In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

Donnerstag, 23. Januar 2020

"Gewittersee" ein Bodensee-Krimi von Tina Schlegel

„Gewittersee“ ist Tina Schlegels vierter Bodenseekrimi. Erstmals führt sie uns mit ihrer Handlung nach Lindau, wo die junge Kommissarin Cora Merlin ihren Dienst versieht. Obwohl ihr das Inselstädtchen mit seinen Gassen und Plätzen immer besser gefällt und sie eine wunderschöne Dachgeschosswohnung mit Blick auf den Bodensee gefunden hat, sieht Cora Lindau nur als Zwischenstation. Sie möchte Karriere machen, die ist in der Provinz nicht möglich. 

Doch dann wird Cora mit einem Fall konfrontiert, der sie ihre eigenen Grenzen erkennen und neu definieren lässt. Eine Tote im Bordell ist nur der Auftakt einer dramatischen Mördersuche, denn schnell wird klar: Die Frau ist nicht sein erstes Opfer und wird nicht sein letztes sein, wenn die Polizei ihn nicht rechtzeitig fassen kann. 

Allerdings hat die Polizei es hier nicht nur mit dem genannte Mordfall zu tun. Durch die geheimnisvolle Ela, eine international anerkannte Kunstschätzerin, kommt Cora einem Kunstraub ungeahnten Ausmaßes auf die Spur. Und auch privat fühlt die Kommissarin sich von der schönen Ela angezogen. Diese zweite, mit dem Mordfall eng verknüpfte Handlungsebene, fand ich sehr spannend. Ich habe tatsächlich während des Lesens die erwähnten Gemälde gegoogelt und betrachtet, wodurch die ganze Geschichte viel anschaulicher und verständlicher wurde. Sehr gut gefallen haben mir auch die liebevollen Beschreibungen Lindaus. Ich bekam direkt „Bodenseehnsucht“. 

Ich gebe zu, ich habe anfangs Paul Sito vermisst, den eigenwilligen Kommissar aus den ersten drei Bodenseekrimis. Mit Cora Merlin hat die Autorin eine andere, vielschichtige Hauptfigur erschaffen, die in ihrer liebenswürdigen Widersprüchlichkeit Sito durchaus ebenbürtig ist. Wer weiß, vielleicht begegnen sich die Beiden ja im fünften oder sechsten Bodenseekrimi von Tina Schlegel? Es bleibt spannend. Auch die weiteren Figuren wie Elas Freund Piet, Coras Kollege Christian, ihr Bruder David oder auch Coras neue Freundin Sandra sind so lebensecht beschrieben, dass ich sie am liebsten einmal persönlich kennenlernen würde. Das Buch bleibt von Anfang bis Ende spannend. Daher passt der Titel "Gewittersee" auch ganz wunderbar. Denn von Beginn an ist die Atmosphäre aufgeladen, alle warten förmlich auf das erlösende Gewitter, das dann zum dramaturgisch passenden Zeitpunkt kommt. Das wunderschöne Cover deutet dieses ja bereits an. 


Fazit: Ein weiterer spannender und bildreicher Bodenseekrimi von Tina Schlegel. 5*****

Das Taschenbuch hat 304 Seiten, ist im Emons Verlag erschienen und kostet 11,90 Euro. Das E-Book ist für 9,49 Euro erhältlich. 


Sonntag, 19. Januar 2020

"Lavendel-Gift" von Carine Bernard

„Lavendel-Gift“ von Carine Bernard ist ein weiterer Cosy Krimi, der uns in eine schöne Urlaubsregion entführt. Allerdings ermittelt diesmal nicht Molly Preston. Trotzdem schließt dieses Buch indirekt an den dritten von bisher vier Molly Preston Krimis an und bildet nach „Lavendeltod“ (ursprünglich unter dem Titel „Lavendel-Coup“ erschienen) den zweiten Teil der Lavendel-Morde-Reihe. Immerhin treffen wir in „Lavendel-Gift“ Lilou und weitere Nebenfiguren aus dem ersten Band der Reihe wieder.  Lilou hat ihre Ausbildung bei der Polizei fast abgeschlossen. Ein letztes Praktikum im Städtchen Carpentras hat sie noch zu absolvieren, bevor sie sich Commisaire nennen darf. Lilou ist enttäuscht, dass sie hierher in die Provence geschickt wurde, denn sie hatte sich eigentlich für Paris beworben. Anfangs fürchtet sie, in der Kleinstadt zu versauern, doch dann wird ausgerechnet ihr Vermieter, der liebe alte Monsieur Benoit, ermordet, und Lilou befindet sich mittendrin in einer spannenden Mordermittlung. 

