In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

Donnerstag, 6. August 2015

"Mythos Hund" von Karin Joachim

Der Untertitel dieses Buches lautet "Irrtümer rund um Wölfe, Dominanz & Co." Und da liegt, um es mit einem passenden Wortspiel auszudrücken, der Hund begraben. ;-) Was gibt es nicht alles für Sprüche, Märchen und Halbwahrheiten über den besten Freund des Menschen. Meist wird dabei vergessen, dass jeder Hund, auch der kleine Fiffy von nebenan, stolze Wölfe in seiner Ahnenreihe hat. Nur all zu oft dichten wir unseren Haustieren menschliche Eigenschaften an oder wiederholen -zigmal gehörte Sprüche aus dem Volksmund, die nicht wahrer werden.

"Hunde, die bellen beißen nicht." oder "Der tut nichts, wirklich." führen im Extremfall zu einem entsetzten "Das hat er ja noch nie gemacht!" Ist es unsere eigene Bequemlichkeit, die uns davon abhält, zu des Pudels Kern vorzudringen? Man könnte sich ja genauer informieren, Wissen aneignen, statt alte Sprüche wiederzukauen.

Karin Joachim räumt auf mit überholten Weisheiten und Vorurteilen. Sie zeigt, dass Hunde zwar durchaus Gefühle haben und kommunizieren, aber eben anders als wir Menschen und oft auch anders, als wir denken. Bellen beispielsweise ist nicht einfach nur Bellen. Es gibt viele verschiedene Varianten, die meist der Kommunikation mit uns Menschen dienen. Wir müssen nur genau hinhören und lernen, zu unterscheiden.

Auch in der Hundeerziehung kann Mensch viel falsch machen. Ich gebe es zu, ein bisschen hat mich beim Lesen des Buches mein Gewissen geplagt. In den zehn Jahren, die meine Deutsch Drahthaar Dame Rika schon zur Familie gehört, habe ich sicher vieles nicht richtig gemacht, trotz bester Absichten. Doch auch da ist Karin Joachims Buch ein Trost - es ist nie zu spät, seinen Hund besser zu verstehen. Probiert es aus! Selbst Rika liest schon fleißig in dem Buch und wird wohl künftig ihr "Ich-weiß-es-aber-besser-als-Frauchen-Bellen" anstimmen, wenn ich wieder einmal mit meiner Meinung danebenliege. ;-)




Fazit: Ein empfehlenswertes Büchlein für jeden Hundehalter, der seinen vierbeinigen Freund besser verstehen möchte. Im kompakten Taschenbuchformat bietet es auf 128 Seiten viel Wissenswertes und passt in jede Handtasche. Kleine Illustrationen lockern den Text auf, ein ausführliches Register sorgt für Übersichtlichkeit und schnelle Auffindbarkeit bestimmter Themen. Zwei Seiten voller Tipps zu weiterführende Literatur und passenden Websites im Internet runden das Angebot ab. Nur lesen müsst Ihr selbst. ;-) 5*****

"Mythos Hund - Irrtümer rund um Wölfe, Dominanz & Co" von Karin Joachim könnt Ihr in jeder guten Buchhandlung kaufen bzw. bestellen. Das Buch hat die ISBN 978-3-8001-8393-7, ist im Ulmer Verlag erschienen und kostet 12,90 € in Deutschland bzw. 13,90 € in Österreich. Als E-Book bekommt Ihr es schon für 9,99 €.

Freitag, 17. Juli 2015

"chillen, killen, campen" von Regine Kölpin (Herausgeber)

Eine Anthologie mit Kurzgeschichten verschiedener Autoren hat immer ein bisschen was von einem Buffet: Du musst nicht alles mögen, aber Du kannst Dich nach Herzenslust bedienen. "chillen, killen, campen" bietet den Vorteil, dass eine grundlegende Geschmacksrichtung des Buffets vorgegeben ist. Ich nenne diese mal ziemlich fleischlastig, gut gewürzt mit einer Prise schwarzen Humors, dazwischen ein paar besinnliche Häppchen und alles wunderhübsch angerichtet im sonnenlichtdurchfluteten Vorzelt eines Dauercamperwohnwagens mit Blumenkästen vor den Fenstern und Sat-Schüssel auf dem Dach.

