In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

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Mittwoch, 15. Mai 2019

"Mach dieses Buch zum Bienenhaus" von Lynn Brunelle und Anna-Maria Jung

„Mach dieses Buch zum Bienenhaus“, so lautet der Titel. Das Buch ist zum Glück mehr als ein Bastel-Set, mit dem Kinder ihr eigenes Häuschen für Wildbienen bauen können. 

In großer, kindgerechter Schrift und mit vielen bunten Bildern informieren die ersten Seiten über verschiedene Bienenarten, ihre Lebensbedingungen sowie ihre näheren Verwandten wie z.B. die Wespen. Eine Überschrift wie „Nicht alle Wespen sind gefährlich“, halte ich, vorsichtig ausgedrückt, aber für etwas unglücklich gewählt. Schön und interessant sind die meisten Experimente, mit denen beispielsweise der Flügelschlag oder das Bewegung verursachende Summen einer Biene nachempfunden werden kann. Das empfohlene Alter von 6 bis 12 Jahren passt, da bei den meisten Experimenten sowieso die Hilfe eines Erwachsenen benötigt wird, und sei es nur, um die Utensilien bereitzustellen. So weit noch okay. 

„Mach dieses Buch zum Bienenhaus“ – sollte, wenn man den Titel wörtlich nimmt, die Krönung der Experimente sein. Dazu habe ich gleich mehrere kritische Anmerkungen. Für den Bau verwendet werden 48 Blätter dieses Buches und jede Menge Klebestreifen. Die Fummelarbeit, 48 Röhrchen zu formen und ihnen den Boden zuzukleben, kann man ja noch als Geduldsübung fürs Kind ansehen bzw. mehrere Geschwister gleichzeitig beschäftigen. Allein die Menge des verwendeten Klebestreifens halte ich für fragwürdig. Was aber meiner Meinung nach gar nicht geht, ist grundsätzlich Papier als Material für eine Bienenbehausung. Wenn der Sommer mal nicht so trocken ist wie 2018, nehmen die Papierröhrchen Luftfeuchtigkeit auf, fangen an, weich zu werden und zu schimmeln. Todesfalle statt Kinderstube für die Bienenbrut! 

Das Buch bedient sich des erwachten Interesses am Wohl der Wildbienen. Meiner Meinung hat der zahlenmäßige Rückgang dieser nützlichen Insekten aber wenig mit fehlenden Behausungen zu tun. Viel schlimmer ist, dass die Wildbienenarten immer weniger Nahrung finden. An der Stelle müsste man ansetzen. Beispielsweise bienenfreundliche Pflanzen statt pflegeleichter Schottergärten, kein Einsatz von Unkraut- und Insektenvernichtungsmitteln, keine Gülle auf die Wiesen, wo dann nur noch Löwenzahn innerhalb eines kurzen Zeitfensters blüht usw. Mit ein paar Papierröllchen und meterweise Tesafilm helfen wir den Bienen nicht. 

Und noch eine Kritik zum Produkttext in den Online-Shops. Zitat: „Im anschließenden Quiz- und Rätselteil können die jungen Leser ihre Kenntnisse testen.“ Diesen Teil habe ich in unserem Buch nicht entdecken können. 

Fazit: Einerseits spürt man, dass viel Liebe und Mühe in dieses Buch investiert wurden. Andererseits hätte die Autorin statt ihre geliebten Familienmitglieder besser einen Bienenexperten mit ins Boot holen sollen. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Ich kann dieses Buch insgesamt nicht empfehlen. 2**

Das Softcoverbuch im Format 19,5 x 24,6 x 1,7 cm hat 192 Seiten, von denen 100 mit bunten Mustern bedruckt und für den Bau des Bienenhauses vorgesehen sind. Empfohlen für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren. Das Buch ist bei Ullmann Medien erschienen und kostet 14,99 Euro. Die 15 euro sollte man lieber in bienenfreundliche Pflanzen investieren.



