Hollys Verschwinden zu tun haben. Im letzten Drittel der Geschichte gibt es ein paar überraschende Wendungen, und zum Schluss werden (fast) alle Fragen beantwortet. 


Fazit: Für mich ein spannender Ausflug nach Martha’s Vineyard, gleichzeitig bin ich nun neugierig auf andere Bücher der Autorin. 5*****


Das Taschenbuch ist im Lübbe Verlag erschienen, hat 336 Seiten und kostet 12 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich.




Dienstag, 19. September 2023

"Sturzwasser" von Karina Ewald

 „Sturzwasser“ ist nach „Bitterwasser“ der zweite Bad Gastein-Krimi von Karina Ewald. Carolin Halbach, die Bibliothekarin des örtlichen Kulturzentrums, wandert gemeinsam mit einem Freund zur malerischen Wiesneralm. Statt des erfrischenden Almdudlers finden sie im Jausenbrunnen die Leiche eines reichen Russen, der die Wieneralm kaufen und ein kitschiges Feriendorf für reiche Leute draufsetzen wollte. Carolin findet sich nicht nur zwischen zwei bis drei interessanten Männern wieder, sondern stolpert auch ständig über neue Indizien und Spuren, die den Mordverdacht in immer neue Richtungen lenken. Wie gut, dass neben Carolin weitere vertraute Figuren aus „Bitterwasser“ auch in „Sturzwasser“ auftauchen. Rosi, Carolins Zimmerwirtin, die alles weiß und jeden kennt, Paul, Carolins Bruder, und der Revierinspektor Herzinger, der Carolin zunehmend respektvoll und nicht mehr spöttisch als Miss Marple betitelt. 

Mir hat dieser Cosie-Krimi wegen seiner angenehmen Erzählart, Lebendigkeit und Spannung sehr gut gefallen. Es wird viel geredet, die Dialoge sind oft im für uns Deutsche gemütlichen österreichischen Dialekt. Einige Klischees werden bedient, andere gebrochen. Insgesamt bekam ich wie beim ersten Teil schon, große Lust, selbst nach Bad Gastein zu reisen, wo ich bisher noch nicht war. Karina Ewalds Bücher sind der beste Beweis dafür, dass ein Krimi unterhaltsam und spannend sein kann, ohne immer neue und grausamere Mordmethoden ist ins letzte Detail zu beschreiben. Dadurch bleibt der Focus des Lesers bei den Figuren, der wunderschönen Gebirgslandschaft und den Geschichten, die sich dort abspielen – kriminell, romantisch, hoffnungsvoll und zunehmend ehrlich. Denn am Ende kommt die Wahrheit ans Licht. 


Vielen Dank für die gute und spannende Unterhaltung. Ich vergebe gern 5***** und hoffe, es wird bald einen nächsten Bad Gasteiner „...Wasser“-Krimi geben. 


Das Taschenbuch ist im Servus-Verlag erschienen, hat 336 Seiten und kostet16 Euro. Das E-Book ist für 12,99 Euro erhältlich, ein Hörbuch gibt es ebenfalls. Letzteres stelle ich mir wegen des Dialekts sehr nett vor. 




Mittwoch, 9. August 2023

"Kompass Männergesundheit" von Prof. Dr. André Reitz

„Gesund, fit und potent in jedem Alter“, so lautet der Untertitel dieses Sachbuches. Ein verlockendes Angebot, denn wer würde nicht gern so leben? Prof. Dr. André Reitz findet Worte, die auch medizinische Laien verstehen. Durch eine geschickte Kombination von Fakten, belegt an Fallbeispielen, und daraus resultierenden Schlussfolgerungen, wird das Lesen zum sowohl informativen als auch unterhaltsamen Vergnügen. Man und auch frau mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Es entsteht das Bedürfnis, all das Wissen aufzusaugen und umzusetzen, um oben genanntes Ziel zu erreichen. Dabei scheint es zunächst fast egal, ob zuerst der Mann selbst oder seine, es mit ihm gut meinende, Partnerin das Buch liest. 

Im Hauptteil bis Seite 189 dreht sich alles um Penis, Hoden, Prostata, Fruchtbarkeit und sexuell übertragbare Krankheiten. Frühere Generationen umschrieben diese Begriffe schamvoll mit „da unten“, sprachen nur ungern darüber und manifestierten so die heute noch stark ausgeprägte Unwissenheit. Um so wichtiger scheint mir, dass dieses Buch von Männern und Frauen gelesen wird, um beide Geschlechter auf dasselbe Wissensniveau zu heben. 

Sehr praktisch sind die beiden Zeittafeln „Vorsorge- und Früherkennungskompass für Männer“ und „Präventionskompass für Männer“. Erster gibt einen Überblick über die medizinischen Vorsorgeuntersuchungen, sowie in / ab welchem Alter sie in Anspruch genommen werden sollten. Der zweite enthält allgemeine Ratschläge, wie man in Abhängigkeit vom Lebensalter, selbst aktiv etwas für seine Gesundheit tun kann. Diese Prävention scheint mir gar nicht so männerspezifisch, sondern kann im Prinzip auch von Frauen übernommen werden.

Die letzten rund 60 Seiten des Buches sprechen speziell Männer ab 50 an. Das ist das Alter, in dem die meisten Männer erst wirklich realisieren, dass sie älter werden, weil gesundheitliche Probleme oder zumindest „Wehwechen“ beginnen, verstärkt aufzutreten. Umso wichtiger ist es, diese richtig einzuordnen und entsprechend zu reagieren. Das Wort „Wechseljahre“ wird auch heute noch fast nur mit Frauen in Verbindung gebracht. Dabei gibt es auch beim Mann hormonelle Veränderungen und deren Auswirkungen auf den Allgemeinzustand. Dies betrifft in erster Linie Sexualität und Fruchtbarkeit. Zusammen mit den nachlassenden Fähigkeiten der Sinnesorgane und des Bewegungsapparates haben diese mehr oder weniger starken Einfluss auf die seelische Verfassung des Mannes. Gerade diesen Teil finde ich für die Partnerinnen der 50+Männer wichtig, damit sie physische und psychische Veränderungen ihres Ehemannes oder Lebensgefährten verstehen. 

