In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

Sonntag, 9. Dezember 2018

"Brehms Tierleben - Die Gefühle der Tiere"

Brehms Tierleben – Die Gefühle der Tiere ist ein ungewöhnliches Buch, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Zum Einen die Herangehensweise Brehms – er betrachtete das lebende Tier, seinen Charakter, Verstand, ja, seine Gefühle. Dieser Respekt vor dem lebenden, fühlenden Wesen scheint uns heute, in Zeiten der Massentierhaltung und „Entnahme“ störender Wildtiere abhanden gekommen zu sein. Um so wichtiger finde ich das Anliegen Karsten Brensings, auf der Grundlage von Brehms Werken neues Verständnis für die Tiere zu wecken, die hier in Deutschland mit uns ihren Lebensraum teilen. Und das ist für mich der zweite große Pluspunkt diese Buches – es beschreibt unsere heimischen Wildtiere. Wenn wir Glück haben und in nahezu unberührter Natur leben, wie z.B. hier im Oberen Donautal, können wir fast allen beschriebenen Tieren noch in freier Wildbahn begegnen. Persönlich hätte ich mir ja noch Luchs, Gämse und Uhu gewünscht, weil die hier ebenfalls unterwegs sind. Aber das konnten ja weder Brehm noch Brensing wissen. 

Brehms Original-Texte in Kombination mit den historischen Illustrationen, von denen schon Charles Darwin schwärmte, weil sie für ihn die besten waren, die er je gesehen hat, geben dem Buch sein ganz besonderes Gesicht. Es macht einfach Spaß, in dem Buch zu lesen, weil aus den Texten Brehms vor allem eins spricht: Respekt vor dem Tier. Es tut gut, sich daran wieder zu erinnern. Danke dafür, Dr. Karsten Brensing. 


Fazit: Ein Buch voller Respekt vor unseren Wildtieren. Sehr empfehlenswert. 5*****

Das Hardcover mit Schutzumschlag ist im Duden Verlag erschienen, hat 240 Seiten und kostet 20 Euro.


"Winter" Das große Lesebuch für die ganze Familie

„Winter ist die Zeit des Zusammenkommens ...“, und des Lesens und Vorlesens. Das große Lesebuch für die ganze Familie lädt dazu ein, den Winter lesend zu begleiten. In acht Kapiteln, von den Herbststürmen und dem ersten Raureif über Advent und Heilige Nacht bis hin zu den ersten Schneeglöckchen präsentiert uns Ulrike Schrimpf zauberhafte Texte von bekannten und weniger bekannten Autoren, liebevoll illustriert von Lisa Manneh. Große Namen wie Astrid Lindgren, Kurt Tucholsky, Otfried Preußler oder Selma Lagerlöf versprechen großartige Geschichten. Die der jüngeren Autoren sind ebenso lesenswert. Alle zusammen malen ein buntes Bild des Winters, der eben nicht nur kalt und grau oder weiß ist, sondern auch voller Herzenswärme, kleiner Wunder und  großer Abenteuer. 

Wir lesen von der Schneekönigin, vom Schlittenfahren, von Eisbären, Weihnachtshunden und Wunschzetteln, von Winterwundern vor vielen Jahren im Stall bei den Hirten und heute an der Grenze zwischen Europa und Asien. Dazu kommen Gedichte, Rätsel, Rezepte, alles was den Winter heimelig macht, ist in diesem Buch vereint. 

Mir gefällt besonders gut, dass viele Geschichten Auszüge aus Büchern sind und so zum Mehr- und Weiterlesen animieren. So wie „Heidi und der Winter im Dörfli“, „Zara“ oder „Die kleine Hexe und der Maronimann“. Am Ende des Buches findet sich eine Übersicht der Autoren und ein Quellenverzeichnis. Zwei Seiten laden ein, die liebsten Familienrituale aufzuschreiben. 

Auch der Einband des Buches ist etwas Besonderes. Das Hardcover ist im oberen Teil mit geprägtem Textil, im unteren mit glattem Papier bezogen, und lädt so immer wieder zum Darüberstreichen ein. 


Fazit: Ein rundum gelungenes, liebevolles Buch und ein wertvolles Geschenk für die ganze Familie. 5*****

Das 22 x 29 cm große Hardcover ist im HERDER Verlag erschienen, hat 240 Seiten und kostet 32 Euro. 




"Zimmerservice" - Halloween Special von Bloody Qindie (Anthologie)

„Zimmerservice“ klänge ja ganz freundlich, würde er nicht von Bloody Qindie präsentiert und dann noch mit dem Untertitel „Halloween Special“. Nach dem Jahrmarkts Halloween Special vom letzten Jahr war ich sehr gespannt, was mich im Gruselhotel erwartet. In 13 Zimmern bzw. Geschichten präsentierten die Autoren ganz unterschiedliche Gruselarten. Geister, Nachtmahre, Riesenmonster, verhexte Familienbande oder einfach nur stinkender Schimmel ... richtig gemütlich war es in keinem der Zimmer. Richtig fies wird es, wenn die eigene schwarze Katze auch mitspielen will und ausgerechnet bei ... der passenden Geschichte erscheint und Dich unverwandt anschaut. Aber auch ohne tierische Unterstützung hat mir das Buch angenehme Lese- und etwas weniger angenehme Nachtruhe bereitet. Manche Geschichten sollte man lieber nicht vor dem Einschlafen lesen. 

Insgesamt gefielen mir die Geschichten dieses Mal sehr unterschiedlich. Es gab eine Handvoll, die ich super fand, und zwei, die mich nicht wirklich überzeugen konnten. Dazwischen lag solide, gute Unterhaltung. Dass es nicht immer übernatürlich zuging, fand ich persönlich ein wenig enttäuschend, aber das lag wohl an meiner Erwartung: Halloween = Geister. Besonders gelungen fand ich „Die Welt in der Welt“ von Mika Krüger, „Die blaue Blume“ von Daniel Dekkard (danach konnte ich nicht gut schlafen), „Zuflucht“ von David Pawn (Darüber rätsele ich immer noch) „Das Gruselhotel von Hohenzell“ von Divina Michaelis und „Von Albträumen und Nachtmahren“ von Katharina Gerlach.

Richtig genial ist in meinen Augen das Cover. Es ist so schön schaurig und gleichzeitig zweideutig – sehr verlockend! 


Fazit: Einen lesenswerte Gruselanthologie 4****

Das Taschenbuch hat 286 Seiten und kostet 10 Euro. Das E-Book ist für 2,99 Euro erhältlich. 


Dienstag, 20. November 2018

"Mama im Advent" von Nicole Schäufler

Mamas haben nicht nur im Advent viel zu tun. Aber in dieser speziellen, vorfreudigen Zeit sind sie besonders gefordert. Es gibt unzählige Dinge zu tun - dekorieren, Plätzchen backen, Geschenke vorbereiten, Geschichten erzählen ... eben alles, was das Haus mit vorweihnachtlichem Zauber erfüllt. Und ganz „nebenbei“ noch kochen, aufräumen, Wohnung, Popos und Näschen putzen. Wann bleibt da noch Zeit für Besinnlichkeit? Dieses Büchlein ist ein Adventskalender speziell für Mamis. Ganz sicher findet sich jeden Tag im Advent ein bisschen Zeit, um darin zu lesen und sich von den Texten, Gedichten, Rezepten und Ideen des jeweiligen Tages inspirieren zu lassen. Dabei wurden sowohl klassische Quellen wie z.B. Christian Morgenstern, als auch Texte der Autorin verwendet. Die letzten vier Seiten bieten Raum für eigene Notizen. 