Dienstag, 29. Januar 2019

"Die Zeit heilt keine Wunden" von Hendrik Falkenberg

Ein Ostseekrimi! Cover, Titel, Klappentext und Prolog versprachen Spannung und Lesegenuss. Das Thema grundsätzlich war hochinteressant. Eine Entführung, ein ungeklärter Todesfall, Spuren, die bis in die NS-Vergangenheit zurückreichen. Dazu noch ein junger Sportler, der neben seiner neu begonnenen Tätigkeit bei der Mordkommission auch noch für Olympia trainiert. Doch leider konnte das Buch die so geweckten Erwartungen nicht erfüllen. Die Zufälle wirkten an den Haaren herbeigezogen. Natürlich trifft Hannes fast nur Leute, die sich für die NS-Vergangenheit interessieren. Und wenn er dafür mit ihnen im Riesenrad festhängen muss. Richtig schlimm fand ich die Auflösung am Ende. Da hab ich mich, auf Deutsch gesagt, veralbert gefühlt. Es passte einfach nicht mit dem vorher Gelesenen zusammen. Klar können Menschen sich verstellen. Aber das hier war so grundsätzlich, nee! Vom Meer war auch wenig zu spüren. Es gibt Bücher, da schmeckt man beim Lesen die salzige Luft, spürt den Wind in den Haaren und hört die Wellen rauschen. Nichts davon wollte sich hier einstellen. Auch mit den Figuren wurde ich nur teilweise warm. Bis ich den Autor gegooogelt habe, dachte ich tatsächlich, er wäre Ü80. Die Sprache wirkt so antiquiert. Ebenso die Namen. Welche jungen Frauen Ende 20, Anfang 30 heißen heute Elke und Ines??? Und wer spricht so, wie hier in den Dialogen?

Warum ich trotzdem bis zum Ende durchgehalten habe? Weil ich auf eine logische Auflösung hoffte. Weil die Geschichte vom Thema her interessant war. Und weil es eine kalte dunkle Winterwoche war. Seine weiteren Fälle muss Hannes Niehaus allerdings ohne mich lösen.

Fazit: Konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen. 2**

Das Taschenbuch ist im Ullstein Verlag erschienen, hat 576 Seiten und kostet 11 Euro. Das E-Book ist für 4,99 Euro erhältlich. 



Dienstag, 18. April 2017

"Green Net" von Wilfried von Manstein

Bei diesem Buch sprachen mich das wunderschöne Cover und die Idee der im Green Net kommunizierenden Bäume an. Eine völlig andere Geschichte, für Leser von zwölf bis hundertzwölf, versprach der Autor und erwartete ich mir. Der Anfang gefiel mir, sowohl der Prolog, als auch die »Eigenheiten« Marios, die seine Mutter dazu bringen, mit ihm den Kinderpsychologen Robin de Winter aufzusuchen. Nach und nach lernen wir weitere Figuren kennen, wie Sabrina, die Freundin von Marios Mutter, oder Rado, die vierzehnjährige rebellische Tochter von de Winter, die als Reporterin der Schülerzeitung Umweltfrevlern auf der Spur ist. Doch je mehr ich las, um so schwerer fiel es mir. Mein Unbehagen wuchs, ich war mehrmals kurz davor, das Buch abzubrechen, ohne zunächst konkret sagen zu können, was mich störte. Also gab ich dem Buch eine Chance und las weiter. Die Geschichte will viel. Es gibt eine Botschaft, nämlich die vom bösen Menschen, der die Natur zerstört und ausbeutet, bis die Natur sich gegen ihn wendet. Sogenannte »Zeiter«, eine Erfindung eines besonderen Wissenschaftlers, können Menschen verlangsamen und Pflanzen verschnellern. Auch Zeitreisen kommen vor, ebenso andere tolle Erfindungen des Wissenschaftlers, bei deren bildlicher Vorstellung ich wirklich Spaß hatte. Aber dennoch, ich wurde mit dem Buch nicht warm. Die Figuren bleiben blaß, zweidimensional, allenfalls klischeehaft, wie z.B. Podoll. Sie handelten, meist sehr spontan, ohne ihre Beweggründe zu offenbaren. Es wird extrem schwarz-weiß gezeichnet. Alle Erwachsenen sind taub und blind für alles, was abseits von Einkaufswagen, Sonderangeboten und Treuepunkten liegt (S. 357). Ich bin der Meinung, schon Zwölfjährige, die als jüngste potentielle Leser angesprochen werden, sind in der Lage, zu differenzieren. Reginald, der große Pflanzendiktator, hatte eine »schwere Kindheit«, die Verständnis für die Wahl des Terrors zur gewaltsamen Weltverbesserung wecken soll? Diesen Denkansatz halte ich sogar für gefährlich. 