Abschließend werden die wichtigsten Warnsignale des Körpers erklärt. Der Autor zeigt auf, dass diese relativ harmlose, aber auch schwerwiegende Gründe haben können, und empfiehlt, immer einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abklären zu lassen. In seinem Resümee fordert Prof. Dr. Reitz die Männer auf, Verantwortung für ihren eigenen Körper zu übernehmen. Ein Glossar der (sparsam verwendeten) medizinischen Fachbegriffe sowie ein alphabetisch geordnetes Stichwortverzeichnis  runden das Sachbuch ab und garantieren Benutzerfreundlichkeit bis auf die letzte Seite. Dass ich weiterführende Literaturempfehlungen vermisst habe, ist "Jammen auf hohem Niveau" und wahrscheinlich dem breiten Spektrum persönlicher Situationen geschuldet. 

Meiner Meinung nach kann dieses Buch dazu dienen, offener mit dem Thema Männergesundheit, nicht nur „da unten“ umzugehen. Es ermutigt, sich gemeinsam mit dem Partner bzw. der Partnerin zu informieren, auszutauschen und die Empfehlungen des Autors umzusetzen.

Fazit: Ein wundervolles, wichtiges Buch, das sicherlich unzählige Männer gesünder, fitter und potenter altern lässt. 5*****

Das Taschenbuch ist im Hirzel-Verlag erschienen, hat 264 Seiten und kostet 24 Euro. Die E-Book-Version ist für 21,90 € erhältlich.


Freitag, 8. Juli 2022

"Lavendelgrab" von Carine Bernard

 In „Lavendelgrab“ von Carine Bernard begegnen wir den bereits bekannten Protagonisten aus den drei vorangegangen Lavendel-Krimis wieder – „Lavendel-Tod“, „Lavendel-Gift“ und „Lavendel-Fluch“. Man kann diese atmosphärischen Cosy-Krimis, die uns in die Provence entführen, einzeln lesen, verpasste dann allerdings den Fortgang der privaten Geschichte im Hintergrund.


Lilou Braque, Kommissarsanwärterin, hätte ihr Praktikum zu gern im pulsierenden Paris verbracht. Stattdessen schickte man sie in das beschauliche Provence-Städtchen Carpentras. Hier wurde sie bereits in mehrere Mordermittlungen hineingezogen, verliebte sich in Simon, der inzwischen kurz vor der Eröffnung seines Restaurants steht, und gewann das Städtchen und seine Bewohner lieb. So bedauert Lilou, dass der aktuelle Vermisstenfall wohl ihr letzter sein wird. Denn nach Beendigung des Praktikums ist für sie endlich die einst gewünschte Stelle in Paris frei. 


Doch zunächst konzentriert sich die junge Ermittlerin auf die Suche nach einem Bibliothekar, der von seiner Kollegin als vermisst gemeldet wurde, weil er nach seinem vierwöchigen Urlaub nicht wieder bei der Arbeit erschien. Dieses Verhalten passt nicht zu dem sonst pflichtbewussten jungen Mann. Auch wenn die Polizei den Fall zunächst nicht sonderlich ernst nimmt, stößt Lilou auf weitere Ungereimtheiten. Und dann ist da noch dieses in Geheimschrift verfasste mittelalterliche Buch, an dessen Übersetzung der Bibliothekar gearbeitet hat. Es führt Lilou zur Ruine eines Hauses, auf dem ein Fluch liegen soll ...


Wie bei den anderen Krimis von Carine Bernard gefällt mir auch hier die Leichtigkeit der Erzählung. Es ist zwar ein Krimi, aber er fühlt sich an wie Urlaub in der Provence. Wieder lockt die Autorin mit kulinarischen Genüssen und dem passenden Wein zum Essen. Die Figuren sind allesamt interessant und unverwechselbar, selbst die Nebendarsteller. Auch die Hauptprotagonisten haben ihre hellen und dunklen Seiten, z.B. kracht es einmal so richtig zwischen Lilou und Simon, obwohl der Anlass banal ist. Umso spannender bleibt die Frage, wie es mit den beiden weitergehen wird, wenn Lilous Praktikum beendet sein wird. Das erfahren wir, wie die Auflösung des Falles, am Ende des Buchs.


Vielen Dank für diese angenehme und spannende Unterhaltung. Ich freue mich jetzt schon auf Lilous nächsten Fall. 5*****


Das Taschenbuch ist bei KNAUR erschienen, hat 288 Seiten und kostete 10,99 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich.




"Bitterwasser" von Karina Ewald

Bereits der Anfang des Buches zieht den Leser in seinen Bann – Carolin Halbach, die neue Bibliotheksleiterin von Bad Gastein, kommt in diesem besonderen Ort an und wir dürfen an ihren Eindrücken teilhaben. Dadurch lernen wir schnell sowohl Hauptakteurin als auch Schauplatz und Nebenfiguren kennen. Eine gelungene Ouvertüre vor einer beeindruckenden Kulisse. Da es sich bei Bitterwasser um einen Krimi handelt, gibt es bald ein Opfer, und das ausgerechnet bei der Eröffnung des neuen Kulturzentrums mit Bibliothek. Da Carolin Halbach nebenbei auch noch Krimifan ist, zieht sie schnell ihre eigenen Schlüsse und geht diesen auf ihre Weise nach. 