Sehr schön auch die Illustrationen. Ich vernute, sie sind ebenfalls von der Autorin, konnte aber leider keine Angeben dazu im Buch finden. Die Osterei-Form  der bunten Bilder scheint das Markenzeichen der Illustratorin zu sein, denn Cover und „Schwanger im Advent“ sind ebenso gestaltet. 

Das quadratische Büchlein mit Softcover hat insgesamt 112 Seiten. Zum einen sollte es besser nicht in die Hände kleiner Kinder geraten. Zum Anderen erscheint mir der Preis von 19,90 Euro dafür sehr hoch. Für so viel Geld hätte ich mir doch ein anderes Format gewünscht - Hardcover oder Aufstellkalender zum Umblättern. 

Fazit: Inhaltlich eine sehr schöne Mischung, um als Mama mit Kindern in adventliche Stimmung zu kommen. 4****

Das Taschenbuch ist im Verlag edition riedenburg erschienen, hat 112 Seiten und kostet 19,90 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich. 




Montag, 19. November 2018

"Winter im Wichtelwald" von Outi Kaden

Ein wundervolles Buch. Die winterliche Natur mit den Tieren, die auch ganz kleine Kinder schon wiedererkennen, wirkt wie verzaubert durch den bunten Wichtel und den Käfer, die dort umher streifen. Die Reime können gut vorgelesen werden. Durch die stabile Pappe kann das Buch auch von den ganz Kleinen schon in die Hand genommen werden, ohne dass es Schaden nimmt.
Gerade durch die Ruhe, die das Buch mit seinen winterlichen Bildern ausstrahlt, kann das Kind sich auf das Wesentliche konzentrieren. Kleine Kinder wollen keine bunte, wirbelnde Daueraktion. Sie wollen eine Langsamkeit, in der sie Schritt halten und ihre Welt begreifen können. Dafür ist dieses Buch perfekt geeignet. Der angemessene Preis macht es zu einem schönen Mitbringsel.


Das Pappbilderbuch für Kinder ab 2 Jahre ist im arsEdition Verlag erschienen, hat 16 Seiten und kostet 8 Euro. 



Samstag, 17. November 2018

"Coco Chanel - Paris der 1920er und das bewegte Leben einer Modeikone" von Nadine Sieger

Coco Chanel war eine Frau, die wie keine andere die Mode beeinflusst hat und es auch Jahre nach ihrem Tod immer noch tut. Das „kleine Schwarze“ und Chanel N°5 scheinen unsterblich zu sein. Oder, wie Coco selbst sagte: „Mode ist vergänglich. Stil niemals.“

Die Romanbiografie von Nadine Sieger liest sich spannend wie ein Roman und ist dennoch so informativ wie eine Biografie. Wir lernen eine die blutjunge Gabrielle Chanel kennen, die versuchte, ihrem armseligen Leben zu entkommen, indem sie gemeinsam mit ihrer Tante in Pariser Lokalen als Pausenfüller auftrat. Gratis. Aber nicht umsonst. Denn aus der Zeit stammt der Spitzname „Coco“, der zum Markenzeichen wurde. Und Coco lernte schnell, dass reiche Männer nicht nur ein angenehmes Leben ermöglichten, sondern auch die Verwirklichung ihrer eigenen kreativen Ziele. Mit einem angeborenen Talent für Stil und Schönheit konnte Coco es nicht mitansehen, wie die Frauen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts sich über und über in Rüschen und schweren Plunder kleideten. Unbequem und unpraktisch fand Coco diese (Ver-)Kleidung. Sie selbst bevorzugte schon lange männliche Kleidungsstücke, z.B. beim Reiten. 

Was heute so banal klingt, kam damals einer Revolution gleich. Zitat aus dem Buch: „Coco verkauft den Frauen nicht nur Kleidung, sondern eine ganz neue Weltanschauung. Ein emanzipiertes Frauenbild: frei, furchtlos, uneingeschränkt und kess.“ Coco verkauft diesen Stil nicht nur, sie lebt ihn. Selbst aus Skeptikern werden schnell Bewunderer und alle Frauen wollen so aussehen wie Coco. Trotz des bald weltweiten Erfolgs ihrer Kollektionen bleibt Coco eine widersprüchliche Figur. Stark nach außen und doch unheimlich verletzlich. Ihre Ängste und ihre innere Einsamkeit betäubte sie mit Morphium und rauschenden Festen. All die vielen Männer in ihrem Leben zeigten zwei Eigenschaften von ihr. Zum Einen liebte sie es, die Starke zu sein, ihren Reichtum zu nutzen, um arme und von ihr geliebte Künstler zu fördern. Zum Anderen war Coco am Boden zerstört, wenn eine Beziehung vom Schicksal oder vom geliebten Mann beendet wurde. Auch ihr Verhältnis zu den Nazis während des Zweiten Weltkrieges ist nicht frei von Ungereimtheiten. Apropos Ungereimtheiten: Catherine Deneuve wurde 1943 geboren. Und dann schaute sie tatsächlich 1954 wieder regelmäßig in der Maison Chanel vorbei? Mit 11 Jahren? (S. 261) Diese Dame wurde wohl erst ein paar Jahre später Chanel-Kundin. Das war allerdings auch das einzige Stolpersteinchen in der ansonsten sehr gut recherchierten Romanbiografie. Interessant auch, mit welchen Prominenten Coco verkehrte. 

Alles in allem bleibt Coco für mich eine faszinierende Frau, von der wir auch heute noch viel lernen können. Sei Du selbst, finde Deinen Stil. Ich habe nach der Lektüre zum ersten Mal in meinem Leben Chanel N°5 ausprobiert. Der Duft ist wirklich etwas Besonderes. Es ist ja bald Weihnachten ...


Fazit: Spannende und interessante Romanbiografie einer faszinierenden Frau. 5*****

Das Hardcover hat 272 Seiten, ist im HERDER Verlag erschienen und kostet 22 Euro. Das E-Book ist für 16,99 Euro erhältlich. 


Freitag, 16. November 2018

"Warum fallen Wolken nicht vom Himmel?" von Gábor Paál

Ein Buch für neugierige Menschen, denen die Warum-Fragerei in der Kindheit nicht abtrainiert wurde. Der Autor geht sowohl in seiner Radiosendung als auch online jeder Hörerfrage auf den Grund. Die spannendsten Fragen und Diskussionen sind in diesem Buch zusammengefasst. Zum darin blättern, staunen, sich überraschen lassen. 