Ich habe alle Häppchen probiert bzw. alle Geschichten gelesen. Nicht alle haben mir gleich gut gefallen. Doch die Mischung war beste Unterhaltung, ein bisschen Urlaubsfeeling und der Traum vom nächsten Campingausflug. 
Die 29 Autoren servieren uns sympathische und abgebrühte Mörder, bedauernswerte Opfer und solche, die es verdient haben, dahinzuscheiden. Der Leser wird zum stillen Beobachter des kriminellen Geschehens in Zweimannzelten und in Luxuscaravans und darf sich dabei gemütlich in seinen Lesesessel oder Liegestuhl kuscheln, ohne Ohrenkneifer, Glasscherben oder explodierende Propangaskocher fürchten zu müssen.  

Für mich ist dieses Buch die perfekte Urlaubslektüre. Die Geschichten sind kurz genug, um am Pool, am Strand oder vor dem Einschlafen noch schnell eine zu lesen. Und fix noch eine zweite hinterher. Und noch eine ... ohne dass es langweilig wird. Erstaunlich die Vielfalt dessen, was den Autoren zu "chillen, killen, campen" eingefallen ist. Selbst Tiere und Campingutensilien kommen zu Wort. 

Einziger Kritikpunkt ist das Lektorat. Wahrscheinlich gibt es keine 100% fehlerfreien Bücher. Aber gerade in Zeiten, in denen Selfpublishern fehlendes Lektorat vorgeworfen wird, erwarte ich von einem Verlagsbuch ein gründliches Lektorat und keine so auffälligen Fehler wie die, über die ich stolperte. Da ließe sich bei der zweiten Auflage nachbessern. 

Alles in allem ein Buch, das ich sehr gern gelesen habe und unbedingt für Euren Urlaubskoffer weiterempfehlen kann. Das Lesezeichen in Form eines blutigen Messers ist eine nette Dreingabe, mit der Ihr Spaß haben könnt, wenn andere Euch beim Lesen zusehen. Hier vergebe ich gern fünf Sterne und hoffe auf Band 3 der Camping Kurzkrimis. ;-) 



Ein mörderisches Buffet auf dem Campingplatz ;-) 

Dieses Buch durfte ich im Rahmen der Leserund bei lovelybooks.de lesen. Wenn Ihr mehr über meine Meinung und die anderer Leser zu den den einzelnen Geschichten erfahren wollt, schaut doch einfach mal in die Leserunde rein. --> Leserunde zu "chillen, killen, campen" bei Lovelybooks

Donnerstag, 13. November 2014

"Gesucht: Traummann mit Ente" von Alice Golding

Alice Golding ist das Pseudonym von Ivonne Keller, unter dem sie "intelligentes ChickLit" schreibt. Ich durfte Ivonne im letzten Jahr auf der Frankfurter Buchmesse kennenlernen. Sie ist nicht nur eine super sympathische hübsche Frau, sondern auch eine sehr gute Schriftstellerin. Ihr Buch "Hirngespenster" habe ich Euch bereits 2013 empfohlen. Inzwischen ist es auch als Taschenbuch erhältlich, z.B. bei amazon oder in der Galerie Kaufhof. Doch nun weg von den Hirngespenstern und hin zum Traummann mit Ente.

Das Cover finde ich wunderschön!!!

Valerie kommt eines Tages auf die Idee, einen Roman zu schreiben. Über ihre naive Herangehensweise ans Bücherschreiben habe ich mich köstlich amüsiert. Ein bisschen fand ich mich selbst in dieser Valerie wieder, denn ähnlich blauäugig fing ich auch mit dem Schreiben an. Nur habe ich nicht gleich dem Mann, in dem ich mich verguckt hatte, großspurig erzählt, ich sei Schriftstellerin und hätte schon diverse Werke unter Pseudonym veröffentlicht. Diese "klitzekleine" Lüge von Valerie zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und bringt sie immer wieder in komische Situationen, zumindest aus Sicht des Lesers. Manchmal habe ich wirklich schallend gelacht. Für Valerie reiht sich eher eine Katastrophe an die nächste, dabei möchte sie doch nur ihrem Traummann näher kommen, den sie nicht nur wegen seiner Ente so liebenswert findet. 

Alice Golding beschreibt ihre Figuren mit einem humorvollen Blick aufs Wesentliche. Dass diese dabei gern Klischees bedienen, ist liebenswert genretypisch und sorgt für zusätzliche Heiterkeit. Die Nachbarin mit Wurzeln und Akzent vom Balkan, die KEINE Psychiaterin ist. Die Öko-Schreibgruppe, die sich im Schneckentempo der Fertigstellung ihrer ersten Werke nähert. Valeries nervende, dauernörgelnde Mutter oder die strahlend schöne, blutjunge Kim, die scheinbar jeden Mann haben kann. Schön, dass fast alle Klischees (bis auf das der Schreibgruppe, wenn ich mich richtig erinnere) im Laufe der Story aufgebrochen werden. Es gibt eben doch noch andere Seiten, bei fast jeder Figur.

