In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

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Mittwoch, 25. November 2020

"Still schweigt der See" von Tina Schlegel

„Still schweigt der See“ ist nach „Schreie im Nebel“, „Die dunkle Seite des Sees“ und „Der Wolf vom Bodensee“ der vierte Krimi von Tina Schlegel um Kommissar Paul Sito. Packend und berührend fand ich sie alle, weil nicht nur die Ermittlungsarbeit der Polizei und das Privatleben von Paul Sito, Miriam, Roman Enzig und weiteren beschrieben werden. Immer geht es auch um moralische Fragen. Dieser vierte Band hat mich besonders bewegt, weil das Geschehen hochaktuell ist. Demonstrationen, Klimaschutz, rechtes Gedankengut, über diese Themen lesen und hören wir täglich etwas in den Medien. Die Autorin nutzt diese Aktualität als Hintergrund für ein nervenzerrendes Geiseldrama. An der Universität Konstanz wurden fünfzig Personen als Geiseln genommen. Zunächst ist unklar, was die Geiselnehmer bezwecken.


Erschreckend fand ich, wie jede Veränderung der Lage sofort in den sozialen Medien verbreitet wurde. Und auch, wie schnell rohe Gewalt sich breitmacht, selbst an einem friedlichen, dem Lernen dienenden und wegen des Blicks über den Bodensee sogar idyllischen Ort wie der Uni Konstanz. Die persönliche Verstrickung der Hauptfiguren in das Geiseldrama ließen mich beim Lesen mitfiebern und auf eine gute Lösung hoffen. Die moralische Frage, ob man ein Leben opfern darf, um viele zu retten, brachte mich zum Nachdenken. Aber Moral ist nicht erpressbar, Unmoral schon. Zu dieser Aussage sehr passend finde ich das Cover mit dem Foto der Imperia.


Viele Dialoge, einige zeitliche Rückblenden und nicht zuletzt die manchmal unkonventionelle Arbeitsweise von Paul Sito lockern das Geschehen auf. Auch wenn es hier um ernste Themen geht, die zum Nachdenken anregen, so ist „Still schweigt der See“ vor allem eins - ein sehr gut geschriebener, packender Bodenseekrimi, den ich nicht aus der Hand legen mochte, bis ich wusste, wie er ausgeht. 


Fazit: Spannend, berührend und zum Nachdenken anregend. 5*****


Das Taschenbuch ist im Emons Verlag erschienen, hat 318 Seiten und kostet 13 Euro. Das E-Book ist für 9,49 Euro erhältlich. 




Donnerstag, 23. Januar 2020

"Gewittersee" ein Bodensee-Krimi von Tina Schlegel

„Gewittersee“ ist Tina Schlegels vierter Bodenseekrimi. Erstmals führt sie uns mit ihrer Handlung nach Lindau, wo die junge Kommissarin Cora Merlin ihren Dienst versieht. Obwohl ihr das Inselstädtchen mit seinen Gassen und Plätzen immer besser gefällt und sie eine wunderschöne Dachgeschosswohnung mit Blick auf den Bodensee gefunden hat, sieht Cora Lindau nur als Zwischenstation. Sie möchte Karriere machen, die ist in der Provinz nicht möglich. 

Doch dann wird Cora mit einem Fall konfrontiert, der sie ihre eigenen Grenzen erkennen und neu definieren lässt. Eine Tote im Bordell ist nur der Auftakt einer dramatischen Mördersuche, denn schnell wird klar: Die Frau ist nicht sein erstes Opfer und wird nicht sein letztes sein, wenn die Polizei ihn nicht rechtzeitig fassen kann. 

Allerdings hat die Polizei es hier nicht nur mit dem genannte Mordfall zu tun. Durch die geheimnisvolle Ela, eine international anerkannte Kunstschätzerin, kommt Cora einem Kunstraub ungeahnten Ausmaßes auf die Spur. Und auch privat fühlt die Kommissarin sich von der schönen Ela angezogen. Diese zweite, mit dem Mordfall eng verknüpfte Handlungsebene, fand ich sehr spannend. Ich habe tatsächlich während des Lesens die erwähnten Gemälde gegoogelt und betrachtet, wodurch die ganze Geschichte viel anschaulicher und verständlicher wurde. Sehr gut gefallen haben mir auch die liebevollen Beschreibungen Lindaus. Ich bekam direkt „Bodenseehnsucht“. 