Thematisch geordnet nach Weltraum, Erde, Pflanzen und Tiere, Mensch, Geschichte, Essen und dem fast unfassbaren Wesen der Dinge, sowie Gerüchte und Geraune steigert sich das Buch tatsächlich fast vom Urknall bis hin zur Majestätsbeleidigung der Queen von England und den mysteriösen 90 Prozent unseres Hirns, die wie angeblich nicht nutzen. Schon, um dieses letzte Gerücht zu entkräften, sollten wir weiterhin schön neugierig bleiben. Stimmt diese Aussage denn überhaupt? Das Buch verrät es.

Mir gefällt, dass der Autor Wissen vermittelt, ohne belehrend zu wirken. In kurzen Kapiteln von durchschnittlich einer Seite pro Antwort, beantwortet er die Fragen leicht verständlich und mit einer Menge interessanter Fakten. Manches hat man vielleicht schon irgendwann einmal gehört, gelesen ... und wieder vergessen. Warum erforschen wir den Mars, obwohl die Venus viel dichter an der Erde dran ist? Sollten Kinder Kuhmilch trinken? Erst recht, wenn die Milch gar Morphium enthält? Fragen über Fragen, und keine bleibt unbeantwortet. Dabei bleibt der Autor sachlich, er polarisiert nicht, nennt ganz diplomatisch nur die Fakten. Die Antwort auf die Kinder-und-Milch-Frage können sowohl Veganer als auch Milchfans für sich verwerten. 

Ohrwürmern, Tomaten im Kühlschrank, die Wärme im Gotthardtunnel, Schlafwandeln ... All das diese Themen werfen im Alltag Fragen auf, über die wir meist gar nicht nachdenken. Warum ist das so? Das beantwortet dieses Buch. Neben der lehrreichen Unterhaltung habe ich aus der Lektüre eins mitgenommen: Die Lust, künftig viel öfter zu fragen: „Warum ist das so?“ Vielen Dank dafür, Gábor Paál! 


Fazit: Lehrreich, unterhaltsam und Lust auf weitere „Warum?“ weckend. 5*****

Das Taschenbuch ist im HIRZEL Verlag erschienen, hat 268 Seiten und kostet 19,80 Euro. Das E-Book ist zum selben Preis erhältlich.


Montag, 29. Oktober 2018

"Teufelsweiber" von Carina Heer

Der Ansatz dieses Buches ist löblich. Carina Heer möchte anhand 100 ausgewählter „Teufelsweiber“ beweisen, dass Frauen keinesfalls das schwache Geschlecht sind, sondern durchaus in der Lage, die Welt auf den Kopf zu stellen. Bei gut 300 Seiten haben wir pro vorgestellter Frau drei Seiten lang Gelegenheit, ihre spezielle Geschichte zu lesen, uns von der Autorin überzeugen zu lassen, warum gerade dieses Weib des Teufels sei und zu den 100 Auserwählten dieses Buches zählt. 

Von der biblischen badenden Susanna bis zu Malala Yousafzai entfaltet die Autorin einen bunten Fächer ausgewöhnlicher Frauenschicksale. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die gerade diese Frau in die Geschichte eingehen ließen. Die badende Susanna wurde zum Sinnbild der keuschen Unschuld, der niemand Glauben schenkte, außer dem Propheten Daniel. Die Parallelen zu heutigen Vorwürfen, missbrauchte Frauen trügen zumindest eine Mitschuld, sind unverkennbar. Malala Yousafzai ist die mit Abstand jüngste Friedensnobelpreisträgerin der Geschichte. Sie wollte nur zur Schule gehen, obwohl die Taliban ihr und allen anderen Mädchen dieses Recht verwehrten. Zwei bewegende Schicksale, die für mich eines gemeinsam haben - der Oberbegriff „Teufelsweiber“ passt für beide nicht, ist unglücklich gewählt als Titel dieses Buches.  

Kaiserin, Politikerin, Bankräuberin, Piratin, Widerstandskämpferin, Mathematikerin, Terroristin, Päpstin, Spionin ... Frauen können alles sein. Das beweist dieses Buch und dafür mag ich es. Kurzweilig und unterhaltend ist es allemal. Drei Seiten lese ich gern mal eben zwischendurch und fühle sich danach mit der Geschlechtsgenossin verbunden oder auch nicht. 

Über die Auswahl bzw. Nichtauswahl bedeutender weiblicher Persönlichkeiten will ich nicht diskutieren. Selbst wenn Carina Heer tausend Schicksale beschrieben hätte, wäre das Bild “der Frauen“ immer noch unvollständig. Was mich wirklich stört, ist der ungeordnete Aufbau des Buches. Es gibt keinen roten Faden. Keine zeitliche Reihenfolge, ja nicht einmal ein alphabetisches Register. Um herauszufinden, ob beispielsweise Nina Hagen oder Marie Courie in diesem Werk Platz gefunden haben, muss man schon das komplette Inhaltsverzeichnis aufmerksam durchgehen. Es ist übrigens nur eine der beiden darin zu finden. Die von mir sehr geschätzte Coco Chanel hat es auch in dieses Buch geschafft. Allerdings nur auf einen Satz reduziert und als schlechtes Beispiel in der vorangestellten Zitatensammlung „Über Frauen“. Schade. Aber auch symptomatisch für das Gefühl, das dieses Buch bei mir hinterlässt. Tolle Idee, Umsetzung weniger geglückt. 


Fazit: Historische und aktuelle Schicksale außergewöhnlicher Frauen gut recherchiert und kurzweilig aufbereitet. Leider auch chaotisch, ohne Register und zeitliche Ordnung. 3***

Das Buch ist im Benevento Verlag erschienen. Das Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen hat 344 Seiten und kostet 24 Euro. Das E-Book ist für 18,99 Euro erhältlich. 



Donnerstag, 27. September 2018

"Die Optimierer" von Theresa Hannig

Theresa Hannings Erstlingswerk wurde 2016 mit dem Stefan-Lübbe-Preis ausgezeichnet. "Der intelligente und mitreißende Gesellschaftsentwurf eines zukünftigen Deutschlands." (Auszug aus der Begründung der Jury)

Deutschland ist im Jahr 2052 Teil der Bundesrepublik Europa (BEU), die sich nach außen durch hohe Grenzzäune vom Rest der Welt abgeschottet hat. Denn hier, in der BEU, leben die Menschen fast wie im Paradies. Der offizielle Gruß lautet „Jeder an seinem Platz“ und erinnert stark an These des Kommunismus „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“ Dass jeder in der BEU einen Platz findet, der seinen Fähigkeiten entspricht, dafür sorgen sogenannte Lebensberater. Samuel Freitag ist einer von ihnen. Er ist überzeugt davon, in der optimalen Gesellschaftsform zu leben, sammelt fleißig Sozialpunkte, freut sich auf seine bevorstehende Beförderung und darauf, seiner langjährigen Freundin Melanie einen Heiratsantrag zu machen. Um das System der Optimalökonomie weiter zu perfektionieren, schreibt Samuel regelmäßig Korrekturvermerke, die ihm weitere zusätzliche Sozialpunkte einbringen. Die Beschreibung dieser zukünftigen Gesellschaft überzeugt zunächst. Den Menschen geht es gut, sie laufend lächelnd durchs Leben. Es gibt keine Massentierhaltung mehr und kaum noch Umweltverschmutzung. Roboter verrichten niedere Arbeiten, sorgen für Sicherheit auf den Straßen und in den Häusern. Kriminalität ist fast nicht mehr vorhanden, die Menschen nutzen ein sehr viel weiter entwickelte digitale Technik. Doch zwischen den Zeilen kommen erste Zweifel auf, weil Parallelen zur heutigen Gesellschaft erkennbar sind. Alles wird aufgezeichnet und gespeichert. Der Rundum-Überwachung ist fast nicht zu entkommen. Offiziell natürlich zum Wohle der Menschen. 

