In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

Montag, 19. November 2018

"Winter im Wichtelwald" von Outi Kaden

Ein wundervolles Buch. Die winterliche Natur mit den Tieren, die auch ganz kleine Kinder schon wiedererkennen, wirkt wie verzaubert durch den bunten Wichtel und den Käfer, die dort umher streifen. Die Reime können gut vorgelesen werden. Durch die stabile Pappe kann das Buch auch von den ganz Kleinen schon in die Hand genommen werden, ohne dass es Schaden nimmt.
Gerade durch die Ruhe, die das Buch mit seinen winterlichen Bildern ausstrahlt, kann das Kind sich auf das Wesentliche konzentrieren. Kleine Kinder wollen keine bunte, wirbelnde Daueraktion. Sie wollen eine Langsamkeit, in der sie Schritt halten und ihre Welt begreifen können. Dafür ist dieses Buch perfekt geeignet. Der angemessene Preis macht es zu einem schönen Mitbringsel.


Das Pappbilderbuch für Kinder ab 2 Jahre ist im arsEdition Verlag erschienen, hat 16 Seiten und kostet 8 Euro. 



Samstag, 17. November 2018

"Coco Chanel - Paris der 1920er und das bewegte Leben einer Modeikone" von Nadine Sieger

Coco Chanel war eine Frau, die wie keine andere die Mode beeinflusst hat und es auch Jahre nach ihrem Tod immer noch tut. Das „kleine Schwarze“ und Chanel N°5 scheinen unsterblich zu sein. Oder, wie Coco selbst sagte: „Mode ist vergänglich. Stil niemals.“

Die Romanbiografie von Nadine Sieger liest sich spannend wie ein Roman und ist dennoch so informativ wie eine Biografie. Wir lernen eine die blutjunge Gabrielle Chanel kennen, die versuchte, ihrem armseligen Leben zu entkommen, indem sie gemeinsam mit ihrer Tante in Pariser Lokalen als Pausenfüller auftrat. Gratis. Aber nicht umsonst. Denn aus der Zeit stammt der Spitzname „Coco“, der zum Markenzeichen wurde. Und Coco lernte schnell, dass reiche Männer nicht nur ein angenehmes Leben ermöglichten, sondern auch die Verwirklichung ihrer eigenen kreativen Ziele. Mit einem angeborenen Talent für Stil und Schönheit konnte Coco es nicht mitansehen, wie die Frauen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts sich über und über in Rüschen und schweren Plunder kleideten. Unbequem und unpraktisch fand Coco diese (Ver-)Kleidung. Sie selbst bevorzugte schon lange männliche Kleidungsstücke, z.B. beim Reiten. 

Was heute so banal klingt, kam damals einer Revolution gleich. Zitat aus dem Buch: „Coco verkauft den Frauen nicht nur Kleidung, sondern eine ganz neue Weltanschauung. Ein emanzipiertes Frauenbild: frei, furchtlos, uneingeschränkt und kess.“ Coco verkauft diesen Stil nicht nur, sie lebt ihn. Selbst aus Skeptikern werden schnell Bewunderer und alle Frauen wollen so aussehen wie Coco. Trotz des bald weltweiten Erfolgs ihrer Kollektionen bleibt Coco eine widersprüchliche Figur. Stark nach außen und doch unheimlich verletzlich. Ihre Ängste und ihre innere Einsamkeit betäubte sie mit Morphium und rauschenden Festen. All die vielen Männer in ihrem Leben zeigten zwei Eigenschaften von ihr. Zum Einen liebte sie es, die Starke zu sein, ihren Reichtum zu nutzen, um arme und von ihr geliebte Künstler zu fördern. Zum Anderen war Coco am Boden zerstört, wenn eine Beziehung vom Schicksal oder vom geliebten Mann beendet wurde. Auch ihr Verhältnis zu den Nazis während des Zweiten Weltkrieges ist nicht frei von Ungereimtheiten. Apropos Ungereimtheiten: Catherine Deneuve wurde 1943 geboren. Und dann schaute sie tatsächlich 1954 wieder regelmäßig in der Maison Chanel vorbei? Mit 11 Jahren? (S. 261) Diese Dame wurde wohl erst ein paar Jahre später Chanel-Kundin. Das war allerdings auch das einzige Stolpersteinchen in der ansonsten sehr gut recherchierten Romanbiografie. Interessant auch, mit welchen Prominenten Coco verkehrte. 