Interessant fand ich die Entwicklung Lilous. Anfangs noch als kleine Praktikantin von niemandem wirklich ernst genommen, verschafft sie sich im Laufe der Ermittlungen zunehmend Respekt durch ihre gute Arbeit. 

Wie von Carine Bernard gewohnt, darf der Leser die Hauptfiguren nicht nur zu den schönsten Plätzen der Urlaubsregion begleiten, sondern wird auch wieder mit allerlei kulinarischen Beschreibungen dazu verlockt, selbst die provenzalische Küche zu probieren. Vorsicht: Da im aktuellen Fall ein altes, handgeschriebenes Kochbuch und mehrere in der Gastronomie tätige Personen wichtige Rollen spielen, verursacht das Buch des Öfteren Anfälle von heftigem „Gaumenkino“  – man glaubt, die köstlichen Aromen zu riechen, den Geschmack der Köstlichkeiten auf der eigenen Zunge zu spüren. 

Ein Buch, von dem ich mich an ein paar grauen kalten Wintertagen gern in die sonnige Wärme des provenzalischen Sommers entführen ließ. Es liest sich angenehm, viele Dialoge lockern den Text auf, kleine witzige Begebenheiten ließen mich immer wieder lächeln. Auch wenn es ein Krimi ist und es Tote gibt, so liegt der Schwerpunkt, wie auch bei den anderen Krimis von Carine Bernard, auf dem „Cosy“ (gemütlich). Es gibt keine eklig-blutigen Szenen und bleibt trotzdem spannend bis zum Schluss.

Fazit: 250 Seiten spannender Kurzurlaub in der Provence, voller Duft und Wohlgeschmack. 5*****

Das Taschenbuch ist im Verlag Knaur TB erschienen, hat 256 Seiten und kostet 9,99 Euro. Das E-Book kostet ebenfalls 9,99 Euro, das Hörbuch ist im Rahmen eines Audible-Abos kostenlos erhältlich bzw. kostet 7,40 Euro.


Mittwoch, 20. November 2019

"Neues Fleisch" von Hendrik Hassel

„Neues Fleisch – Essen ohne Tierleid – Berichte aus der Zukunft unserer Ernährung.“ Dieser Buchtitel weckte meine Aufmerksamkeit. Was werden wir künftig essen, wenn Massentierhaltung aus den verschiedensten Gründen nicht mehr praktiziert wird? Kann der Mensch fleischlos glücklich sein? Welche Alternativen gibt es zum Schweinefleisch für 2,99 Euro pro Kilogramm? Auf diese und ähnliche Fragen hoffte ich, im Buch eine Antwort zu finden. Autor Hendrik Hassel hat schon im Alter von 23 Jahren gemeinsam mit anderen die Tierrechtsorganisation „Animal Equality Germany e.V.“ gegründet, die er leitet. 

Das Buch lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Zum Einen, weil unter „neuem Fleisch“ auf ungefähr 90 Prozent der Seiten tatsächlich Fleisch verstanden wird. „Clean Meat“ ist nicht mehr am Tier gewachsen, sondern im Labor gezüchtet, im wahrsten Sinne des Wortes „schweineteuer“ und noch lange nicht massentauglich. Der Weg zum ersten „gebrauten“ Fleisch wird ausführlich und spannend beschrieben. Aber ist das wirklich die Zukunft? Warum mit viel Aufwand, Energie und Kosten pflanzliche Ausgangsstoffe in tierische umwandeln? Vielleicht zeigt die Zeit uns schon jetzt, wer im Rennen um die beste Alternative zum tierleidtriefenden Billigfleisch als massentauglicher Sieger hervorgeht.