In insgesamt 75 Kapiteln bei 400 Seiten wird ständig zwischen Figuren, Ort und Zeit hin- und hergesprungen. Diese Momentaufnahmen bringen viel Unruhe ins Buch und verhindern, zusammen mit den knapp gezeichneten Figuren, sich in eine Situation richtig einzufühlen. Trotz dieser schnellen Sprünge zieht sich die Handlung, weil immer wieder jemand etwas stiehlt, jemanden jagt oder einsperrt, so dass das anvisierte Ziel wieder in die Ferne rückt. Ein bisschen wie in einem überdrehten Comic.

Gefallen hat mir, wie erwähnt, die Grundidee, der miteinander kommunizierenden Pflanzen. Auch, dass Bäume so langsam sprechen, dass wir Menschen es nicht wahrnehmen. Dass wir aus Baumsicht hin und her huschende Punkte sind und zur Ruhe kommen müssen, um die Bäume (die Natur) zu verstehen. Diese Botschaft kann ich annehmen.

Fazit: Ich war froh, als ich das Buch endlich zu Ende gelesen hatte. 2**
Das Hardcoverbuch hat 412 Seiten, ist in der Edition IMNO im Verlag M. Boerner erschienen und kostet 22,80 Euro.




Montag, 16. Januar 2017

"Vegan For Fit - Gipfelstürmer" von Attila Hildmann

»Vegan For Fit - Gipfelstürmer« heißt das neuste Buch von Attila Hildmann. Attila ist nahezu jedem bekannt, der sich für vegane Ernährung interessiert. Er hat am eigenen Körper getestet, was gesunde vegane Ernährung plus Sport bewirken können und sich vom schwer atmenden Moppelchen zu einem wohlproportionierten, gesunden Mann entwickelt. Attila verstand es außerdem, seine Erfahrungen in so motivierende Worte zu packen, dass kombiniert mit hübschen Bildern und leckeren Rezepten bereits mehrere Bücher daraus entstanden sind, die sich verkaufen wie geschnitten (veganes) Brot.
»Vegan For Fit - Gipfelstürmer« verspricht, dass jeder, der dieses Buch liest und seine Ratschläge befolgt, sich nach Attilas Rezepten ernährt und die nötige Zeit in leichten Sport investiert, innerhalb von 7 Tagen bis zu 4 Kilogramm abnehmen und gleichzeitig seinen Körper entgiften kann. Klingt super und nach einem verlockenden Einstieg in die Welt der verganen Ernährung, für alle, die es gern einmal probieren wollen. Sieben Tage ... das ist machbar, oder?
Mir gefällt die Aufmachung des Buches. Eine überschaubare Menge Text, theoretisches Wissen, ein Schritt-für-Schritt-Programm und jede Menge Rezepte für die sieben Tage, immer mit verschiedenen Alternativen und zusätzlichen leckeren Bausteinen, z.B. nach dem Sport. Zusätzlich zum Buch gibt es einen kostenlosen Rechner im Internet, wo jeder seinen persönlichen Bedarf an Nährstoffen ausrechnen und die Zutatenmengen der Rezepte entsprechend anpassen kann. Dabei werden Faktoren wie Körpergröße, Gewicht, Alter, Beruf und Bewegungsprofil berücksichtigt. Das finde ich praktisch und sinnvoll, auch wenn es im ersten Moment die Rezepte etwas verkompliziert. Sofort drauflos mixen oder kochen ist nicht, erst muss gerechnet werden. Aber immerhin lassen sich mit den errechneten werten Einkaufslisten online erstellen und ausdrucken.