Geschickt präsentiert die Autorin mehrere Verdächtige und Motive und fügt auch Nebenhandlungen wie die Fertigstellung des Theatersaales oder Carolins Fahrten mit dem neuen E-Bike spannend in die Geschichte ein. Die Figuren sind – wie von der Autorin gewohnt – entweder liebenswert und schnell vertraut oder von Anfang an unsympathisch. Aus welchem der beiden Lager die Mordanschläge kommen, sollte jeder Leser selbst herausfinden. Der Weg dahin führt durch einen vergnüglichen, spannenden und dennoch fast unblutigen Krimi, wenn man Platz- und Schürfwunden nicht mitzählt. 


Zwei Dinge bedauerte ich am Ende des Buches: 1. Dass ich noch nie in Bad Gastein war. Der Ort muss wirklich schön und außergewöhnlich sein. 2. Dass es das Kulturzentrum nur in der Fantasie der Autorin gibt. In der realen Welt steht das Bad Gasteiner Kongresshaus seit Jahren ungenutzt leer. 


Mir hat dieser Auftakt einer neuen Krimireihe um die Bibliothekarin Carolin Halbach sehr gut gefallen. Auch die Entwicklung der Hauptakteurin von mutig, aufgeregt, gespannt am Anfang über neugierig, entdeckerfreudig bis zu angekommen, vertraut mit Menschen und Umgebung erinnert mich an eigene Ortswechsel. Ich freue mich auf den nächsten Bad Gastein Krimi von Karina Ewald.


Fazit: Gelungener Auftakt einer neuen Krimireihe. 5*****


Das Taschenbuch ist im Servus Verlag erschienen, hat 320 Seiten und kostet 14 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich.





Dienstag, 6. Juli 2021

"Lavendelfluch von Carine Bernard

 „Lavendel-Fluch“ von Carine Bernard ist der dritte Teil der Cosy-Crimi-Reihe um die angehende Kriminalkommissarin Lilou Braque. Gegen ihren Wunsch absolviert Lilou ihr letztes großes Praktikum nicht in Paris, sondern in der südfranzösischen Kleinstadt Carpentras. In den ersten beiden Teilen wurde Lilou bereits mit Mordfällen konfrontiert und erwarb sich bei deren Aufklärung den Respekt ihres Vorgesetzten Demoireau. Jetzt liegt ein Mann in einem Weinberg, der mit einer Schrotflinte erschossen wurde, und Lilous Nachbarin und Freundin findet in einem alten Schreibtisch einen Kaufvertrag von 1933 für ein Chateau, das es unter diesem Namen gar nicht gibt. Es dauert nicht lange, und Lilou ahnt einen Zusammenhang ...


Wie schon in den vorangegangen Lavendelkrimis, nimmt uns die Autorin mit auf die Reise nach Südfrankreich. Sie beschreibt die Atmosphäre so anschaulich, dass man selbst glaubt, die Zikaden zu hören, die Pinien zu riechen und die heiße Mittagssonne auf der Haut zu spüren. Kleiner Tipp: Carine Bernards Bücher sollte man niemals hungrig lesen, denn es wird regelmäßig sehr lecker gekocht und gegessen. 

Bei diesem Buch gefiel mir besonders, dass ein dunkles Kapitel der Vergangenheit geschickt mit eingebaut wurde. Wir sehen, welch weitreichende Folgen die Ereignisse von damals hatten, und dass selbst Menschen, die damals noch Kinder waren, sich ihr Leben lang schuldig fühlten. 


Das Buch ist gut verständlich in wohlformulierten Sätzen geschrieben. Es wird viel agiert und geredet, und dadurch wirken die Figuren lebendig. Die Charaktere sind wieder sehr klar gezeichnet. Es gibt die Einen, die man auf Anhieb mag und die Anderen, für die sich immer mehr Gründe finden, sie nicht zu mögen. Aber nicht jeder Unsympath ist ein Mörder ...


Lilous Privatleben befindet sich an einem spannenden Punkt, da sie auf die Mitteilung wartet, wo sie nach Ende ihres Praktikums als Commissaire der Police national eingesetzt werden wird. Aus ihrem ursprünglichen Wunschort Paris ist längst Carpentras geworden.


Alles in allem habe ich mich wieder bestens unterhalten gefühlt. Dieses Buch zu lesen, war wie ein kleiner Urlaub in Südfrankreich. Danke dafür, Carine Bernard! 


Fazit: Ein unblutiger, spannender Krimi-Urlaub in Südfrankreich. 5*****


Das Taschenbuch ist bei KNAUR erschienen, hat 288 Seiten und kostet 9,99 Euro. Das E-Book ist zum selben Preis erhältlich. 




Mittwoch, 13. Januar 2021

"Der Bewohner" von David Jackson

 „Der Bewohner“ klingt harmlos und ist doch in mehrfacher Hinsicht ein ungewöhnliches Buch. Erzählt wird aus Sicht des Serienkillers Thomas Brogan. Der 25-Jährige hat schon mehrere Menschen umgebracht, immer Paare, die er vor ihrem Tod mit grausamen Spielen gequält hat. Ich war froh, dass diese nicht, wie in anderen Thrillern, „genüsslich“ und detailreich beschrieben wurden, sondern eher am Rande Erwähnung fanden. Brogan flieht vor der Polizei, entkommt nur knapp und versteckt sic hin einem leerstehenden Endreihenhaus. Als er feststellt, dass die Dachböden der Häuser miteinander verbunden sind, vertreibt er sich die Zeit damit, die in den anderen Häusern lebenden Menschen zu beobachten. 