Das Vorwort des Autors ist vom Sommer 2019, und doch sind wir im Herbst desselben Jahres, nur wenige Wochen später, schon viel weiter auf dem Weg zum neuen Fleisch. Dass der „Impossible Burger“ lt. Autor in Deutschland gar nicht vertrieben werden sollte, scheint unwichtig. Haben doch seine fleischlosen Kumpel mit ähnlich klangvollen Namen, nicht nur den Weg in Berliner Szene-Bistros gefunden, sondern wartet mittlerweile in jedem Supermarkt und bei jedem Discounter auf ihre Käufer. Der Absatz boomt, die Nachfrage ist da. Das neue (pflanzliche) Fleisch hat längst die Kühlschränke und Bratpfannen eines Großteils der Deutschen erobert. Ob „Clean Meat“ dies auch eines Tages tun wird oder gar tun muss, um auch die Menschen zu überzeugen, die „schon immer Fleisch gegessen haben und immer essen werden“, bleibt abzuwarten. 


Fazit: Interessante Einblicke in den langsamen Wandel der industriellen Fleischproduktion. 4****

Das Buch mit flexiblem Einband ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen, hat 176 Seiten und kostet 18 Euro. Das E-Book ist für 14 Euro erhältlich. 


Mittwoch, 10. Juli 2019

"DNA" von Yrsa Sigurdardóttir (Band 1 Huldar und Freyja)

Nach der Leseprobe  wollte ich unbedingt R.I.P. von dieser Autorin lesen. Da dies aber der dritte Band um Kommissar Huldar und Kinderpsychologin Freyja ist, begann ich logischerweise mit Band 1 - DNA. Nach einem Prolog, der 28 Jahre vor der Haupthandlung spielt, werden wir zunächst in die Idylle eines Hause geführt, wo Elisa mit ihrem Mann und den Kindern lebt. Diese Bilderbuchfamilie wird je zerstört, als ein unbekannter Mann ins Haus eindringt und Elisa auf bestialische und dennoch unblutige Art tötet. Da die siebenjährige Tochter sich unter Mamas Bett versteckt hatte, wird die Kinderpsychologin Freya zu den Ermittlungen hinzugezogen. Dumm nur, dass sie und Huldar sich bereits begegnet sind und Freya zu recht sauer auf Huldar ist. Die Spannung zwischen diesen beiden Figuren tut der Geschichte gut, auch wenn sie beide dadurch nicht immer rational handeln. Da es weitere Morde gibt, die auf denselben Täter hinweisen, aber keinerlei Verbindung zwischen den Opfern, tappen die Ermittler lange Zeit im Dunklen. Ein Amateurfunker, der mit den Fällen erstmal gar nichts zu tun hat, kommt dem Zusammenhang Schritt für Schritt auf die Spur ... 

Mir gefiel vor allem die spannende Story, bei der ich lange miträtselte, wie wohl alles zusammenhängt. Auch die im Buch eingestreuten Informationen über Island waren sehr interessant. Und erst die Mordmethoden! Wie kommt man auf sowas??? Die Protagonisten, insbesondere Karl, aber auch Freyja und Huldar denken viel und immer wieder das Gleiche. Das nimmt ein bisschen den Schwung aus der Geschichte, denn sie bestätigen doch durch ihr Verhalten die bereits geäußerten Gedanken. Das kapiert der Leser auch ohne wiederholende gedankliche Monologe. Auch der Sprachstil ließ mich manchmal stolpern, was aber auch an der Übersetzung liegen kann. 

Fazit: ein spannender Thriller, der die Vorfreude auf Band 2 und 3 „SOG“ und „R.I.P.“ noch erhöhte. 4****

Das Taschenbuch ist im btb Verlag erschienen. Es hat 512 Seiten (inklusive Leseprobe zu Band 2 "SOG") und kostet 10 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich, das gebundene Buch für 19,99 Euro. 