Alles in allem bleibt Coco für mich eine faszinierende Frau, von der wir auch heute noch viel lernen können. Sei Du selbst, finde Deinen Stil. Ich habe nach der Lektüre zum ersten Mal in meinem Leben Chanel N°5 ausprobiert. Der Duft ist wirklich etwas Besonderes. Es ist ja bald Weihnachten ...


Fazit: Spannende und interessante Romanbiografie einer faszinierenden Frau. 5*****

Das Hardcover hat 272 Seiten, ist im HERDER Verlag erschienen und kostet 22 Euro. Das E-Book ist für 16,99 Euro erhältlich. 


Freitag, 16. November 2018

"Warum fallen Wolken nicht vom Himmel?" von Gábor Paál

Ein Buch für neugierige Menschen, denen die Warum-Fragerei in der Kindheit nicht abtrainiert wurde. Der Autor geht sowohl in seiner Radiosendung als auch online jeder Hörerfrage auf den Grund. Die spannendsten Fragen und Diskussionen sind in diesem Buch zusammengefasst. Zum darin blättern, staunen, sich überraschen lassen. 

Thematisch geordnet nach Weltraum, Erde, Pflanzen und Tiere, Mensch, Geschichte, Essen und dem fast unfassbaren Wesen der Dinge, sowie Gerüchte und Geraune steigert sich das Buch tatsächlich fast vom Urknall bis hin zur Majestätsbeleidigung der Queen von England und den mysteriösen 90 Prozent unseres Hirns, die wie angeblich nicht nutzen. Schon, um dieses letzte Gerücht zu entkräften, sollten wir weiterhin schön neugierig bleiben. Stimmt diese Aussage denn überhaupt? Das Buch verrät es.

Mir gefällt, dass der Autor Wissen vermittelt, ohne belehrend zu wirken. In kurzen Kapiteln von durchschnittlich einer Seite pro Antwort, beantwortet er die Fragen leicht verständlich und mit einer Menge interessanter Fakten. Manches hat man vielleicht schon irgendwann einmal gehört, gelesen ... und wieder vergessen. Warum erforschen wir den Mars, obwohl die Venus viel dichter an der Erde dran ist? Sollten Kinder Kuhmilch trinken? Erst recht, wenn die Milch gar Morphium enthält? Fragen über Fragen, und keine bleibt unbeantwortet. Dabei bleibt der Autor sachlich, er polarisiert nicht, nennt ganz diplomatisch nur die Fakten. Die Antwort auf die Kinder-und-Milch-Frage können sowohl Veganer als auch Milchfans für sich verwerten. 

Ohrwürmern, Tomaten im Kühlschrank, die Wärme im Gotthardtunnel, Schlafwandeln ... All das diese Themen werfen im Alltag Fragen auf, über die wir meist gar nicht nachdenken. Warum ist das so? Das beantwortet dieses Buch. Neben der lehrreichen Unterhaltung habe ich aus der Lektüre eins mitgenommen: Die Lust, künftig viel öfter zu fragen: „Warum ist das so?“ Vielen Dank dafür, Gábor Paál! 


Fazit: Lehrreich, unterhaltsam und Lust auf weitere „Warum?“ weckend. 5*****

Das Taschenbuch ist im HIRZEL Verlag erschienen, hat 268 Seiten und kostet 19,80 Euro. Das E-Book ist zum selben Preis erhältlich.


Montag, 29. Oktober 2018

"Teufelsweiber" von Carina Heer

Der Ansatz dieses Buches ist löblich. Carina Heer möchte anhand 100 ausgewählter „Teufelsweiber“ beweisen, dass Frauen keinesfalls das schwache Geschlecht sind, sondern durchaus in der Lage, die Welt auf den Kopf zu stellen. Bei gut 300 Seiten haben wir pro vorgestellter Frau drei Seiten lang Gelegenheit, ihre spezielle Geschichte zu lesen, uns von der Autorin überzeugen zu lassen, warum gerade dieses Weib des Teufels sei und zu den 100 Auserwählten dieses Buches zählt. 