Brogan ist ständig in Zwiesprache mit sich selbst. Zwei Stimmen sind in ihm, die nicht immer einer Meinung sind. Das ist ein Punkt, der dieser Geschichte Spannung verleiht. Viel wesentlicher aber ist, dass der Autor David Jackson es geschafft hat, in mir widerstreitende Gefühle zu wecken. Zum einen hoffte ich beim Lesen, dass der Mörder Brogan gefasst wird, bevor er jemanden der Reihenhausbewohner tötet. Zum Anderen aber fühlte ich mich auf seiner Seite, wünschte ihm, zu entkommen. Wie hat der Autor das geschafft? Brogan zeigt Ansätze von Emotionen, besonders der alten Elsie gegenüber. Im Laufe der Handlung erfahren wir mehr über seine Kindheit, ohne das der Autor die platte Formel aufstellt: Unglückliche Kindheit = Serienmörder. Er entschuldigt nicht, aber erklärt. Und Jackson bedient die schadenfrohe Seite, die nicht nur in Serienmördern wohnt, sondern auch in Thrillerlesern. Wie Brogan fand ich mein Vergnügen daran, Martyn und Colette zu beobachten, und wartete auf ihre Reaktion auf seine „Streiche“. 


Das Buch bleibt fesselnd bis zur letzten Seite, wobei die Schlussszene mir in ihrer Logik und Konsequenz besonders gefallen hat. 


Fazit: Ein spannender, lesenswerter und ungewöhnlicher Thriller. 5*****


Das Taschenbuch ist im Rowohlt Verlag erschienen, hat 368 Seiten und kostet 12 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich. 


 

Freitag, 4. Dezember 2020

Bloody Qindie präsentiert: Dorfidyll: Halloween Special

Die Geschichten dieser Anthologie haben viele Gemeinsamkeiten: Sie spielen in mehr oder weniger idyllischen Dörfern - zumindest, bevor der Leser einen Blick hinter die Kulissen werfen darf. Denn dort lauert das Grauen, mal direkt als todbringendes Monster, mal eher subtil, wir erfahren nur durch Andeutungen, was den Dorfbewohnern Angst einjagt, und sind in beiden Fällen froh, nicht in diese Dörfer gereist zu sein. Außerdem wurde „Dorfidyll“ herausgegeben von QINDIE, einem Zusammenschluss von Selfpublishern, der für gute Bücher spricht. Das merkt man diesen Geschichten an. Sie sind durchweg von hoher Qualität, haben ein professionelles Lektorat und Korrektorat durchlaufen. Jeder der Autoren setzt auf eine andere Art von Gruseleffekt. Nicht alle zogen mich gleichermaßen in ihren Bann, aber einige bescherten mir unruhige Nächte. Eine belebte sogar einen fast vergessenen Albtraum meiner Kindheit wieder. Wer zartbesaitet ist, sollte das Buch nicht unbedingt vor dem Schlafengehen lesen. 


Lobend erwähnen möchte ich ebenfalls das Cover des Buches. Es passt perfekt zum Titel - wirkt auf den ersten Blick idyllisch, bei genauerem Hinsehen aber unheilvoll. Genauso wie diesen Mann habe ich mir den Reisenden vorgestellt, der in der Ichform erzählend mit seinen Zwischenspielen jeweils den Bogen von einer zur nächsten Geschichte schlägt und seine Identität erst am Ende der Anthologie offenbart. Um die Beiträge dieses geheimnisvollen Mannes einordnen zu können, sollte man die Geschichten in der vorgegebenen Reihenfolge lesen. Also dann - gute Reise, wenn Ihr Euch traut! 

Fazit: Gruselig und spannend. Wir erfahren, in welche Dörfer man besser nicht reisen sollte. 5*****


Das Taschenbuch hat 267 Seiten und kostet 10 Euro. Das E-Book ist für 2,99 Euro erhältlich. 





Mittwoch, 25. November 2020

"Still schweigt der See" von Tina Schlegel

„Still schweigt der See“ ist nach „Schreie im Nebel“, „Die dunkle Seite des Sees“ und „Der Wolf vom Bodensee“ der vierte Krimi von Tina Schlegel um Kommissar Paul Sito. Packend und berührend fand ich sie alle, weil nicht nur die Ermittlungsarbeit der Polizei und das Privatleben von Paul Sito, Miriam, Roman Enzig und weiteren beschrieben werden. Immer geht es auch um moralische Fragen. Dieser vierte Band hat mich besonders bewegt, weil das Geschehen hochaktuell ist. Demonstrationen, Klimaschutz, rechtes Gedankengut, über diese Themen lesen und hören wir täglich etwas in den Medien. Die Autorin nutzt diese Aktualität als Hintergrund für ein nervenzerrendes Geiseldrama. An der Universität Konstanz wurden fünfzig Personen als Geiseln genommen. Zunächst ist unklar, was die Geiselnehmer bezwecken.


Erschreckend fand ich, wie jede Veränderung der Lage sofort in den sozialen Medien verbreitet wurde. Und auch, wie schnell rohe Gewalt sich breitmacht, selbst an einem friedlichen, dem Lernen dienenden und wegen des Blicks über den Bodensee sogar idyllischen Ort wie der Uni Konstanz. Die persönliche Verstrickung der Hauptfiguren in das Geiseldrama ließen mich beim Lesen mitfiebern und auf eine gute Lösung hoffen. Die moralische Frage, ob man ein Leben opfern darf, um viele zu retten, brachte mich zum Nachdenken. Aber Moral ist nicht erpressbar, Unmoral schon. Zu dieser Aussage sehr passend finde ich das Cover mit dem Foto der Imperia.