Ich gebe zu, ich habe anfangs Paul Sito vermisst, den eigenwilligen Kommissar aus den ersten drei Bodenseekrimis. Mit Cora Merlin hat die Autorin eine andere, vielschichtige Hauptfigur erschaffen, die in ihrer liebenswürdigen Widersprüchlichkeit Sito durchaus ebenbürtig ist. Wer weiß, vielleicht begegnen sich die Beiden ja im fünften oder sechsten Bodenseekrimi von Tina Schlegel? Es bleibt spannend. Auch die weiteren Figuren wie Elas Freund Piet, Coras Kollege Christian, ihr Bruder David oder auch Coras neue Freundin Sandra sind so lebensecht beschrieben, dass ich sie am liebsten einmal persönlich kennenlernen würde. Das Buch bleibt von Anfang bis Ende spannend. Daher passt der Titel "Gewittersee" auch ganz wunderbar. Denn von Beginn an ist die Atmosphäre aufgeladen, alle warten förmlich auf das erlösende Gewitter, das dann zum dramaturgisch passenden Zeitpunkt kommt. Das wunderschöne Cover deutet dieses ja bereits an. 


Fazit: Ein weiterer spannender und bildreicher Bodenseekrimi von Tina Schlegel. 5*****

Das Taschenbuch hat 304 Seiten, ist im Emons Verlag erschienen und kostet 11,90 Euro. Das E-Book ist für 9,49 Euro erhältlich. 


Montag, 28. Mai 2018

"Lametta für ein ganzes Jahr" von Tina Schlegel

Das kleine Büchlein von Tina Schlegel vereint ausgewählte Dialoge mit ihrer Tochter. Mona ist inzwischen sieben Jahre alt, die Gespräche über Gott, Einhörner, Liebe, Ameisen ... begannen aber wohl kaum, dass sie sprechen konnte. Zwischen den Zeilen spürt man eine tiefe Verbundenheit zwischen Mutter und Tochter, das große Vertrauen, das beide zueinander haben. Immer wieder freudig verblüfft hat mich die tiefe Weisheit, die Monas Worte offenbaren. Ein freier Geist, der Religion genauso hinterfragt wie politische Meldungen aus dem Radio. Kindermund tut Wahrheit kund, sagt man. Die Welt könnte so einfach sein, dachte ich an mancher Stelle. Andere Erlebnisse, wie z.B. die Sache mit den „hässlichen Breezen“, sind einfach nur lustig. Unterhaltsam ist das Büchlein auf jeden Fall. Viele Gespräche ließen mich aber auch nachdenklich werden. Wir haben in unserem Leben so viel gelernt, was uns beigebracht wurde. Dies tut man so, weil, ... Und das muss so sein, damit ... Kinder sehen die Welt anders, unverdorbener von fremden Meinungen. Somit ist das Büchlein vielleicht auch eine Anregung für uns Erwachsene, einfach ab und zu mal ein wenig kindlicher zu denken und zu handeln, Dinge zu hinerfragen oder anders zu machen. Das könnte tatsächlich ganz schön schlau sein. 

Fazit: 5***** Dialoge voller Liebe, Weisheit und Humor. Ein schönes Mitbringsel / Geschenk für Menschen, die man gern hat. 


Lametta für ein ganzes Jahr hat 120 Seiten, ist 12 x 12 cm groß, im Scribo-Verlag erschienen und kostet 5 Euro. 


Mittwoch, 3. Mai 2017

"Die dunkle Seite des Sees" von Tina Schlegel

Dies ist nach "Schreie im Nebel" der zweite Bodensee-Krimi von Tina Schlegel um den Ermittler Paul Sito und den Kriminalpsychologen und Profiler Roman Enzig. Die Handlung beginnt Ende April / Anfang Mai. Die ersten heißen Tage des Jahres versetzen die Menschen am Bodensee in Sommerlaune. Noch ahnt niemand, dass die Hitze bis weit in den September hinein bleiben und immer mehr zur Last werden wird, genau wie der neue Mordfall, in dem Sito und sein Team ermitteln. 

Besonders gut hat mir bei diesem Buch die Bodenseeatmosphäre gefallen. Genau so kenne ich den See und die Stadt Konstanz. Immer wieder sah ich die bekannten Schauplätze vor Augen oder entdeckte Neues, mir bisher Unbekanntes, wie die kleine Dachterrasse der Buchhandlung. 