Wobei das mit dem sofort Loslegen sowieso nicht ganz so einfach ist. Zumindest, wenn man die Rezepte ganz genau befolgen will. Herr Hildmann verkauft nämlich nicht nur Bücher, sondern betreibt auch einen »veganen Kaufmannsladen«, online natürlich. Und ebenso natürlich sind Produkte, die den Namen »Attila Hildmann« tragen, Basis dieses Detoxprogramms. Ohne »Attila Hildmann Macha Tee«, »Attila Hildmann Açaí-Fruchtpüree« und am besten noch »Attila Hildmann Bio Protein« geht nämlich gar nichts! Kann man glauben, muss man aber nicht. Zum Beispiel liebe ich mein original aus Japan mitgebrachtes Bio Mach Teepulver und sehe keinen Grund, es durch »Hildmann« zu ersetzen. Schwieriger wird es schon bei dem Açaí-Beeren-Pürree, das laut Buch beim »Biodealer meines Vertrauens« erhältlich ist. Ist es nicht, nicht im kleinen Bioladen und auch in keinem Biosupermarkt im Umkreis von mehr als 20 Kilometern. Das Wort »Biodealer« soll wahrscheinlich cool klingen, na ja ...
Am meisten stört mich an dem Buch aber etwas ganz Anderes: Jeder, der von heute auf morgen vom normalen Alles-Esser auf rein vegane Ernährung umstellt, wird Veränderungen bemerken. Besonders, wenn er dabei Bio-Obst und -Gemüse den Vorzug gibt vor industrieller »sieht-aus-wie-Fleisch-schmeckt-aber-nicht-so« Fertignahrung. Bei mir zeigten sich damals recht schnell Gewichtsabnahme, Energiezunahme, ein Hochgefühl, der unbändige Drang, mich zu bewegen. Ohne Hildmann-Buch oder -Produkte. Ich denke, so reagiert ein Körper, einfach auf die Ernährungsumstellung. Das bedeutet, es wird wahrscheinlich bei nahezu allen, für die »Vegan For Fit« der erste Versuch einer konsequent veganen Ernährung ist, ähnlich funktionieren. »Wow! Attilas Programm funktioniert.« Werden diese Leute sagen. Und weiter seine Produkte kaufen. Perfektes Marketing. Gekonnter Ritt auf einem aktuellen Trend, Herr Hildmann.
Fazit: Schönes Buch, aber nicht notwendig. Vegan funktioniert auch ohne »Hildmann« 2**
Das Hardcover ist im Becker Joest Volk Verlag erschienen, hat 160 Seiten und kostet 19,95 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich.

Montag, 14. November 2016

"Realitätsgewitter" von Julia Zange

"Realitätsgewitter" hatte mich gleich in mehrfacher Hinsicht angesprochen und neugierig gemacht. Autorin Julia Zange wird als Multitalent und junge Deutsche Stimme hochgelobt. Der Aufbauverlag spricht für Qualität. Selbstfindung ist ein interessantes Thema. Und nicht zuletzt ist eine coole schwarze Katze auf dem Cover. Das waren also die Gründe, warum ich dieses Buch lesen wollte. 

Das Buch wirkt hochwertig mit Hardcover und Schutzumschlag. Die Schrift hat eine angenehme Größe. Allerdings bedeutet das auch, dass auf 150 Seiten nicht allzu viel Text unterzubringen ist. Kein Schmöker für stundenlanges Lesen also, worüber ich am Ende sehr froh war. 