Viele Dialoge, einige zeitliche Rückblenden und nicht zuletzt die manchmal unkonventionelle Arbeitsweise von Paul Sito lockern das Geschehen auf. Auch wenn es hier um ernste Themen geht, die zum Nachdenken anregen, so ist „Still schweigt der See“ vor allem eins - ein sehr gut geschriebener, packender Bodenseekrimi, den ich nicht aus der Hand legen mochte, bis ich wusste, wie er ausgeht. 


Fazit: Spannend, berührend und zum Nachdenken anregend. 5*****


Das Taschenbuch ist im Emons Verlag erschienen, hat 318 Seiten und kostet 13 Euro. Das E-Book ist für 9,49 Euro erhältlich. 




Freitag, 20. November 2020

"The Loop - Das Ende der Menschlichkeit" von Ben Oliver

„The Loop“ ist ein Hightech-Gefängnis für Jugendliche. Sie alle warten hier auf ihre Exekution. In einer schmerzhaften Prozedur wird ihnen täglich über mehrere Stunden Energie abgesaugt. Flucht ist unmöglich, einzig die sogenannten „Aufschübe“ geben ein wenig Hoffnung. Allerdings weiß niemand, was ihn beim Aufschub erwartet. Es sind unterschiedlichste medizinische Experimente und nicht alle kommen von dort zurück oder sind danach noch sie selbst. Allerdings, einen Aufschub abzulehnen, bedeutet die sofortige Exekution. 


Der Untertitel: Das Ende der Menschlichkeit" ist sowohl doppeldeutig, als auch Programm. Es ist eine total unmenschliche Welt in nicht allzu ferner Zukunft, in die wir mitgenommen werden und den sechszehnjährigen Luke im „Loop“ begleiten. Egal, was die Jugendlichen getan haben, es sind Kinder! Der Jüngste ist zehn. Warum habe ich dieses Buch trotzdem bis zum Ende gelesen? Weil der Autor es geschickt versteht, Momente der Hoffnung einzubauen. Für Luke sind es Kleinigkeiten, die ihm den Gefängnisalltag erleichtern, und die auch mich als Leser gerührt haben. Und dann ist bei jedem Buch, das im Gefängnis spielt, die egal wie irrwitzige Hoffnung, dass eine Flucht gelingen möge. Natürlich nimmt die Geschichte Fahrt auf. In die Aneinanderreihung Lukes scheinbar gleicher Tage 736, 737, 738 ... mischen sich irgendwann kleine Besonderheiten. Und auch das alles überwachende Computersystem „Happy“ scheint nicht unfehlbar. 


Ein spannendes Buch, das selbst scheinbar unlogische Ereignisse im Nachhinein doch noch schlüssig erklärt. Bis auf eine Ausnahme, die Sache mit dem Trigger. Die Auflösung am Schluss kam für mich etwas hastig, als wollte der Autor die beim gemächlichen Beginn verlorene Zeit wieder herausholen. Und irgendwie schreit alles nach einer Fortsetzung. Ein Jugendbuch, das gern auch Ältere lesen dürfen. Sprachlich gekonnt, gut zu lesen, mit Liebe zum Detail geschrieben. Das auf den ersten Blick nüchterne Cover ist ebenfalls sehr schön gestaltet. Auf der matten Grundfläche stehen die Buchstaben "LOOP" glänzend und erhaben. Wenn man genaus hinschaut, sieht man ins Gefängnis hinein. Es passt wunderbar zum Inhalt des Buches.


Fazit: Eine beeindruckende, spannende Dystopie. 5*****



Das Taschenbuch hat 400 Seiten, ist im Carlsen Verlag erschienen und kostet 15 Euro. DAs E-Book ist für 8,99 Euro erhältlich. 






Dienstag, 29. September 2020

"Heimat muss man selber machen" von Sina Trinkwalder

 Sina Trinkwalder hatte mich schon mit ihrem Buch „Wunder muss man selber machen“ begeistert, in dem sie beschrieb, wie sie vor über zehn Jahren in der für Deutschland totgesagten Textilbranche einen Betrieb gründetet und Menschen, die am „normalen“ Arbeitsmarkt keine Chance hatten, Arbeit und Würde zurückgab. Und nicht nur das, der Betrieb funktioniert auch heute noch ganz wunderbar. Diese Historie taucht auch in „Heimat muss man selber machen“ wieder auf, denn nicht jeder Leser kennt auch das erste Buch. Und ich persönlich finde es gut, immer wieder an die Energie, das Vertrauen in sich und Andere erinnert zu werden, womit Sina damals manomama gründete. Denn der nächste Schritt ist die Erkenntnis, dass „selber machen“ immer besser ist, als zu jammern. 

Heimat, das ist nicht Vereinsmeierei und „wir hier drinnen halten zusammen gegen die Anderen da draußen“. Heimat passiert im Herzen, wenn Menschen erkennen, was sie verbindet. Gemeinsam anpacken, den Anderen wertschätzen, einander ein Lächeln schenken ... all das und noch viel mehr, ist Heimat. Eine gute, tröstende Erkenntnis, gerade in dieser unruhigen Zeit, in der es oft nur noch schwarz oder weiß, wir oder die zu geben scheint. Nur, man muss es halt selber machen. Aufeinander zugehen. Sich und sein Herz öffnen. Dann kann Heimat überall sein, bunt und bewegend.


Das gefühlsbetonte Sachbuch liest sich leicht und flüssig, als würde die Autorin mit einem plaudernd auf der Couch sitzen. Die verwendete Umgangssprache („selber“ machen) verstärkt diesen Eindruck und ist meiner Meinung nach ein bewusst eingesetztes Stilmittel, um diesen lockeren Plauderton zu verstärken. Als würde eine gute Freundin mir raten, was ich als Fazit dieses Buches sehe: 


Fazit: „Jammer nicht! Mach es selber besser!“ 5*****


Das Hardcover mit Schutzumschlag ist im dtv Verlag erschienen, hat 208 Seiten und kostet 18 Euro. Das E-Book ist für 14,99 Euro erhältlich. 