Eines Tages gerät Samuels Lebenstraum ins Wanken. Ein kleines Missverständnis, denkt er, als ihm einige Sozialpunkte abgezogen werden und seine Beförderung in die Ferne rückt. Plötzlich läuft es auf allen Ebenen gewaltig schief für ihn, und er muss erkennen, dass er sich in einer Abwärtsspirale befindet. Wir beobachten Samsons Begegnungen mit Menschen, die dem System kritisch gegenüberstehen, u.a. auch seine Eltern. Trotzdem glaubt er weiter an das System, sucht nach Ursachen und Schuldigen. Im letzten Drittel verändern sich Charakter und Geschwindigkeit der Handlung. Das Ende der Geschichte will logisch erscheinen, kam mir aber doch etwas zu weit hergeholt vor. 


Fazit: Zukunftsvision mit starken Parallelen zur Gegenwart. Lesenswert. 4****

Das Taschenbuch ist bei Bastei Lübbe erschienen, hat 304 Seiten und kostet 10 Euro. Das E-Book ist für 8,99 Euro erhältlich, das Hörbuch für 13,92 Euro.


Montag, 24. September 2018

"Der Hund, der eine Grube gräbt" von Carine Bernard

Katja Maus ist ein zauberhafter Name für eine Tierärztin. Und so geht es im neuesten Krimi von Carine Bernard trotz Leiche und Mördersuche auch eher nett zu. „Der Hund, der eine Grube gräbt“ ist ein echter Cosy-Krimi. Zwar hat jemand versucht, den Hund ihrer Freundin zu vergiften und kurz darauf liegt in deren Garten sogar eine menschliche Leiche. Aber Gewalt steht in diesem Buch nicht im Vordergrund. Wir begleiten die neugierige Tierärztin, deren Wege sich immer wieder mit der im Mordfall ermittelnden Polizei kreuzen, bei ihren eigenen Nachforschungen. Dabei geht es Katja Blum hauptsächlich um das Wohl der in diesen Fall ebenfalls involvierten Tiere. Wir lernen eine Katze, einen liebenswerten Schutzhund, ein trächtiges Pferd und viele weitere Tiere kennen. 

Der Schreibstil ist, wie von Carine Bernard gewohnt, angenehm und flüssig zu lesen. Viele Dialoge lassen die Szenen lebendig wirken. 

Mir hat sehr gefallen, wie in dieser Geschichte die Mördersuche in den Alltag einer Tierärztin integriert wurde. Die Beschreibung der Abläufe in der Tierarztpraxis wirkt sehr authentisch - kein Wunder, ist die Autorin doch selbst Tierärztin. Katja Blum ist Anfang 40, geschieden und alleinerziehende Mutter einer pubertierenden Tochter. Wie sie es schafft, alles unter einen Hut zu kriegen und sich auch von ihren Geldsorgen nicht unterkriegen zu lassen, wirkt realistisch und verdient Respekt. Für die Tierärztin steht das Wohl ihrer Tochter an erster Stelle. Deswegen zweifelt sie sogar am eigenen Tun, stellt persönliche Wünsche hintenan. Dass am Ende alles gut wird, erwartet man bei einem Cosy-Krimi. So beschert dieses Buch nicht nur spannendes Lesevergnügen, sondern lässt den Leser mit einem guten Gefühl und der Frage zurück: Wann wird Dr. Katja Maus das nächste Mal ermitteln? 


Fazit: 5***** und Leseempfehlung für alle Tierfreunde, die Krimis lieben

Das Taschenbuch ist bei KNAUR erschienen, hat 260 Seiten und kostet 12,99 Euro. Das E-Book kostet normalerweise 4,99 Euro, ist im Moment aber noch für 2,99 Euro erhältlich.


Donnerstag, 13. September 2018

"Hildegard von Bingen - die mächtigste Nonne des Mittelalters" von Maria Regina Kaiser

Hildegard von Bingen wird von den Meisten wohl mit Naturheilkunde in Verbindung gebracht. Kräuterkissen, Tinkturen, ja selbst Dinkelbrot schmücken sich mit ihrem Namen. Doch Hildegard von Bingen war viel mehr als nur eine Kräuterkundige. Die von Maria Regina Kaiser spannend geschriebene Romanbiografie „Hildegard von Bingen“ trägt den Untertitel „Die mächtigste Nonne des Mittelalters“. In diesem Buch begleiten wir Hildegard auf ihrem Lebensweg. Wir erfahren, wie sie bereits als kleines Kind von vier Jahren die ersten Visionen hatte, in denen das „Lebendige Licht“ ihr Dinge zeigte, die anderen verborgen waren. Hildegard kommt 1098 auf die Welt und ist als zehntes Kind der Familie von Bermersheim der Kirche versprochen. Es ist die Zeit der der ersten Kreuzzüge. Männer und ganze Familien machen sich auf den Weg ins Heilige Land. Junge adlige Frauen strömen scharenweise in Klöster, um dort abgeschieden von der Welt als Jesu versprochene Braut zu leben. Die beträchtlichen Mitgiften, wie Viehherden Fischteiche oder ganze Dörfer, verhalfen den Klöstern zu Reichtum. Der Autorin gelingt es, ein lebendiges Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Hildegard wurde zur Universalgelehrtin ihrer Zeit, sie diktierte Bücher, komponierte Musik, heilte Kranke und gab die Worte weiter, die das „Lebendige Licht“ ihr auftrug. Interessant, wie sie und andere Frauen (z.B. Hildegards Freundin Rikkar von Stade) es verstanden, in dieser von Männern dominierten Zeit, Macht und Einfluss auszuüben. Hildegard war von Kindheit an kränklich, hatte Lähmungen und Krämpfe, die sie oft tagelang ans Bett fesselten. Trotzdem war sie eine sehr starke Frau. Sie schöpfte ihre Kraft aus dem Glauben an Gott und der Demut ihm gegenüber. Was er ihr in ihren Visionen auftrug, setzte sie gegenüber ihren Mitmenschen durch. Aufgeben konnte und wollte sie nicht. 