Gefreut hat mich, dass die angehende Schriftstellerin Valerie dann doch keinen "Platzhalter-Roman" auf die Leserschaft losließ. DAS hätte ich ihr nämlich nicht verziehen. So aber freue ich mich SEHR auf die fürs nächste Jahr angekündigte Fortsetzung und sage DANKE, liebe Alice ;-) für ein beschwingtes Lesewochenende.

Das E-Book erhaltet Ihr für 2,99 €, das Taschenbuch für 9,90 € bei amazon --> "Gesucht: Traummann mit Ente" von Alice Golding 

Und hier kommt noch ein besonderes "Leckerli":
Unter allen, die hier im Blog unter diesem Beitrag kommentieren, verlose ich eine wunderschöne Postkarte vom Traummann mit Ente mit persönlichen Grüßen von mir. Na, wem darf ich schreiben? 

Montag, 3. November 2014

Exploration Capri Teil 3 "Zerstörung" von Christian Klemkow

Teil 3 der SciFi-Saga "Exploration Capri" beginnt genau da, wo uns der zweite Teil mit einem Cliffhanger zurückgelassen hatte. Exploration Capri, Teil 2 "Verschollen" Die Situation scheint hoffnungslos. Die Erde, die anderen Planeten, ja selbst die Sonne - alle sind schwer beschädigt. Die Erde ist von einem Eispanzer überzogen, der sogar die Ozeane gefrieren ließ. Die hart erkämpfte Rückkehr nach Hause hat sich überlebende Teil der Explorer-Crew anders vorgestellt. 

Mir gefällt, wie der Autor es schafft, seine Helden immer wieder in scheinbar ausweglose Situationen zu bringen und dann doch ein Fünkchen Hoffnung aufblitzen zu lassen. Christian Klemkow erschafft eine komplett neue Welt, lüftet Geheimnisse, die tief im Inneren der Erde oder des Mondes verborgen sein könnten und erzählt mit logischer Konsequenz, wie es (rückblickend aus der fernen Zukunft) zu der Katastrophe im Sonnensystem kam, der scheinbar alles Leben zum Opfer fiel. Die einzelnen Mitglieder der Crew ergeben zusammen ein buntes Spektrum menschlicher Verhaltensweisen und bleiben dabei im Großen und Ganzen ihren Rollen, die sie bereits in Teil 1 und 2 innehatten, treu. Es gibt keine Superhelden und keine Superschurken, sondern nur Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen. Die Einen wachsen sie über sich hinaus, andere müssen sich geschlagen geben. Der alles vergessen machende Kryoschlaf scheint selbst aus Sicht des Lesers eine verlockende Alternative zur grausamen Realität darzustellen. Doch wie die wahren Helden der Geschichte wollte ich beim Lesen die Hoffnung nicht aufgeben, glaubte an die Möglichkeit der Rettung, so unwahrscheinlich sie auch schien. Die Handlung nahm mich so gefangen, dass auch ich auf meinen Schlaf (nicht Kryoschlaf ;-) ) verzichtete, um zu erfahren, wie es weitergeht. Viele Szenen sind auch hier wieder filmreif beschrieben und man kann nicht anders, als atemlos mitzufiebern.


Wie Teil 3 ausgeht, werde ich natürlich nicht verraten. Nur so viel: Ich freue mich wahnsinnig auf Teil 4! Und auf die Veröffentlichung des Printbuchs von "Exploration Capri", damit die SciFi-Reihe im Regal vollständig wird: Asimov und Snegow, dazwischen Klemkow ... ;-)

Teil 1 gibt es momantan zum Sonderpreis von 0,99 € als E-Book - zum risikolosen Reinlesen ;-)
Teil 2 kostet regulär 3,99 €
Teil 3 ist ebenfalls für 3,99 € erhältlich. --> Exploration Capri, Teil 3 "Zerstörung"




Dienstag, 30. September 2014

Bernhard Hoëcker "Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers"

Das Buch trägt den Untertitel "Mit Gëocaching zurück zur Natur". Wäre es nicht von einem Comedian geschrieben worden, könnte man einen mit erhobenem Zeigefinger daherkommenden Ratgeber vermuten. Tatsächlich ist es ein sehr witziges Buch, in dem der Autor von seinen ersten Erfahrungen als Geocacher erzählt - auf typische Comedy-Art eben. Anfängerfehler, die mir genauso passiert sind und über die ich mich wahnsinnig geärgert habe, entlockten mir hier ein Schmunzeln. Ich merkte, ich bin nicht die Einzige, die wie Pik7 durch den Wald getapst ist und den Cache vor lauter Bäumen nicht gesehen hat. Oder wichtiges Equipment im Auto liegen ließ, den Stift im Wald verlor usw. Oder die anderen auf die Nerven geht, weil Muggel nur begrenztes Verständnis dafür haben, dass erwachsene Menschen in vermoderten Baumstümpfen, unter Steinen oder in Felsspalten nach Tupperdosen suchen. 