Mittwoch, 16. September 2020

"Kalmann" von Joachim B. Schmidt

Kalmann mínn, du liebenswerter Sheriff von Raufarhövn

Kalmann, 33 Jahre alt, lebt im Haus seines Großvaters in Raufarhövn, einem kleinen Fischerdorf im Nordosten Islands. Manche bezeichnen ihn als „Dorftrottel“, doch sein weiser Großvater erklärte ihm, dass jeder Mensch irgendwie anders sei, und damit wäre auch Kalmann normal. Diese liebenswerte Weltsicht hat Kalmann geprägt und zieht sich durch das ganze Buch. 

Erzählt wird in der Ich-Form, wir haben also direkt an Kalmanns Gedanken teil. Die sind oft kindlich naiv in ihrer eigenen Logik, manchmal von Unsicherheit geprägt, auch Wut kommt vor, und dann macht Kalmann Dinge kaputt. Trotzdem muss man ihn einfach gern haben, den isländischen Forrest Gump mit Sheriffstern, Cowboyhut und Mauserpistole, der Haie fängt und daraus den zweitbesten Gammelhai von ganz Island herstellt. Alles ganz prima, kein Grund zur Sorge.


Doch eines Tages findet Kalmann im Schnee auf der Hochebene Melrakkaslétta eine große Blutlache. Bald ist ein Zusammenhang hergestellt zum spurlosen Verschwinden des „Königs von Raufarhövn“, Róbert McKenzie. Polizei kommt ins Dorf, von nun an ist es mit der Ruhe vorbei. Immer neue „Puzzleteile“ tauchen auf, die weder die Lösung des Falls noch Róbert näher bringen. Und dann klärt sich am Ende doch alles auf, kein Grund zur Sorge.


Kalmann muss man einfach mögen, trotzdem oder gerade weil er so speziell ist. In gewisser Weise hält Joachim B. Schmidt uns einen Spiegel vor, denn wie oft beurteilen wir Menschen danach, ob sie der „Norm“ entsprechen oder nicht und stecken sie vorschnell in entsprechende Schubladen? Der Autor zeichnet auch die zahlreichen Nebenfiguren mit viel Liebe zum Detail, indem er sie mit unterschiedlichen Eigenarten ausstattet, die uns doch irgendwie vertraut vorkommen. Jeder ist eben anders und dadurch sind alle normal. 


Fazit: Ein wunderbares, herzwärmendes und spannendes Buch, das uns mitnimmt in die raue Welt der isländischen Küste. 5*****


Das Buch ist im Diogenes-Verlag erschienen. Die gebundene Ausgabe hat 352 Seiten und kostet 22 Euro. Das E-Book ist für 18,99 Euro erhältlich, das Hörbuch für 22,85 Euro. 

Dienstag, 1. September 2020

Das Mädchen am Strand (Die Inselkommissarin 2) von Anna Johannsen

 Der zweite Inselkrimi um Hauptkommissarin Lena Lorenzen und ihren jungen Kollegen Johann Grasmann führt uns auf die nordfriesische Insel Föhr. Maria, 14 Jahre alt und sehr vernünftig für ihr Alter, ist verschwunden. Die Eltern wollen zunächst gar nicht, dass die Polizei nach ihr sucht, da sie einer religiösen Sekte angehören. Marias ältere Schwester, die sich von den Eltern und der Sekte losgesagt hat, bittet jedoch die Polizei um Hilfe.

An diesem Buch hat mich besonders beeindruckt, mit wieviel Fingerspitzengefühl Lena Lorenzen und damit die Autorin das Thema religiöse Sekte anpackt. Hier wird nicht abgestempelt, oder in Schubladen gesteckt, sondern ohne Vorurteil ganz genau auf die betroffenen Menschen und ihre Befindlichkeiten geschaut. Der Kriminalfall bleibt trotzdem spannend, und auch die Entwicklung des Privatlebens der Ermittler gefiel mir. 

Fazit: Ein gelungener zweiter Teil der Reihe, der Lust auf mehr und Meer macht. 5***** 

Das Taschenbuch ist bei Edition M erschienen, hat 349 Seiten und kostet aktuell 9,81 Euro. Das E-Book ist für 4,41 Euro erhältlich oder gratis innerhalb von kindle unlimited.


 


Mittwoch, 26. August 2020

"Der Tote im Strandkorb" (Die Inselkommissarin 1) von Anna Johannsen

 Wenn ich in diesem Sommer schon nicht ans Meer fahren kann, muss das Meer eben zu mir kommen. Die "Inselkommissarin"-Krimis sind für mich genau richtig, um auf eine spannende Reise an die Nordsee zu gehen. Lena Lorenzen war mir auf Anhieb sympathisch, ebenso ihr junger Kollege Johann Grasmann. Ich war noch nie auf Amrum, aber die Insel  wurde so beschrieben, dass ich Lust bekam. selbst einmal dorthin zu reisen. Ein bisschen beneidete ich die Kommissare tatsächlich um diese herrliche Arbeitsumgebung. Mittagspause mit Meerblick hat was. Der Krimi kommt ohne brutale Szenen aus. Interessant fand ich den Einblick in die Ermittlungsarbeit, auch wenn das Hinzuziehen des Hackers nicht legal war. 