Das Buch war spannend wie ein Roman zu lesen. Auch wenn der religiöse Fatalismus der adligen Jungfrauen mir aus heutiger Sicht fast unbegreiflich ist, so fand ich es sehr interessant, über das Klosterleben zu lesen. Sich freiwillig einmauern zu lassen! Jahre- bzw. jahrzehntelang nicht ins Freie zu gehen! Die Autorin ist bekannt als Expertin für das Leben der Hildegard von Bingen. Trotz der vielen Fakten und historisch überlieferten Persönlichkeiten liest sich das Buch leicht und fließend. Der Anhang enthält eine Kurzzusammenfassung von Hildegards Lebenslauf, eine Aufstellung der weiteren handelnden, historischen Personen und ihrer Bedeutung, sowie ein Glossar mit Worterklärungen, ein Orts- und ein Literaturverzeichnis. Sehr übersichtlich zum Nachschlagen.

Historische Porträts und Illustrationen der von Hildegard empfohlenen Kräuter schmücken das Buch. Auch das Cover gefällt mir sehr gut. 


Fazit: Ein spannendes Buch über eine faszinierende Frau. Sehr lesenswert. 5***** 

Das Buch ist im Verlag Herder erschienen. Die gebundene Ausgabe (Hardcover) hat 256 Seiten und kostet 22 Euro. Das E-Book ist für 16,99 Euro erhältlich. 


Mittwoch, 29. August 2018

"Gabriele Münter - ein Leben zwischen Kandinsky und der Kunst" von Stefanie Schröder

Gabriele Münter, geboren 1877 in Berlin. Obwohl es für Frauen zu ihrer Zeit verboten war, an der Kunstakademie zu studieren, erfüllte sie sich ihren Traum und lernte die Grundlagen, das „Handwerk“ an der Phalanx, einer privaten Kunstschule, wo auch Kandinsky lehrte. Ihre Herkunft aus reichem Fabrikantenelternhaus und verständnisvolle ältere Geschwister ermöglichten ihr dieses. Gabriele Münter, auch Ella genannt, hatte großes Talent, ein Gefühl für das Wesentliche, das sie auf ihren eindrucksvollen Bildern festhielt. Wassili Kandinsky erkannte und förderte dies nicht nur, er verliebte sich in Ella, beide waren über 15 Jahre ein Paar. Trotz der Vorteile, die Gabriele Münter aus dieser Verbindung zog (z.B. Zugang zu anderen Künstlern und Galerien, Mitbegründerin des „Blauen Reiters, usw.) blieb Münter während dieser Beziehung immer im Schatten Kandinskys. Wie sehr sie emotional und in ihrer Kreativität von Kandinsky abhängig war, zeigte die jahrelange Schaffenskrise, in die Gabriele Münter nach der für sie schmerzhaften Trennung stürzte. Erst mit Hilfe ihres neuen Gefährten Johannes Eichner, Kunsthistoriker, fand sie wieder zur Malerei zurück und wurde eine eigenständige Künstlerin.

Das Buch will eine Romanbiografie sein und ist somit beides - Roman und Biografie - nur halb. Für einen Roman mit so vielen Fakten gespickt, dass diese in der Geschichte untergehen. So sehr ich die Akrebie bewundere, mit der diese vielen kleinen Puzzleteile zusammengetragen wurden - Briefzitate, Daten, Personen - hätten viele Hintergründe, wie Geburtsdaten der zahlreichen Personen und Künstler, denen Gabriele Münter während ihres Lebens begegnete, für mich besser in ein leider nicht vorhandenes Personenverzeichnis im Anhang gepasst. Verwirrend fand ich die Sprünge zwischen den verschiedenen Zeitformen der Erzählung. Größtenteils Vergangenheit, dann plötzlich ein Absatz in der Gegenwart, ohne für mich erkennbaren logischen Grund, oder gar Zukunft (... dann und dann würde sie das und das getan haben). Einfach zu lesen ist dieses Buch nicht. Es enthält 15 schwarzweiße Abbildungen, historische Fotos von nicht bester Qualität, die auf dem verwendeten Papier des Buches noch an Aussagekraft verlieren. Ich kam nicht umhin, parallel nach Bildern zu googeln.


Fazit: Gabriele Münter war eine faszinierende Künstlerin, die es verdient hat, dass man sich an sie erinnert. Dieses Buch hat trotz der beschriebenen Schwierigkeiten mein Interesse an ihr geweckt. Es gibt auf dem Markt allerdings leichtere Zugangswege zum Leben und Werk dieser Frau. 3***

Das Buch ist im Verlag Herder erschienen. Die Gebundene Ausgabe (Hardcover) hat 256 Seiten und kostet 22 Euro. Das E-Book ist für 16,99 Euro erhältlich.


Montag, 20. August 2018

"Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie" von smarticular

Zwischen 40 und 60 Drogerieprodukte stehen in einem durchschnittlichen Haushalt. Diese mit nur fünf Hausmitteln zu ersetzten, klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Nur sind diese Fünf - Natron, Soda, Essig, Zitronensäure und Kernseife - eben die Grundlage aller Power-, Hyper-, Supersauber-Reiniger. Was und wieviel in den käuflich zu erwerbenden bunten Packungen sonst noch so drin ist, wollen wir am besten gar nicht wissen. Dabei geht es einfacher, umweltbewusster und billiger. Zugegeben, ein bisschen Mitdenken und Experimentierfreude sind gefragt, wenn man z.B., je nach Verschmutzungsgrad der Wäsche, mit Soda, Natron und Kernseife in unterschiedlichsten Anteilen ans Werk geht. Bei der Körperpflege kommt man nicht unbedingt mit den fünf Grundsubstanzen aus. Es hängt vom eigenen Wohlbefinden ab, ob man auf ätherische Öle, Stärke o.ä. nicht verzichten mag. 

Grundsätzlich bietet das Buch, nach Anwendungsgebieten wie Reinigung, Ernährung, Körperpflege, Garten usw. geordnet, eine Vielzahl von Rezepten und Anwendungsmöglichkeiten der fünf Hausmittel. Wichtig ist, sich einmal mit den fünf Ausgangsstoffen und ihrer chemischen Wirkung zu befassen, die Warnhinweise zu beachten und z.B. Soda und Backsoda (= NATRON!) nicht zu verwechseln. Gut gefallen haben mir auch die Tipps zu Bezugsmöglichkeiten. Jeder kann selbst entscheiden, ob er in Online-Shops oder im Drogeriemarkt vor Ort kaufen möchte. Oder alternativ in Apotheke oder Unverpacktladen seine mitgebrachten Gefäße befüllen lässt. Der Verweis auf die Website smarticular.net taucht immer wieder auf und spricht für die Wahl des ebenfalls erhältlichen E-Books, in dem man die zahlreich angebotenen Links direkt anklicken kann.

Ich habe klein begonnen und zunächst die Hortensie erfolgreich gegen Mehltau behandelt (Natron), ein paar hässliche Flecken auf dem Fußboden entfernt (Soda). Zitronensäure zum Entkalken nutze ich schon länger, ebenso wie Kernseife auf Reisen für die Handwäsche. Wenn es kühler wird, möchte ich unbedingt die Badebomben ausprobieren und auch die Waschmaschine darf sich auf neues Waschmittel freuen. Backpulver in den kleinen teuren Tütchen brauche ich nie wieder kaufen, denn dafür kann ich nun aus dem großen Natrongefäß schöpfen. 