Marla, aus der Ich-Perspektive erzählende Protagonistin der Geschichte, ist Anfang 20 und lebt in Berlin. Sie bekommt jeden Monat Geld von ihrem Vater überwiesen und schnorrt sich gern auf Partys durch. Ihre Gedanken sind voller Melancholie, sie ist ständig auf der Suche nach jemandem, der sie in den Arm nimmt. Die für mich lebendige und bunte Stadt Berlin wirkt, mit Marlas Augen betrachtet, trist und grau. Das ist nicht mein Berlin! Die ständige Vernetzung und Erreichbarkeit über Facebook, WhatsApp & Co. verstärken Marlas Einsamkeit noch. Diesen Punkt kann ich sogar nachvollziehen. Was nützen tausend und mehr Facebookfreunde, wenn niemand davon ein wirklicher Freund ist? Trotzdem geht auch dieser bedenkliche Aspekt der Social-Media-Kultur in Marlas Jammerei unter. Der Vater überweit ihr kein Geld mehr - und sie fühlt sich am Ende, weil sie arbeiten muss! Irgendwann wünschte ich mir, der dauertraurigen Göre ins Gesicht schreien zu können: "Such Dir doch endlich einen stinknormalen Job, dann findest Du vielleicht sogar reale Freunde!" Aber für Marla muss alles irgendwie hipp sein, auch wenn sie dadurch nicht froh wird. Sie schreibt dann notgedrungen für ein Magazin über Mode und Promis, obwohl sie beides nicht interessiert. 

Die Fahrt in ihr Heimatdorf und die Begegnung mit ihren Eltern lassen erahnen, dass Marla schon immer "so" war und die Eltern daran nicht unschuldig sind. Aber auch hier verpufft aufkommende Spannung wieder. Ich fühlte mich mehr und mehr gelangweilt von Maras tristen Gedanken und las das Buch schließlich nur zu Ende, weil es so dünn war. Einhundert Seiten mehr und ich hätte abgebrochen. Die ganze Geschichte wirkt auf mich ähnlich verkrampft wie Marla - beide bemühen sich, trendy zu sein. Der Sprachstil Julia Zanges gefällt mir sogar. Die englischen Dialogfetzen wirken authentisch für Berlin und seine Internationalität. Aber warum müssen Marla ständig irgendwelche Szenekünstler über den Weg laufen? Nur damit sie denken kann, wie egal ihr diese sind? In einem Nebensatz taucht tatsächlich ein alter grauer Kater auf - trotzdem finde ich es fast schon gemein, mit der schwarzen Katze auf dem Cover falsche Erwartungen zu wecken. 

Fazit: Schade um die Zeit. Knappe 2**

Das Buch ist als Hardcover mit Schutzumschlag im Aufbau Verlag erschienen, hat 157 Seiten und kostet 17,95 Euro. Das E-Book ist für 12,99 Euro erhältlich. 




Freitag, 26. Februar 2016

"Indianisch für Anfänger" von Kerstin Groeper

Dieses Buch bekam ich zeitgleich mit "Im fahlen Licht des Mondes" von der selben Autorin. Ich las zuerst das andere Buch, den historischen Roman, und war begeistert. Danach hatte ich hohe Erwartungen an "Indianisch für Anfänger", die leider nicht erfüllt wurden.