Ich empfehle das Buch allen, die selbst Geocacher sind - zum Nicken und sagen "hihi, so ging es mir auch". Wer selbst Muggel ist, aber aktive Geocacher kennt und sich von deren Eigenheiten genervt fühlt, sollte das Buch lieber nicht lesen, denn er könnte plötzlich Verständnis aufbringen und - ACHTUNG - von diesem Virus angesteckt werden und demnächst selbst mit einem GPS-Gerät durch die Welt laufen. ;-) 


Ich gebe zu, ich mag die Sprache des Autors. Schachtelsätze, an denen andere Rezensenten sich gestört haben, entlocken mir ein Lächeln, weil ich dann immer das verschmitzte Gesicht des Comedians vor mir sehe. 

Einziges Manko des Buches ist die fehlende Angabe der Codes bei den beschriebenen Caches und ein übersichtliches Verzeichnis. Man bekommt beim Lesen schon Lust, einige davon selbst aufzusuchen ... Allerdings verstehe ich, dass die Caches lieber geheim gehalten werden, wenn man auf der Geocaching-Website zum Beispiel bei "Schlumpfenland" so etwas lesen muss:

"Liebe Leser des Buchs "Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers",
an dieser Stelle befand sich einst der Cache "Schlumpfenland" genau so, wie er in Bernhards Buch abgedruckt ist. Knapp über ein Jahr lang war er zu finden. Gelegt wurde er, wie ihr wisst, extra für das Buch. Leider begannen nach Veröffentlichung desselben die Probleme. Der Cache wurde immer wieder Opfer sinnloser Zerstörungswut. Die Wartung des Caches ähnelte bald einer Sisyphosarbeit. Kaum hatte man etwas repariert, da wurde es auch schon wieder zerdeppert. Also im Grunde ein sinnloses Unterfangen. Bernhard hat verständlicherweise nicht die Zeit sich um den Cache zu kümmern, weshalb ich das übernommen habe (wie im Buch beschrieben) ..."

Das Buch gibt es als Taschenbuch und als E-Book jeweils für 9,99 €. Logisch, dass ich mir das Taschenbuch geholt habe, oder? ;-)

--> Bernhard Hoëcker "Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers"

Fazit: 5*****

"Hexendreimaldrei" von Claudia Toman

Olivia begegnet auf der Hochzeit des Mannes, den sie eigentlich heiraten wollte, aber nicht bekommen hat, einem "Feerich" und darf einen Wunsch äußern. Prompt platzt die Hochzeit, denn der Prinz ist plötzlich ein kleiner grüner Frosch ... 

Claudia Tomans Märchen vom Froschkönig, frei interpretiert und in die heutige Zeit verlegt, sprüht vor witzigen Ideen. Der Shakespeare-Pakt zum Beispiel täte mir auch gut. ;-) 



Auf zwei zeitlichen Ebenen erfahren wir abwechselnd, was Olivia in der Gegenwart unternimmt, um ihren unbedacht geäußerten Wunsch wieder rückgängig zu machen und wie sie in der Vergangenheit ihren Prinzen kennengelernt hat. Absicht oder Zufall - ich sah bei der Beschreibung des Prinzen immer Philipp B. vor mir, besonders in der Schafwollweste ;-) Olivias Kampf um die Rückverwandlung ihres Prinzen und wie sie sich dabei mit der europäischen Hexen-Vereinigung anlegt, ist der abenteuerliche Teil der Geschichte. Die Rückblenden auf die Begegnungen mit dem "Prinzen" sind eher etwas fürs Herz. Beides gefiel mir. Schön gelöst auch die Übergänge von Kapitel zu Kapitel. Der erste Satz des neuen Kapitels scheint an den letzten des vorangegangenen anzuschließen, obwohl es eine andere zeitlich Ebene ist. 

Ich mag Claudias Art zu erzählen. Sie ist so bunt, mit einer poetischen, magischen Sicht auf die kleinen Dinge. Fast könnte man glauben, alles hätte sich wirklich so zugetragen - so logisch sind die Ereignisse erzählt, in denen auch die Brüder Grimm, die "echte Froschkönigsprinzessin", Goethes Faust und Shakespeare eine Rolle spielen.