Fazit: Ein geniales Buch für alle Experimentierfreudigen, die umweltfreundlich(er) leben wollen. 5*****

Das Taschenbuch ist im smarticular Verlag erschienen, hat 192 Seiten und kostet 14,95 Euro. Das E-Book, welches ich aus dem oben genannten Grund empfehle, ist für 9,99 Euro erhältlich.




smarticularsmarticular

Montag, 11. Juni 2018

Wildkräuter aus Topf und Garten von Heide Bergman und Ulrike Armbruster

„Wildkräuter aus Topf und Garten“ klingt zunächst wie ein Widerspruch. Wozu mühsam kultivieren, was in der Natur von allein wächst? Doch nicht jeder hat das Glück, dass die beschriebenen Kräuter in seine näheren Umgebung frei und sauber wachsen, und auch für diejenigen, die tatsächlich nur sammeln, statt vorher anzubauen, ist dieses Buch eine wahre Schatzgrube. 

Wer mit leeren Beeten und Töpfen beginnt, erfährt zunächst einmal, wie er Wildkräuter kultiviert, ihre Samen sammelt und was es bei der Aufzucht zu beachten gibt. Nach ein paar allgemeinen Tipps zur Verwendung der Wildkräuter in der Küche, wird es dann konkret. Vorgestellt werden 25 verschiedene Wildpflanzen, von Bärlauch bis Schaumkraut. Auch sogenannte „Unkräuter“, die von vielen Gärtnern zu Unrecht verschmäht werden, erfahren ausreichend Würdigung, so beispielsweise der Giersch, die Vogelmiere oder die Brennnessel. Die Kapitel zu den einzelnen Pflanzen sind alle ähnlich aufgeteilt: zunächst lesen wir über deren Vorkommen in der freien Natur, dann über den Anbau in Topf und Garten, erfahren, was die Pflanze besonders wertvoll macht und wie sie in der Küche verwendet wird. Die Abschnitte mit den Rezepten und dazugehörigen Fotos lassen einem schon beim Durchblättern des Buches das Wasser im Munde zusammenlaufen. Und genau hier wird der Wert des Buches für mich weitaus größer, als der Titel zunächst vermuten lässt. Der Leser, vor dessen Tür oder in dessen Garten die beschriebenen Wildpflanzen von ganz allein wachsen, muss nichts weiter tun, als zur rechten Zeit ernten und genießen. Genau dazu laden die Rezepte nämlich ein. Und „Giersch wegessen“ klingt doch viel interessanter als „Giersch jäten“ ;-)

Ein ausführliches Stichwort- sowie Rezeptverzeichnis, interessante Links, Bezugsmöglichkeiten, eine Übersicht über die Pflanzen nach Jahreszeit ihrer Verwendung sowie Heilkräfte der aufgeführten Wildkräuter runden die Informationsfülle des Buches ab.


Fazit: 5***** und Empfehlung für jeden, der sich für Wildkräuter interessiert bzw. sich erstmals mit diesem Thema beschäftigt. 

Das Taschenbuch aus dem Ulmer Verlag hat 160 Seiten, unzählige Farbfotos, 90 Rezepte und kostet 19,90 Euro, das E-Book ist für 14,99 Euro erhältlich.


Mittwoch, 30. Mai 2018

"Artgerecht" von Dr. Markus Strauß

Dr. Markus Strauß‘ Buch „Artgerecht“ soll eine Art Gebrauchsanweisung für ein artgerechtes menschliches Leben sein. Dafür betrachtet der Autor die Vergangenheit, analysiert die Gegenwart und entwirft die Utopie einer Zukunft, in der wir Menschen wieder leben können, wie es unserer Art entspricht. Denn im Zuge der Menschheitsentwicklung und insbesondere als Folge der industriellen Revolution haben wir uns immer weiter von der natürlichen, gesunden Lebensweise entfernt, die unserer Art (Mensch) gerecht wird.

In 13 Kapiteln beleuchtet Dr. Strauß alle Bereiche unseres Lebens. Angefangen bei den Lebensmitteln und unserem Verhältnis zu Tieren, Pflanzen und Natur, über die Zeiteinteilung, das Miteinander in der Gesellschaft, Beziehung zwischen Frau und Mann und zu unseren Kindern, bis hin zu körperlicher Bewegung und zum Abschluss dem Geld und einer sozialen Gesellschaft der Zukunft. Dabei beginnt der Autor stets mit einer Analyse des Ist-Zustandes und wie wir historisch dahin gekommen sind. Diese Betrachtung führte mir immer wieder vor Augen, wie wir uns vor allem in den letzten Jahrzehnten des scheinbaren Wohlstandes immer mehr in die falsche Richtung bewegt haben. Gefühle wie Wut, Angst und Resignation können aufkommen, wenn man sich bewusst macht, was wir unserem schönen Planeten antun. Doch der Autor ermuntert uns, diese Gefühle zuzulassen, aus ihnen Energie zu schöpfen, nicht zu resignieren, und er liefert am Ende jedes Kapitels Anregungen, was wir im Alltag tun können und wohin unsere Gesellschaft sich entwickeln muss. 

Ersteres sind leicht umsetzbare Ideen, wie z.B. der konsequente Verzicht auf alle gesüßten Getränke, die Anlegung eines Komposts im Garten, bewusstes Schenken und Teilen, ohne Erwartung einer Gegenleistung usw. Die auf die Gesellschaft bezogenen Thesen klingen für mich erstrebenswert, teilweise auch sehr utopisch - Keine Noten im Sportunterricht, keine Einkommenssteuer, bedingungsloses Grundeinkommen, um nur einige zu nennen. Um so wichtiger finde ich dieses Buch. Es verdeutlicht nämlich, dass die Menschheit sich entwickelt, dass wir neolithische und industrielle Revolution hinter uns gelassen haben und uns seit etwa den 1980er Jahren in der Digitalen Revolution befinden. Mit allen Vor- und Nachteilen, die diese Entwicklung mit sich brachte. Wollen wir künftig wieder artgerecht leben, ist die natürliche Revolution notwendig. Nach Dr. Strauß‘ Meinung befinden wir uns da bereits mittendrin und das macht Mut. Erste Schritte, selbst aktiv zu werden, regt der Autor mit dem Abschnitt „Artgerechte Erste Hilfe“ am Ende des Buches an. 

Das Buch ist leichtverständlich geschrieben, man spürt, dass es dem Autor am Herzen liegt, seine Thesen „unters Volk“ zu bringen. Dr. Markus Strauß wurde bisher vor allem mit seinen Veröffentlichungen zu Themen wie essbare und heilenden Wildpflanzen bekannt. Ich finde es wundervoll, wie er in diesem Buch tiefer geht, die menschliche Gesellschaft einbezieht. Ein Buch, das mich oft nachdenklich werden ließ, vor allem aber Mut macht. Danke dafür, Dr. Strauß!


Fazit: Für alle, die sich eine bessere Welt wünschen, absolute Lesempfehlung 5*****

Das Hardcoverbuch aus dem Franckh Kosmos Verlag hat 320 Seiten und kostet 24 Euro. Das E-Book ist für 14,99 Euro erhältlich.