Zwar war mir recht früh klar, in welcher Richtung das Mordmotiv zu suchen war, das nahm der Geschichte aber nicht die Spannung. Ein wohldosierte Anteil Privatleben der Kommissarin (ihre ehemals große Liebe, ihr Vater, zu dem sie den Kontakt abgebrochen hat) wirkten auf mich nach der Auflösung des Falls wie ein Cliffhanger - ich wollte wissen, wie es weitergeht und freue mich, dass es 5 weitere Krimis mit der Inselkommissarin gibt. 

Lobend erwähnen möchte ich den guten und fehlerfreien Schreibstil, der angenehm zu lesen ist. Die vielen Dialoge, insbesondere während der Befragungen, aber auch im Austausch der beiden Kommissare untereinander, lockern die Story auf. 


Fazit: Ein schöner Nordseekrimi mit Inselflair. Ein bisschen Sommerurlaub für die Seele. 5*****

Das Taschenbuch ist bei Edition M erschienen, hat 283 Seiten und kostet 9,81 Euro. Das E-Book ist für 4,41 Euro erhältlich oder gratis über kindle unlimited. 



Donnerstag, 5. März 2020

Crime Mysteries "Jack the Ripper"

„Crime Mysteries“ ist eine neue Reihe der Ullmann Medien GmbH. Die Bücher wurden aus dem Englischen übersetzt, und so startete die Serie passenderweise mit „Sherlock Holmes“ und „Jack the Ripper“. „Wow“, dachte ich, als ich die beiden Bücher das erste Mal in der Hand hielt, „sind die schön!“ Auf dem Einband von „Jack the Ripper“ sind echt wirkende Blutflecken sichtbar und fühlbar. Auch dieses Buch ist voller wunderschöner Illustrationen und jede einzelne Seite ist auf besondere Weise nostalgisch verziert, die das Buch alt wirken lässt. Die Geschichten um „Jack the Ripper“  werden aus Sicht des Inspectors George Absalom erzählt, der dem Mörder über einen längeren Zeitraum auf der Spur ist. Jeder der zehn Mordfälle ist in drei Abschnitte unterteilt. Am Ende jedes Abschnitts wird eine Frage gestellt, die man als aufmerksamer Leser in der Lage sein sollte, zu beantworten. Hier fiel mir, im Vergleich zum ersten Teil „Sherlock Holmes“, das erfolgreiche Miträtseln leichter, sodass ich dieses Buch für Einsteiger bzw. jüngere Leser als erstes empfehlen möchte. Ansonsten gibt es aus meiner Sicht auch hier nur Gutes zu sagen: Spannende Fälle, die uns ins Victorianische London entführen. Der erste Fall beginnt 1889. Die Illustrationen und Verzierungen machen das Buch zu etwas Besonderem. Und das Alles gibt es auf 224 Seiten für nur 9,99 Euro. Ein wirklich schönes Geschenk, das man sich selbst oder anderen Krimi- bzw. Rätselfreunden machen kann.


Fazit: wunderschön gestaltete, historische, spannende, kleine Rätselkrimis. 5*****





Crime Mysteries "Sherlock Holmes"

„Crime Mysteries“ ist eine neue Reihe der Ullmann Medien GmbH. Die Bücher wurden aus dem Englischen übersetzt, und so startete die Serie passenderweise mit „Sherlock Holmes“ und „Jack the Ripper“. „Wow“, dachte ich, als ich die beiden Bücher das erste Mal in der Hand hielt, „sind die schön!“ Das ungewöhnliche Format von 17 x 23,5 cm bringt die wundervollen Illustrationen gut zur Geltung, mit denen „Sherlock Holmes“ prall gefüllt ist. Jede einzelne Seite ist nostalgisch verziert, sodass man das Gefühl bekomt, in einem antiken Buch zu blättern. Erzählt wird aus Sicht von Dr. John Watson, der vorgibt, die zehn Kriminalfälle im Jahr 1885 aufgeschrieben zu haben. Diese werden jeweils in drei Teilen präsentiert. Am Ende jedes Teils steht eine Frage, die der aufmerksame Leser beantworten können sollte. Ansonsten hilft der Lösungsteil am Ende des Buches. Ich gebe zu, mit dem um-drei-Ecken-Denken des Sherlock Holmes war ich an manchen Stellen überfordert. Welche Kette von logischen Schlüssen er aus einer winzigen Kleinigkeit zog. Das schadete dem Lesevergnügen aber nur wenig. 

Ein weiteres Plus dieser Reihe ist das aus meiner Sicht hervorragende Preisleistungsverhältnis. Das recht große, nostalgisch illustrierte Buch hat 224 Seiten und zwei Umschlagklappen, die sich als Lesezeichen (praktischerweise für Kriminalfall vorn und Lösungsteil hinten) verwenden lassen. Das Ganze ist für 9,99 Euro erhältlich. Ein Schnäppchen für alle, die gern beim Lesen miträtseln. Und ein hübsches, preiswertes Geschenk für jeden Krimifreund. 


Fazit: 5***** für ein wunderschön gestaltetes, spannendes Buch.



Mittwoch, 26. Februar 2020

"Nach Mattias" von Peter Zantingh


 „Nach Mattias“, das klingt zunächst harmlos.  Doch es bedeutet, Mattias lebt nicht mehr. Das Buch des niederländischen Autors Peter Zanthing erzählt über diese Zeit „Nach Mattias“ aus der Sicht unterschiedlicher Personen. Da ist Amber, Mattias‘ Lebensgefährtin. Sie trauert still und am liebsten allein. Wird sie doch in allem, was sie umgibt, an Mattias erinnert. Es tat weh, ihre Gedanken zu lesen, gerade weil sie von so alltäglichen Dingen handelten, wie Mattias‘ Fahrrad. Und weil die ungesagten Worte nun nie mehr ausgesprochen würden.  