Von der biblischen badenden Susanna bis zu Malala Yousafzai entfaltet die Autorin einen bunten Fächer ausgewöhnlicher Frauenschicksale. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die gerade diese Frau in die Geschichte eingehen ließen. Die badende Susanna wurde zum Sinnbild der keuschen Unschuld, der niemand Glauben schenkte, außer dem Propheten Daniel. Die Parallelen zu heutigen Vorwürfen, missbrauchte Frauen trügen zumindest eine Mitschuld, sind unverkennbar. Malala Yousafzai ist die mit Abstand jüngste Friedensnobelpreisträgerin der Geschichte. Sie wollte nur zur Schule gehen, obwohl die Taliban ihr und allen anderen Mädchen dieses Recht verwehrten. Zwei bewegende Schicksale, die für mich eines gemeinsam haben - der Oberbegriff „Teufelsweiber“ passt für beide nicht, ist unglücklich gewählt als Titel dieses Buches.  

Kaiserin, Politikerin, Bankräuberin, Piratin, Widerstandskämpferin, Mathematikerin, Terroristin, Päpstin, Spionin ... Frauen können alles sein. Das beweist dieses Buch und dafür mag ich es. Kurzweilig und unterhaltend ist es allemal. Drei Seiten lese ich gern mal eben zwischendurch und fühle sich danach mit der Geschlechtsgenossin verbunden oder auch nicht. 

Über die Auswahl bzw. Nichtauswahl bedeutender weiblicher Persönlichkeiten will ich nicht diskutieren. Selbst wenn Carina Heer tausend Schicksale beschrieben hätte, wäre das Bild “der Frauen“ immer noch unvollständig. Was mich wirklich stört, ist der ungeordnete Aufbau des Buches. Es gibt keinen roten Faden. Keine zeitliche Reihenfolge, ja nicht einmal ein alphabetisches Register. Um herauszufinden, ob beispielsweise Nina Hagen oder Marie Courie in diesem Werk Platz gefunden haben, muss man schon das komplette Inhaltsverzeichnis aufmerksam durchgehen. Es ist übrigens nur eine der beiden darin zu finden. Die von mir sehr geschätzte Coco Chanel hat es auch in dieses Buch geschafft. Allerdings nur auf einen Satz reduziert und als schlechtes Beispiel in der vorangestellten Zitatensammlung „Über Frauen“. Schade. Aber auch symptomatisch für das Gefühl, das dieses Buch bei mir hinterlässt. Tolle Idee, Umsetzung weniger geglückt. 


Fazit: Historische und aktuelle Schicksale außergewöhnlicher Frauen gut recherchiert und kurzweilig aufbereitet. Leider auch chaotisch, ohne Register und zeitliche Ordnung. 3***

Das Buch ist im Benevento Verlag erschienen. Das Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen hat 344 Seiten und kostet 24 Euro. Das E-Book ist für 18,99 Euro erhältlich. 



Donnerstag, 27. September 2018

"Die Optimierer" von Theresa Hannig

Theresa Hannings Erstlingswerk wurde 2016 mit dem Stefan-Lübbe-Preis ausgezeichnet. "Der intelligente und mitreißende Gesellschaftsentwurf eines zukünftigen Deutschlands." (Auszug aus der Begründung der Jury)