Die Schauplätze beider Bücher liegen örtlich dicht beieinander, die Ranch am See taucht sogar in beiden Storys auf. 150 Jahre nach Moekaé ist nun Kaja die Heldin der Geschichte. Beide Frauen sind im selben Alter und doch sehr unterschiedlich. Kaja ist für mich einfach nicht glaubwürdig. Sie ist 21, hat in München ihr Fachabitur gemacht und fliegt für ein Jahr in die USA, ohne vorher den Ort und die Gegend, wo sie als Au-Pair hinkommt, wenigstens mal zu googeln? Huch, ein Indianerreservat, eine einsame Farm, kein Kaufhaus oder Kino in der Nähe. Google Maps hat ihr wohl noch nie jemand gezeigt? Dafür hat Kaja sofort alles bestens im Griff. Sie vertritt die im Koma liegende Gastmutter mit Bravour. Der Dreijährige, den Kaja betreut, ist immer brav, sie wuppt den Haushalt ganz allein, lernt spielend leicht Lakota, reitet und hat immer noch Langeweile. Ich möchte nicht zuviel von der Handlung erwarten, aber auch zum Ende hin ging mir das Alles viel zu glatt. Die Probleme, die auftauchen, bewältigt Kaja mit links und bleibt das gewohnte Supergirl. Was will die Autorin mit diesem "Märchen" erreichen?
Einziger, aber sehr nerviger Fehler der Helden-Kaja: Sie findet sich selbst unheimlich toll und lässt das immer wieder raushängen. Gibt zickige Antworten, mokiert sich über die ärmlichen Behausungen und Autos der Indianer und zieht über alle her, die nicht so schlank und schön sind wie sie.

Die Sprache passt zum Genre Jugendbuch - hier bewundere ich ehrlich die Wandlungsfähigkeit von Kerstin Groeper. Wobei man meiner Meinung nach trotzdem korrekte Begriffe verwenden sollte, Kaja war nicht Au-Pair in Amerika, sondern in den USA. Der Lektor ist derselbe, der beim anderen Buch angeblich ganz neu war und daher schuld an den vielen Fehlern. Da hat er wohl beide Bücher zeitgleich lektoriert? Viel zu viele Sätze beginnen mit "Dann ..." so dass stellenweise der Eindruck entsteht, einen Schulaufsatz zu lesen. Natürlich kann das beim Schreiben passieren, aber hinterher müsste es doch jemand merken! (Siehe bspw. S. 164) An anderen Stellen fehlen Worte oder die Sätze sind so verdreht, dass vermutlich aus zweien einer gemacht wurde, ohne noch einmal drüberzulesen. 

Von Jaden, dem Dreijährigen, wird im Verlauf der Geschichte plötzlich immer häufiger als "das Kind" gesprochen, was total unpersönlich und ablehnend klingt. Kaja müsste doch im Gegenteil zu ihm mit der Zeit eine emotionale Beziehung aufgebaut haben? Wobei Emotionen sowieso nicht Kajas Stärke sind. Außer bei dem Gespräch im Supermarkt, als sie nicht einmal richtig hinhört. Das, was sie zu hören glaubt, hat die Cousine nämlich gar nicht gesagt! Sie sprach von ihren Brüdern. 

Die Geschichte hat aus meiner Sicht viel verschenktes Potential. Sicher erfahren wir einiges über das Leben der Indianer in der Gegenwart und ihr Bemühen, Sprache und Bräuche zu erhalten bzw. wiederzubeleben. Die Hintergründe aber bleiben offen. Warum z.B. die Indianer immer noch in Reservationen leben, dort eigene Regeln (Alkoholverbot) gelten, es kaum Jobs gibt usw. 

Das Buch sollte unbedingt als Jugendbuch gekennzeichnet werden, damit der Fan historischer Romane von Kerstin Groeper nicht enttäuscht ist. Diese Geschichte klingt eher wie der Reisebericht eines Au-Pairs, ist mir selbst für einen Jugendroman einfach nicht emotional und tief genug. Ich werde gern weitere Bücher von Kerstin Groeper lesen, allerdings aus der historischen Ecke. 


Fazit: 2** 

Das Taschenbuch ist im Traumfänger Verlag erschienen, hat 328 Seiten und kostete 9,90 Euro. Ein E-Book gibt es nicht. 