Dienstag, 11. Juni 2019

"INSELblau" von Stina Jensen

„INSELblau“ ist der erste Teil der Inselfarben-Romane von Stina Jensen. Dieses Buch hat mir das verregnete Pfingstwochenende versüßt. Besonders gefiel mir, dass sowohl Langeoog als auch Mallorca eine Rolle im Buch und im Herzen der Hauptfigur Svea spielen. Diese doppelte Inselliebe kann ich so gut nachvollziehen. So durfte ich beim Lesen mit Svea immer wieder von der rauen Nordseeküste zum sonnigen Strand Mallorcas und zurück wechseln. Das norddeutsche Heimatgefühl, ihre sichere Beamtenstelle an der Grundschule in Oldenburg, ihr geliebter Opa auf Langeoog oder der Traum von Mallorca, die Tapasbar, ihre heimliche Jugendliebe ... Svea ist hin und hergerissen. Irgendwie passt Tobi perfekt dazu, oder doch nicht? Eigentlich war es von Anfang an ziemlich klar, wo die Geschichte mit einigen Überraschungen, Irrungen und Wirrungen hinführen müsste. Aber das ganze Hin und Her war spannend, die Beschreibungen der rauen Heimat im Norden und des nicht immer sonnigen Südens weckten auch bei mir Erinnerungen und Sehnsüchte. Ich mag Stina Jensens Schreibstil, er ist ausgefeilt und gerade deshalb leicht und sehr gut zu lesen. Und das Beste ist, dass nach „INSELblau“ noch mehrere weitere Inselfarben folgen, in denen die bekannten Figuren wieder auftauchen. So spielt Nebenfigur Wiebke die Hauptrolle in „INSELgrün“ ... Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Inselfarben. 


Fazit: Sommerlich leichte Urlaubslektüre. 5*****

Das E-Book ist im Sótano Verlag erschienen und kostet 0,99 Euro.




"Johannisglut" von Karin Joachim

Der Ahrsteig dient als Schauplatz für Karin Joachims dritten Ahrtal-Krimi. Nach genau dreißig Jahren trifft sich eine ehemalige studentische Theatergruppe zu einer Wanderung. Jana Vogt, die Tatortfotografin, wird von ihrer Freundin Meike, der Wanderleiterin, gebeten, die Gruppe zu begleiten und Fotos zu machen. Dass Jana nicht nur Wanderer vor der romantischen Kulisse der Felsen und Weinberge fotografieren würde, sondern bald einen echten Tatort, hat sie nicht erwartet. Vor dreißig Jahren verschwand ein Mitglied der Theatergruppe spurlos. Zufälligerweise bekam Jana diesen alten Fall vor Kurzem auf ihrem Schreibtisch. Nun möchte sie gern wissen, was damals wirklich passierte und hört sich unauffällig unter den Mitgliedern der ehemaligen Theatergruppe um. Bis ein Mord geschieht und sie ihre wahre Identität nicht länger verbergen kann. Die Vermutung liegt nahe, dass der alte Vermisstenfall und der aktuelle Mord zusammenhängen ...

Dieses Buch hat mich nun schon zum dritten Mal Jana Vogt und ihren Hund Usti ins Ahrtal begleiten lassen. Zum Einen gefielen mir die Beschreibungen der Landschaft und insbesondere der Wanderung entlang des Ahrsteigs so gut, dass ich unbedingt selbst einmal dort entlang wandern möchte. Zum Anderen zogen mich der dreißig Jahre alte Vermisstenfall und der aktuelle Mord in ihren Bann. Ich wollte unbedingt wissen, ob und wie sie zusammenhängen. Angenehm fand ich die Fortsetzung der Geschichte von Jana und Clemens. Die Beiden ergänzen einander beruflich und privat sehr gut. Trotzdem grübelt Jana immer noch sehr viel, aber so ist sie eben. Mit der Figur der Jana hat Karin Joachim eine lebensechte, liebenswerte und doch in sich widersprüchliche Figur geschaffen - so wie Menschen im wirklichen Leben sind. Man kann diesen Krimi durchaus lesen, ohne vorher „Krähenzeit“ und „Bittertrauben“ gelesen zu haben. Schöner ist es allerdings, wenn man Janas private Geschichte der Reihe nach mitverfolgt. 

Hilfreich war die kleine gezeichnete Landkarte im vorderen Teil des Buches. 