Die Kriminalfälle stehen in jedem Bodenseekrimi von Tina Schlegel für sich, die Hauptfiguren - Ermittler und ihr Umfeld - haben ihre eigene private Geschichte, die sich weiterentwickelt. Mit diesen Figuren kam ich vor allem deshalb gut zurecht, weil ich sie bereits aus "Schreie im Nebel" kannte. Einiges, was dort passierte, erklärt, warum die Hauptpersonen jetzt so und nicht anders handeln. In diesem zweiten Teil wird aber nur andeutungsweise darauf eingegangen, was ich schade finde für alle, die Teil 1 noch nicht kennen. Die Tagebuchaufzeichnungen Sitos halfen selbst mir nur bedingt weiter, sodass ich z.B. lange falsch lag, wessen Gesicht er immer wieder sieht. Trotzdem macht gerade die Entwicklung der Hauptfiguren einen Großteil des Reizes der Geschichte aus. Enzig, Sito, Samuel, Miriam ... sie alle haben ihre Probleme, lassen eine Entwicklung erkennen. Das lässt sie lebensecht und sympathisch wirken, gerade auch wegen der Fehler, die sie machen. 

Die Mordfälle sind außergewöhnlich und deuten auf ein persönliches Problem des Täters hin. Durch den Perspektivwechsel erfahren wir zwar schon früh einige Gedanken des noch unbekannten Mörders, das Motiv wird erst später im Buch enthüllt. Das macht es spannend. Auf den Täter hingegen deutet alles schon sehr bald hin und das finde ich schade für einen Krimi. Ich hätte gern mitgeraten, WER es war und nicht nur WARUM. 

Alles in allem ein unterhaltsames, spannendes Buch mit viel Bodenseeatmosphäre, eine interessante Fortsetzung des ersten Krimis »Schreie im Nebel«, den man meiner Meinung nach vorher gelesen haben sollte. 


Fazit: 4 ****

Das Taschenbuch ist im Emons-Verlag erschienen, hatt 336 Seiten und kostet 12,90 Euro. Das E-Book ist für 9,49 Euro erhältlich. 


Mittwoch, 9. Dezember 2015

"Schreie im Nebel" (Ein Bodensee-Krimi) von Tina Schlegel

Diesen Bodenseekrimi wollte ich unbedingt lesen, da ich selbst sieben Jahre in der schönen Gegend gelebt habe, allerdings ohne kriminelle Ereignisse. 

Die erste Leiche wurde auf ungewöhnliche Weise in einer alten Fabrikhalle präsentiert. Kommissar Paul Sito, der Fallanalyst Roman Enzig, Polizeirat Kerler und seine schöne junge Tochter Miriam, die Zeichnungen der Leichen anfertigte, bevor diese gefunden werden ... sie alle sind sehr unterschiedliche, interessante Charaktere mit Stärken und Schwächen, die sehr menschlich wirken. Der Fall scheint verworren, es bleibt nicht bei einer Leiche, und der Verdacht "wandert" zwischen verschiedenen Figuren hin und her. Tina Schlegel gelingt es, Spannung aufzubauen und bis zum Schluss zu halten. Das Kopfkino, das beim Lesen entsteht, ist oft nicht schön, aber genau das ist gewollt und hat mit dem Mordmotiv zu tun. 

Das Cover stimmte herrlich auf den typischen Bodenseenebel ein, der im Herbst oft tagelang keinen Sonnenstrahl durchlässt und ganz schön deprimierend wirken kann. Viel mehr Bodenseeflair gab's dann aber leider nicht. Hier wurde meiner Meinung nach eine große Chance vertan, dem Leser die typische Seeatmosphäre zu vermitteln. Orte werden genannt, mehr nicht. Schade, von einem Regionalkrimi erwarte ich mehr. Dafür bekommt der Leser geschickt verpackt vermittelt, warum Fleisch essen, Pelz tragen usw. schlecht ist. Im Großen und Ganzen stimme ich Tina Schlegel zu, auch wenn ich kein Vegetarier bin. Letztendlich geht mir die Gleichstellung von Tier- und Menschenmord aber spätestens dann einen Schritt zz weit, wenn das Eine als Rechtfertigung für das Andere dient. Da hätte ich am Ende doch ein klar gesprochenes Urteil erwartet. 

Auch bleiben aus meiner Sicht zu viele Fragen offen. Es werden Andeutungen gemacht, die Vergangenheit der Hauptfiguren betreffend, aber nicht alles wird aufgelöst. Manches Motiv für bestimmte Handlungen und Gedanken scheint immer noch im Nebel zu liegen. Das schreit geradezu nach einer Fortsetzung mit hoffentlich weniger Nebel und mehr Bodenseeatmosphäre. 


Fazit: 4**** für eine ungewöhnliche, spannende Mordgeschichte mit interessanten Figuren und Gedanken. 

Das Taschenbuch ist im Emons-Verlag erschienen, hat 384 Seiten und kostet 11,90 Euro. Das E-Book ist für 9,49 Euro erhältlich.

Das Cover erinnert mich an das Cover der CD "No Line on the Horizon" von U2, was auch im Bodenseenebel aufgenommen wurde.