Fazit:  5***** :-)

"Hexendreimaldrei" ist der erste Teil einer Trilogie. Teil 2 "Jagdzeit" und Teil 3 "Goldprinz" stehen nun auch auf meiner Wunschliste! 

Die Bücher sind jeweils als e-Book für 4,99 € und als Taschenbuch für 7,99 bis 9,99 € erhältlich, z.B. hier:
--> Claudia Toman Hexendreimaldrei, Jagdzeit und Goldprinz

Dienstag, 2. September 2014

"Königstöchter" von Carla Berling

Nachdem mir "Sonntags Tod" bereits sehr gut gefallen hatte, MUSSTE ich den zweiten Ira-Wittekind-Krimi unbedingt lesen. Es ging gleich heftig los - so einen Tod wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Liebe Carla Berling, wie kommt man auf eine solche Idee? Manchmal ist automatisches Kopfkino etwas, das ich lieber abschalten würde. Die Handlung entwickelt sich krimitypisch. Erste Verdächtigungen fallen, noch jemand stirbt. Und mittendrin Ira Wittekind, die eigentlich für ihre Zeitung nur die Geschichte hinter den Schlagzeilen sucht. Man merkt beim Lesen, dass die Autorin selbst jahrelang für Zeitungen recherchiert und berichtet hat. Ira Wittekind wirkt einerseits routiniert, kennt sich aus. Anderseits fällt es ihr schwer, sich von den grausamen Ereignissen zu distanzieren, denen sie nach und nach auf die Spur kommt. Das macht die Protagonistin so sympathisch. Ich selbst habe mich eins ums andere Mal geschüttelt. Wie abartig und krank können Menschen doch sein! Gut, dass die Autorin uns Details erspart. Es ist auch so schlimm genug.

Gefallen hat mir, dass alte Bekannte aus dem ersten Teil wieder in Erscheinung traten. Andy, die beiden alten Tanten und die Königspudeldame. Iras Mutter bleibt eine Karikatur, würde meiner Meinung nach besser in "Jesses Maria" passen. Ich finde sie ein wenig überzeichnet, zu negativ. Aber solche Menschen soll es ja geben. Die Polizei agiert diesmal für meine Begriffe ein wenig zu unauffällig im Hintergrund. Wenigstens eine kleine "klischeehafte" Reiberei zwischen Presse und Kripo hätte ich mir gewünscht.

Aber all das ist "Jammern auf hohem Niveau". Der Krimi ist gut durchkonstruiert, es wird Spannung aufgebaut und gehalten. Bis zum Schluss tappte ich im Dunkeln, wer die Morde begangen haben könnte. Die Lösung ist für mich nur teilweise logisch, weil meiner Meinung nach die Mittel, also die Morde und das damit einhergehende Leid für die Hinterbliebenen in keinem Verhältnis zu einer rein theoretischen Gefahr stehen. (Ich hoffe, ich habe das jetzt spoilerfrei verschlüsselt formuliert) 

Was mich gefühlsmäßig wirklich stört, ist der Widerspruch zwischen realer Welt (Bad Oeynhausen) und fiktiver Handlung, die dieser realen Welt angedichtet wird. Auch wenn im Vorwort des Buches betont wird, dass die Handlung, das Palais im Park und selbst Hof Eskendor frei erfunden sind, bleibt für mich ein schaler Nachgeschmack zurück. Dass die Innenstadt damals evakuiert und zum Sperrgebiet erklärt wurde, ist Wirklichkeit. Der Gedanke drängt sich auf: "Wer weiß, ob da nicht wirklich auch, in einer Villa ... " und damit auch ein leiser Verdacht gegen damals angesehene Bürger. 

Ich vergebe 4 von 5 Sternen und bedanke mich für das wochenendliche Lesevergnügen. Meine Kritik ist sicher auch der eigenen Lernbereitschaft geschuldet. Früher habe ich unkritischer gelesen, heute stoße ich mich wahrscheinlich an Details, die sonst kaum jemand als störend empfindet. Auf jeden Fall freue mich auf weitere Ira-Wittekind-Krimis.

Update Juli 2018 - "Königstöchter" von Carl Berling hat inzwischen einen neuen Verlag (HEYNE) gefunden und damit auch ein neues Cover bekommen. "Königstöchter" gibt es als E-Book für 9,99 €. Das Taschenbuch kostet ebenfalls 9,99 €. Beide Ausgaben gibt es hier:
--> "Königstöchter" von Carla Berling