Dienstag, 23. Februar 2016

"Macht" von Karen Duve

"Zuviel des Guten kann wundervoll sein." Dieses Mae West zugeschriebene Zitat liebe ich, doch trifft es auf dieses als Roman titulierte Buch leider nicht zu. Karen Duve will meiner Meinung nach zu viel und das geht gründlich schief. Der Blick in die Zukunft des Jahres 2031 scheint anfangs noch interessant. Da gibt es eine Pille, die 70-Jährige aussehen lässt wie 30- oder 40-Jährige - abhängig von der Dosis, und dem Krebsrisiko, das sie auf sich nehmen. Wir lesen über witzige Weiterentwicklungen heutiger Elektronik, Hologramme als sprechendes und agierendes Kinderspielzeug, aber auch Killerraps, Algenteppiche, Tornados über Hamburg und einen drohenden Weltuntergang in spätestens 5 Jahren, der sich nicht mehr aufhalten lässt. Der Mensch hat die Erde kaputt gemacht. Warum es bei diesem Horrorszenario noch eines Mannes bedarf, der seine Exfrau entführt hat und seit über zwei Jahren im Keller gefangen hält, erschließt sich mir nicht ganz. Ebenso die agitatorisch wirkende ständige Wiederholung der unterschiedlichen Standpunkte zu Themen wie Klimawandel, Fleischessen, Verhältnis von Männern und Frauen in der Gesellschaft und in Machtpositionen. 

Sebastian erzählt die Story aus seiner Sicht und lässt uns an seinen etwas wirren, da sich immer wieder ändernden Gedanken teilhaben. Irgendwann ging mir dieses Geschwafel über Macht und Beherrschung des anderen Geschlechts nur noch auf die Nerven, fand ich die mit "erhobenem Zeigefinger " vorgetragenen Argumente der Guten (zu denen auch Sebastian sich zeitweise zählt) ermüdend und wollte das Buch nur noch zu Ende lesen. Gestört hat mich auch, dass Sebastians Ansichten so authentisch wirken, dass man glauben könnte, sie gäben die Meinung des Autors wieder - wenn man nicht wüsste, dass das Buch von Karen Duve ist und sie genau diese Ansichten anprangert. Was eben nicht wirklich gelingt. Es kommen beide Seiten, Männer wie Frauen, schlecht weg. Die regierenden Frauen werden z.B. am Ende des Buches als gefühlsduseliger Hühnerhaufen dargestellt. Also was nun, Frau Duve? Frauen an die Macht oder doch lieber zum Spitzbubenbacken an den Herd? Und bei der Nutzung von Ephebo scheinen sich beide Geschlechter einig zu sein. Lieber in wenigen Jahren an Krebs sterben, als mit Würde zu altern. Die wenigen Echt-Alten sind Ausnahmen und werden als "eklig" bezeichnet bzw. als zu arm, um sich die Wunderpille leisten zu können. 

Das Buch hat viele gute Ansätze. Zum Beispiel gefallen mir die Überlegungen zum Thema Macht an der Stelle, wo es um die großen Konzerne geht, die den Menschen des Jahres 2031 den Schlamassel eingebrockt haben. Doch dann verliert sich die Story wieder in Sebastians Keller und der Rangelei um die Macht zwischen Mann und Frau bzw. zwischen ihm und Christine. 

Die Bedeutung des Cover erschließt sich erst beim Lesen des Buches. Dann passt es. Trotzdem halte ich diese Herangehensweise für falsch. Ein Cover soll Neugierde wecken und das tut es nicht.

Es ist für mich das erste Buch von Karen Duve, das ich gelesen habe. Im Bücherregal wartet noch "Anständig essen" - kein Roman, sondern die Beschreibung eines Selbstversuchs. Das werde ich demnächst gern lesen. "Macht" als Mix aus Roman und warnendem Sachbuch hat mich nicht überzeugt.

Fazit: Ich schwankte zwischen 2 und 3 Sternen. 3 wären des Guten zu viel. Also leider nur 2**.

Das Buch ist als Hardcover mit Schutzumschlag im Verlag Galiani Berlin erschienen, hat 416 Seiten und kostet 21,99 Euro. Das E-Book ist für 18,99 Euro erhältlich.