Fazit: Ein schöner Krimi zum Wegschmökern, der ohne Gewaltszenen auskommt und dennoch bis zuletzt spannend bleibt. 5*****


Das Taschenbuch hat 288 Seiten, ist im Gmeinerverlag erschienen und kostet 12 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich. 


Mittwoch, 15. Mai 2019

"Mach dieses Buch zum Bienenhaus" von Lynn Brunelle und Anna-Maria Jung

„Mach dieses Buch zum Bienenhaus“, so lautet der Titel. Das Buch ist zum Glück mehr als ein Bastel-Set, mit dem Kinder ihr eigenes Häuschen für Wildbienen bauen können. 

In großer, kindgerechter Schrift und mit vielen bunten Bildern informieren die ersten Seiten über verschiedene Bienenarten, ihre Lebensbedingungen sowie ihre näheren Verwandten wie z.B. die Wespen. Eine Überschrift wie „Nicht alle Wespen sind gefährlich“, halte ich, vorsichtig ausgedrückt, aber für etwas unglücklich gewählt. Schön und interessant sind die meisten Experimente, mit denen beispielsweise der Flügelschlag oder das Bewegung verursachende Summen einer Biene nachempfunden werden kann. Das empfohlene Alter von 6 bis 12 Jahren passt, da bei den meisten Experimenten sowieso die Hilfe eines Erwachsenen benötigt wird, und sei es nur, um die Utensilien bereitzustellen. So weit noch okay. 

„Mach dieses Buch zum Bienenhaus“ – sollte, wenn man den Titel wörtlich nimmt, die Krönung der Experimente sein. Dazu habe ich gleich mehrere kritische Anmerkungen. Für den Bau verwendet werden 48 Blätter dieses Buches und jede Menge Klebestreifen. Die Fummelarbeit, 48 Röhrchen zu formen und ihnen den Boden zuzukleben, kann man ja noch als Geduldsübung fürs Kind ansehen bzw. mehrere Geschwister gleichzeitig beschäftigen. Allein die Menge des verwendeten Klebestreifens halte ich für fragwürdig. Was aber meiner Meinung nach gar nicht geht, ist grundsätzlich Papier als Material für eine Bienenbehausung. Wenn der Sommer mal nicht so trocken ist wie 2018, nehmen die Papierröhrchen Luftfeuchtigkeit auf, fangen an, weich zu werden und zu schimmeln. Todesfalle statt Kinderstube für die Bienenbrut! 

Das Buch bedient sich des erwachten Interesses am Wohl der Wildbienen. Meiner Meinung hat der zahlenmäßige Rückgang dieser nützlichen Insekten aber wenig mit fehlenden Behausungen zu tun. Viel schlimmer ist, dass die Wildbienenarten immer weniger Nahrung finden. An der Stelle müsste man ansetzen. Beispielsweise bienenfreundliche Pflanzen statt pflegeleichter Schottergärten, kein Einsatz von Unkraut- und Insektenvernichtungsmitteln, keine Gülle auf die Wiesen, wo dann nur noch Löwenzahn innerhalb eines kurzen Zeitfensters blüht usw. Mit ein paar Papierröllchen und meterweise Tesafilm helfen wir den Bienen nicht. 

Und noch eine Kritik zum Produkttext in den Online-Shops. Zitat: „Im anschließenden Quiz- und Rätselteil können die jungen Leser ihre Kenntnisse testen.“ Diesen Teil habe ich in unserem Buch nicht entdecken können. 

Fazit: Einerseits spürt man, dass viel Liebe und Mühe in dieses Buch investiert wurden. Andererseits hätte die Autorin statt ihre geliebten Familienmitglieder besser einen Bienenexperten mit ins Boot holen sollen. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Ich kann dieses Buch insgesamt nicht empfehlen. 2**

Das Softcoverbuch im Format 19,5 x 24,6 x 1,7 cm hat 192 Seiten, von denen 100 mit bunten Mustern bedruckt und für den Bau des Bienenhauses vorgesehen sind. Empfohlen für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren. Das Buch ist bei Ullmann Medien erschienen und kostet 14,99 Euro. Die 15 euro sollte man lieber in bienenfreundliche Pflanzen investieren.