Montag, 28. Mai 2018

"Lametta für ein ganzes Jahr" von Tina Schlegel

Das kleine Büchlein von Tina Schlegel vereint ausgewählte Dialoge mit ihrer Tochter. Mona ist inzwischen sieben Jahre alt, die Gespräche über Gott, Einhörner, Liebe, Ameisen ... begannen aber wohl kaum, dass sie sprechen konnte. Zwischen den Zeilen spürt man eine tiefe Verbundenheit zwischen Mutter und Tochter, das große Vertrauen, das beide zueinander haben. Immer wieder freudig verblüfft hat mich die tiefe Weisheit, die Monas Worte offenbaren. Ein freier Geist, der Religion genauso hinterfragt wie politische Meldungen aus dem Radio. Kindermund tut Wahrheit kund, sagt man. Die Welt könnte so einfach sein, dachte ich an mancher Stelle. Andere Erlebnisse, wie z.B. die Sache mit den „hässlichen Breezen“, sind einfach nur lustig. Unterhaltsam ist das Büchlein auf jeden Fall. Viele Gespräche ließen mich aber auch nachdenklich werden. Wir haben in unserem Leben so viel gelernt, was uns beigebracht wurde. Dies tut man so, weil, ... Und das muss so sein, damit ... Kinder sehen die Welt anders, unverdorbener von fremden Meinungen. Somit ist das Büchlein vielleicht auch eine Anregung für uns Erwachsene, einfach ab und zu mal ein wenig kindlicher zu denken und zu handeln, Dinge zu hinerfragen oder anders zu machen. Das könnte tatsächlich ganz schön schlau sein. 

Fazit: 5***** Dialoge voller Liebe, Weisheit und Humor. Ein schönes Mitbringsel / Geschenk für Menschen, die man gern hat. 


Lametta für ein ganzes Jahr hat 120 Seiten, ist 12 x 12 cm groß, im Scribo-Verlag erschienen und kostet 5 Euro. 


Donnerstag, 12. April 2018

"Unterwegs mit Bodie" von Belinda Jones

Belinda glaubt, in Nathan die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben. Doch der Marineoffizier verlässt sie, weil er ihr eine mehrmonatige Trennung durch seinen Dienst nicht zumuten will. Für Belinda scheint das Leben sinnlos, sie ist sozusagen am Ende. Genau wie Bodie, der schon so lange im Tierheim lebt, dass demnächst die Todesspritze auf ihn wartet. Eine glückliche Fügung führt die Beiden zusammen und schenkt ihnen neuen Lebensmut. Schon nach kurzer Zeit beschließt Belinda, mit Bodie über 3000 Kilometer die amerikanische Westküste hinaufzureisen, von Los Angeles bis Portland. 

Ich fand Belindas Schilderung der ersten Erlebnisse mit Bodie amüsant und fühlte mich an meine erste Zeit als Hundebesitzerin erinnert. Wie sich plötzlich alles um den Hund dreht, Kleidung nach Zweckmäßigkeit gewählt und gute Vorsätze, was der Hund darf und was nicht, gefasst und wieder über den Haufen geworfen werden.

Der größte Teil des Buches schildert die Reise der Beiden. Einerseits fand ich diese ausführlichen Reiseberichte faszinierend. Welche Cottages, Restaurants, Läden usw. Belinda und Bodie besuchen und wo sie sich besonders willkommen fühlen. Andererseits gefiel mir auch die Entwicklung der Beziehung zwischen der Autorin und ihrem Hund. Die Schrecksekunden an der stark befahrenen Straße oder auch das Glücksgefühl, den eigenen Hund glücklich und entspannt zu sehen. Rührend fand ich auch Bodies erste Begegnung mit dem Meer. So ähnliche unvergessliche Erlebnisse gibt es im Leben jedes Hundebesitzers. Ich war beeindruckt von der Freundlichkeit, der Belinda begegnee, sowohl Hundebesitzern und als auch ihren vierbeinigen Begleitern gegenüber. Schade, dass mein Hund und ich Belindas so ausführlich beschriebener Route nicht folgen können, auch wenn das Buch direkt dazu einlädt. 

Belinda gewinnt neues Selbstvertrauen, fühlt sich nicht mehr als die von Nathan Verlassene, sondern als die von Bodie Auserwählte. Kleine Selbstzweifel zwischendurch machen die Geschichte um so authentischer. Manchmal kamen mir Belindas Gedanken etwas zu euphorisch-philosophisch vor, was aber durch Situation, in der sie sich befand erklärbar ist. Sie war am Ende und staunt selbst, wie viel Glück wieder in ihr Leben kommt. Durch einen Hund. 

Der in meinen Augen einzige Kritikpunkt ist die Qualität der Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche. Wortwiederholungen innerhalb eines Satzes, die man elegant hätte vermeiden können, und aus dem Englischen übernommener Satzbau störten wiederholt meinen Lesefluss. Wenn ein Satz so verquer formuliert ist, dass ich ihn mehrfach lesen muss, um die Wörter neu zu sortieren und den Inhalt zu verstehen, hat der Übersetzer seine Arbeit nicht gut gemacht. Dafür einen Stern Abzug.

Fazit: Ein lesenswertes Buch für alle Hundefans. 4****

Die gebundene Ausgabe ist im Benevento Verlag erschienen, hat 312 Seiten und kostet 16 Euro. Das E-Book ist für 12,99 Euro erhältlich. 



Mittwoch, 4. April 2018

"Im Bann des Ozeans" von Robert Hofrichter

Dr. Robert Hofrichter überzeugte mich bereits mit „Das geheimnisvolle Leben der Pilze“ davon, dass Sachbücher ebenso spannend zu lesen sein können wie Krimis. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an „Im Bann des Ozeans“. Das Buch beginnt mit einer kurzen, etwas 30-seitigen Einführung, was der Autor alles unter dem Thema Ozean versteht. Von der Entstehung der Erde über die Entwicklung des Lebens bis hin zur Klimaveränderung durch den Treibhauseffekt. Im Folgenden wird jedem dieser Puzzleteilchen, die das Gesamtbild Ozean ausmachen, ein eigenes Kapitel gewidmet. Zum Glück auf die gewohnt begeisterte und begeisternde, gar nicht trockene, sondern unheimlich faszinierende, Hofrichter-Art.

Allgemeinverständlich erklärt der Autor, warum die Ozeane Berge und Dellen mit einem Höhenunterschied von bis zu 200 Metern haben oder warum es bis vor wenigen Jahren verschiedene „Normalnull“ gab. Wir erfahren nicht nur, dass riesige Monsterwellen kein Seemannsgarn sind, sondern auch, soweit bekannt, wie sie entstehen. Und warum das Meer meist blau ist, es aber kein blaues Meer gibt. Nach dieser eher geologischen Einführung wird’s endlich lebendig im Ozean. Wo alles Leben seinen Ursprung hat. Wissenschaftlich gesehen sind wir Menschen sogar mit den Meeresschwämmen vor der australischen Küste verwandt, da wir zu 70 % das gleiche Erbgut haben. 