Weitere Personen haben Mattias sehr gut gekannt, so wie Quentin, sein bester Freund, oder Kristianne, Mattias‘ Großmutter. Andere, wie der blinde Chris, kannten ihn gar nicht. Oder nur virtuell, wie Issam. Und doch hat Mattias ihr Leben beeinflusst. 
Die kleinen Geschichten, die alle irgendwie miteinander verwoben sind, lesen sich ganz unaufgeregt. Diese Aneinanderreihung von Alltäglichkeiten macht sie so liebenswert. Es ist wie ein Blick in die großen, unverhangenen und hell erleuchteten Fenster, die so typisch sind für die Niederlande. Wir dürfen einen Teil des Lebens der Menschen beobachten, stumm und selbst ungesehen. In den Kleinigkeiten, die wir erblicken, steckt soviel Liebe und gleichzeitig Trauer. Weil zwischen den Zeilen immer wieder hindurchscheint, dass Mattias kein Teil dieses Lebens mehr ist. Das gibt dem Unbedeutenden plötzlich Bedeutung. Etwa, wenn ich als Leser feststelle, dass Mattias‘ Playlist, die er beim Joggen hörte, mit demselben Titel beginnt, wie meine: „Fake Empire“ von The National. Oder dass seine Großmutter Kristinna den Widerspruch auf ihre Ratschläge von vornherein verhindert mit „das haben sie im Radio so gesagt“. Erst im Laufe der verschiedenen Geschichten erfahren wir, wie Mattias gestorben ist. Die Frage nach dem Warum bleibt offen. Viel wichtiger ist, dass ich am Ende fast glaubte, ihn selbst gekannt zu haben. Einen sensiblen, begeisterungsfähigen, liebevollen Menschen.

„Nach Mattias“ erzählt von trauernden Menschen. Doch es ist keinesfalls ein trauriges Buch. Sondern ein Mut machendes. Das Cover spiegelt die Grundaussage des Buches sehr schön wider. Da sitzt eine Frau im Bikini am Meer. Ganz allein. Und doch spürt man das Leben. Die Sonne auf ihrer Haut, das Spiel der Wellen. Endlichkeit und Unendlichkeit. 

Fazit: Ein Buch von der Trauer. Aber nicht traurig. Sondern eine liebevolle Erinnerung daran, was wirklich wichtig ist im Leben. 5*****

Das Buch ist bei Diogenes erschienen. Das Hardcover mit Schutzumschlag hat 240 Seiten und kostet 22 €. (In der Schweiz 30 sFr.) Das E-Book ist für 18,99 € erhältlich.



Donnerstag, 23. Januar 2020

"Gewittersee" ein Bodensee-Krimi von Tina Schlegel

„Gewittersee“ ist Tina Schlegels vierter Bodenseekrimi. Erstmals führt sie uns mit ihrer Handlung nach Lindau, wo die junge Kommissarin Cora Merlin ihren Dienst versieht. Obwohl ihr das Inselstädtchen mit seinen Gassen und Plätzen immer besser gefällt und sie eine wunderschöne Dachgeschosswohnung mit Blick auf den Bodensee gefunden hat, sieht Cora Lindau nur als Zwischenstation. Sie möchte Karriere machen, die ist in der Provinz nicht möglich. 

Doch dann wird Cora mit einem Fall konfrontiert, der sie ihre eigenen Grenzen erkennen und neu definieren lässt. Eine Tote im Bordell ist nur der Auftakt einer dramatischen Mördersuche, denn schnell wird klar: Die Frau ist nicht sein erstes Opfer und wird nicht sein letztes sein, wenn die Polizei ihn nicht rechtzeitig fassen kann. 

Allerdings hat die Polizei es hier nicht nur mit dem genannte Mordfall zu tun. Durch die geheimnisvolle Ela, eine international anerkannte Kunstschätzerin, kommt Cora einem Kunstraub ungeahnten Ausmaßes auf die Spur. Und auch privat fühlt die Kommissarin sich von der schönen Ela angezogen. Diese zweite, mit dem Mordfall eng verknüpfte Handlungsebene, fand ich sehr spannend. Ich habe tatsächlich während des Lesens die erwähnten Gemälde gegoogelt und betrachtet, wodurch die ganze Geschichte viel anschaulicher und verständlicher wurde. Sehr gut gefallen haben mir auch die liebevollen Beschreibungen Lindaus. Ich bekam direkt „Bodenseehnsucht“. 

Ich gebe zu, ich habe anfangs Paul Sito vermisst, den eigenwilligen Kommissar aus den ersten drei Bodenseekrimis. Mit Cora Merlin hat die Autorin eine andere, vielschichtige Hauptfigur erschaffen, die in ihrer liebenswürdigen Widersprüchlichkeit Sito durchaus ebenbürtig ist. Wer weiß, vielleicht begegnen sich die Beiden ja im fünften oder sechsten Bodenseekrimi von Tina Schlegel? Es bleibt spannend. Auch die weiteren Figuren wie Elas Freund Piet, Coras Kollege Christian, ihr Bruder David oder auch Coras neue Freundin Sandra sind so lebensecht beschrieben, dass ich sie am liebsten einmal persönlich kennenlernen würde. Das Buch bleibt von Anfang bis Ende spannend. Daher passt der Titel "Gewittersee" auch ganz wunderbar. Denn von Beginn an ist die Atmosphäre aufgeladen, alle warten förmlich auf das erlösende Gewitter, das dann zum dramaturgisch passenden Zeitpunkt kommt. Das wunderschöne Cover deutet dieses ja bereits an. 


Fazit: Ein weiterer spannender und bildreicher Bodenseekrimi von Tina Schlegel. 5*****

Das Taschenbuch hat 304 Seiten, ist im Emons Verlag erschienen und kostet 11,90 Euro. Das E-Book ist für 9,49 Euro erhältlich.