Deutschland ist im Jahr 2052 Teil der Bundesrepublik Europa (BEU), die sich nach außen durch hohe Grenzzäune vom Rest der Welt abgeschottet hat. Denn hier, in der BEU, leben die Menschen fast wie im Paradies. Der offizielle Gruß lautet „Jeder an seinem Platz“ und erinnert stark an These des Kommunismus „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“ Dass jeder in der BEU einen Platz findet, der seinen Fähigkeiten entspricht, dafür sorgen sogenannte Lebensberater. Samuel Freitag ist einer von ihnen. Er ist überzeugt davon, in der optimalen Gesellschaftsform zu leben, sammelt fleißig Sozialpunkte, freut sich auf seine bevorstehende Beförderung und darauf, seiner langjährigen Freundin Melanie einen Heiratsantrag zu machen. Um das System der Optimalökonomie weiter zu perfektionieren, schreibt Samuel regelmäßig Korrekturvermerke, die ihm weitere zusätzliche Sozialpunkte einbringen. Die Beschreibung dieser zukünftigen Gesellschaft überzeugt zunächst. Den Menschen geht es gut, sie laufend lächelnd durchs Leben. Es gibt keine Massentierhaltung mehr und kaum noch Umweltverschmutzung. Roboter verrichten niedere Arbeiten, sorgen für Sicherheit auf den Straßen und in den Häusern. Kriminalität ist fast nicht mehr vorhanden, die Menschen nutzen eine sehr viel weiter entwickelte digitale Technik. Doch zwischen den Zeilen kommen erste Zweifel auf, weil Parallelen zur heutigen Gesellschaft erkennbar sind. Alles wird aufgezeichnet und gespeichert. Der Rundum-Überwachung ist fast nicht zu entkommen. Offiziell natürlich zum Wohle der Menschen. 

Eines Tages gerät Samuels Lebenstraum ins Wanken. Ein kleines Missverständnis, denkt er, als ihm einige Sozialpunkte abgezogen werden und seine Beförderung in die Ferne rückt. Plötzlich läuft es auf allen Ebenen gewaltig schief für ihn, und er muss erkennen, dass er sich in einer Abwärtsspirale befindet. Wir beobachten Samuels Begegnungen mit Menschen, die dem System kritisch gegenüberstehen, u.a. auch seine Eltern. Trotzdem glaubt er weiter an das System, sucht nach Ursachen und Schuldigen. Im letzten Drittel verändern sich Charakter und Geschwindigkeit der Handlung. Das Ende der Geschichte will logisch erscheinen, kam mir aber doch etwas zu weit hergeholt vor. 


Fazit: Zukunftsvision mit starken Parallelen zur Gegenwart. Lesenswert. 4****

Das Taschenbuch ist bei Bastei Lübbe erschienen, hat 304 Seiten und kostet 10 Euro. Das E-Book ist für 8,99 Euro erhältlich, das Hörbuch für 13,92 Euro.


Montag, 24. September 2018

"Der Hund, der eine Grube gräbt" von Carine Bernard

Katja Maus ist ein zauberhafter Name für eine Tierärztin. Und so geht es im neuesten Krimi von Carine Bernard trotz Leiche und Mördersuche auch eher nett zu. „Der Hund, der eine Grube gräbt“ ist ein echter Cosy-Krimi. Zwar hat jemand versucht, den Hund ihrer Freundin zu vergiften und kurz darauf liegt in deren Garten sogar eine menschliche Leiche. Aber Gewalt steht in diesem Buch nicht im Vordergrund. Wir begleiten die neugierige Tierärztin, deren Wege sich immer wieder mit der im Mordfall ermittelnden Polizei kreuzen, bei ihren eigenen Nachforschungen. Dabei geht es Katja Blum hauptsächlich um das Wohl der in diesen Fall ebenfalls involvierten Tiere. Wir lernen eine Katze, einen liebenswerten Schutzhund, ein trächtiges Pferd und viele weitere Tiere kennen. 

Der Schreibstil ist, wie von Carine Bernard gewohnt, angenehm und flüssig zu lesen. Viele Dialoge lassen die Szenen lebendig wirken. 

Mir hat sehr gefallen, wie in dieser Geschichte die Mördersuche in den Alltag einer Tierärztin integriert wurde. Die Beschreibung der Abläufe in der Tierarztpraxis wirkt sehr authentisch - kein Wunder, ist die Autorin doch selbst Tierärztin. Katja Blum ist Anfang 40, geschieden und alleinerziehende Mutter einer pubertierenden Tochter. Wie sie es schafft, alles unter einen Hut zu kriegen und sich auch von ihren Geldsorgen nicht unterkriegen zu lassen, wirkt realistisch und verdient Respekt. Für die Tierärztin steht das Wohl ihrer Tochter an erster Stelle. Deswegen zweifelt sie sogar am eigenen Tun, stellt persönliche Wünsche hintenan. Dass am Ende alles gut wird, erwartet man bei einem Cosy-Krimi. So beschert dieses Buch nicht nur spannendes Lesevergnügen, sondern lässt den Leser mit einem guten Gefühl und der Frage zurück: Wann wird Dr. Katja Maus das nächste Mal ermitteln? 


Fazit: 5***** und Leseempfehlung für alle Tierfreunde, die Krimis lieben

Das Taschenbuch ist bei KNAUR erschienen, hat 260 Seiten und kostet 12,99 Euro. Das E-Book kostet normalerweise 4,99 Euro, ist im Moment aber noch für 2,99 Euro erhältlich.


Donnerstag, 13. September 2018

"Hildegard von Bingen - die mächtigste Nonne des Mittelalters" von Maria Regina Kaiser

Hildegard von Bingen wird von den Meisten wohl mit Naturheilkunde in Verbindung gebracht. Kräuterkissen, Tinkturen, ja selbst Dinkelbrot schmücken sich mit ihrem Namen. Doch Hildegard von Bingen war viel mehr als nur eine Kräuterkundige. Die von Maria Regina Kaiser spannend geschriebene Romanbiografie „Hildegard von Bingen“ trägt den Untertitel „Die mächtigste Nonne des Mittelalters“. In diesem Buch begleiten wir Hildegard auf ihrem Lebensweg. Wir erfahren, wie sie bereits als kleines Kind von vier Jahren die ersten Visionen hatte, in denen das „Lebendige Licht“ ihr Dinge zeigte, die anderen verborgen waren. Hildegard kommt 1098 auf die Welt und ist als zehntes Kind der Familie von Bermersheim der Kirche versprochen. Es ist die Zeit der der ersten Kreuzzüge. Männer und ganze Familien machen sich auf den Weg ins Heilige Land. Junge adlige Frauen strömen scharenweise in Klöster, um dort abgeschieden von der Welt als Jesu versprochene Braut zu leben. Die beträchtlichen Mitgiften, wie Viehherden Fischteiche oder ganze Dörfer, verhalfen den Klöstern zu Reichtum. Der Autorin gelingt es, ein lebendiges Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Hildegard wurde zur Universalgelehrtin ihrer Zeit, sie diktierte Bücher, komponierte Musik, heilte Kranke und gab die Worte weiter, die das „Lebendige Licht“ ihr auftrug. Interessant, wie sie und andere Frauen (z.B. Hildegards Freundin Rikkar von Stade) es verstanden, in dieser von Männern dominierten Zeit, Macht und Einfluss auszuüben. Hildegard war von Kindheit an kränklich, hatte Lähmungen und Krämpfe, die sie oft tagelang ans Bett fesselten. Trotzdem war sie eine sehr starke Frau. Sie schöpfte ihre Kraft aus dem Glauben an Gott und der Demut ihm gegenüber. Was er ihr in ihren Visionen auftrug, setzte sie gegenüber ihren Mitmenschen durch. Aufgeben konnte und wollte sie nicht. 

Das Buch war spannend wie ein Roman zu lesen. Auch wenn der religiöse Fatalismus der adligen Jungfrauen mir aus heutiger Sicht fast unbegreiflich ist, so fand ich es sehr interessant, über das Klosterleben zu lesen. Sich freiwillig einmauern zu lassen! Jahre- bzw. jahrzehntelang nicht ins Freie zu gehen! Die Autorin ist bekannt als Expertin für das Leben der Hildegard von Bingen. Trotz der vielen Fakten und historisch überlieferten Persönlichkeiten liest sich das Buch leicht und fließend. Der Anhang enthält eine Kurzzusammenfassung von Hildegards Lebenslauf, eine Aufstellung der weiteren handelnden, historischen Personen und ihrer Bedeutung, sowie ein Glossar mit Worterklärungen, ein Orts- und ein Literaturverzeichnis. Sehr übersichtlich zum Nachschlagen.

Historische Porträts und Illustrationen der von Hildegard empfohlenen Kräuter schmücken das Buch. Auch das Cover gefällt mir sehr gut. 


Fazit: Ein spannendes Buch über eine faszinierende Frau. Sehr lesenswert. 5***** 

Das Buch ist im Verlag Herder erschienen. Die gebundene Ausgabe (Hardcover) hat 256 Seiten und kostet 22 Euro. Das E-Book ist für 16,99 Euro erhältlich.