Vom Urknall bis zur Gegenwart auf rund 150 Seiten geht die Reise. Wir erfahren, dass die Evolution wie ein Sturm über das Urmeer fegte und dass Bewegung die Grundlage alles (Über-)Lebens ist. Im Meer gibt es weit mehr sexuelle, oftmals kuriose Spielarten, als wir Menschen uns vorstellen können. Ebenso verblüffende Freundschaften und Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichsten Meereslebewesen, wie z.B. Putzerfisch und Zackenbarsch, Clownfische (Nemos) und Seeanemonen oder Grundel (ein Fisch) und Krebs. Nicht der weiße Hai ist die größte Bedrohung für Schwimmer und Taucher. Und menschenverschlingende Seeungeheuer sind größtenteils Legenden mit realen, oft harmlosen Vorbildern. Hofrichter räumt mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: Dass Delfine immer gut und Haie immer böse sind. Wir erfahren, dass es selbst in unvorstellbarer Meerestiefe Leben gibt, obwohl dort ewige Dunkelheit herrscht. Was tun, damit sich Männchen und Weibchen in diesem unwirtlichen Lebensraum nicht verlieren? Die Natur hat eine witzige Lösung gefunden.

Doch irgendwann ist auch bei Hofrichter der Spaß vorbei. Nämlich dann, wenn es darum geht, wie wir Menschen systematisch den Lebensraum Ozean zerstören. Ein Satz hat sich bei mir eingeprägt: „Dem Meer sind wir völlig egal, doch das Meer kann uns nicht egal sein.“ Egal, wie weit wir die Zerstörung unseres Lebensraums vorantreiben, der Ozean wird sich davon wieder erholen, den Schaden und den Schädiger überleben. Der Autor warnt jedoch nicht nur, er bringt auch positive, Hoffnung machende Beispiele, wie Menschen mit Vernunft und Einsicht die selbst verursachten Probleme wieder beseitigen. Es ist noch nicht zu spät, um umzudenken und umzukehren und uns und dem Meer eine neue Chance zu geben. 

Das Buch besticht durch seine Sprache, die wenigen, in der Mitte des Buches enthaltenen Farbfotos sind eher zusätzliche Dreingabe als wesentlicher Bestandteil der spannenden Erzählung. Stattdessen empfiehlt der Autor, die entsprechenden Bilder zu googeln, was einerseits ungewöhnlich klingt, andererseits aber zu weiteren Erkenntnissen führt, weil der interessierte Leser so auf Details stößt, die den Rahmen eines Buches sprengen würden. 

Fazit: 5***** und Lesempfehlung für alle, die das Meer lieben und mehr darüber wissen möchten.

Das Hardcover mit Schutzumschlag ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen, hat 240 Seiten und kostet 20 Euro. Das E-Book ist für 15,99 Euro erhältlich.




Dienstag, 3. April 2018

"Siebzehn" von Lyl Boyd

Sechs Kurzgeschichten von Lyl Boyd, bisher nur einzeln erschienen, nun zusammengefasst in dem Büchlein »Siebzehn«. Warum dieser Titel gewählt wurde? Weil die Geschichten im Jahr 2017 entstanden. Das kleine Büchlein verspricht Lesevergnügen für jeden Kurzgeschichtenliebhaber. 

»Justitia« Richter Montgomery hat scheinbar nur zwei Möglichkeiten, ein Urteil über einen mehrer brutaler Morde Angeklagten zu fällen: Schuldig oder nicht schuldig. Oder findet er eine dritte Möglichkeit? - Gut gemacht und irgendwie ein bisschen an die alten englischen Short Storys erinnernd, vor allem in Sprache und Wortwahl. 

»Entenfüttern« Nette Alltagsstudie, die uns allen einen Spiegel vorhält, wohin die Liebe zur virtuellen Realität führen kann. 

»Geliebter Garten« Leicht erotische Züge geben dieser Geschichte einen besonderen Reiz. Die »Auflösung« scheint nicht ganz in unsere heutige Zeit zu passen, ist aber trotzdem ein gern akzeptiertes Happy End für alle Beteiligten. 

»Kriegsveteran« Hier gefiel mir vor allem der Urgroßvater, der keine Angst vor moderner Technik hat. Gedankliche Parallelen und Unterschiede zu »Entenfüttern« zeigen sich. Wobei mir der zum zweiten Mal erhobene Zeigefinger zum selben Thema ein bisschen zuviel des Guten war. Mal ehrlich - wenn jemand beim ersten Date nicht freiwillig das Handy beiseitelegt, wird eh nix draus. ;-) 

»Ein Zeitproblem« - interessant vor allem die gewandelte Bedeutung der einen Sekunde vom Aufhänger der Geschichte bis zum letzten Satz. Lebensentscheidend waren sie beide. 

»Jazz trifft Beat« Dass Musik im Umgang mit Demenz hilfreich sein kann, hatte ich schon früher gelesen. Hier wurde diese Erkenntnis auf rührende Weise umgesetzt. Gut fand ich die Verknüpfung des geistigen Verfalls des Vaters mit dem Untergang des Hüttenwerks. Traurig und nicht aufzuhalten, beides. 

Fazit: Eine nette kleine Kurzgeschichtensammlung. Mit jeder einzelnen Geschichte erreicht Lyl Boyd das, was eine gute Kurzgeschichte ausmacht: Erstens den Leser zu unterhalten und zweitens ihn am Ende nachdenklich zurückzulassen. 5*****


Das Taschenbuch ist bei Book on Demand erschienen, hat 112 Seiten und kostet 8,99 Euro. Als E-Book ist "Siebzehn" (noch) nicht erhältlich.



"Kalter Sand" von Anja Behn

„Kalter Sand“ ist nach „Stumme Wasser“ und „Küstenbrut“ bereits der dritte Krimi um den Kunsthistoriker Richard Gruben, und wieder lässt Anja Behn uns mit Richard an die Ostsee reisen. Ich liebe diese Kombination von vertrauter Küstenatmosphäre und spannendem Krimi, der zum Miträtseln einlädt. Bereits der Prolog wirft Fragen auf - wer wurde vor 6 Jahren von wem ermordet und warum? Bevor wir die Antwort erfahren, begleiten wir Richard im rauen November auf den Darß, wo er zur Vernissage seines alten Freundes und Fotografen Philipp eingeladen ist. Schon bald erfährt Richard von dem alten, ungeklärten Mordfall, und dass Philipp damals der Hauptverdächtige war. Warum hat sein Freund ihm nie davon erzählt, rätselt Richard und forscht auf eigene Faust nach, was damals geschah. Doch der Kunsthistoriker ist nicht der einzige Gast im kleinen Küstenort, der Interesse an dem alten Mordfall zeigt, während die meisten Einheimischen die Sache am liebsten für immer vergessen würden. 

Geschickt wechselt die Autorin die Perspektiven und lässt uns so nach und nach, wie Puzzleteile, kleine Antworten finden, die noch nicht so richtig zusammenpassen wollen. Eben im Kopf des Lesers aufblitzende Theorien müssen bald wieder verworfen werden, weil ein weiteres Detail gar nicht dazu passt. All das passiert vor dem Hintergrund des stürmischen Novembers, wo der Wind an den Fensterläden rüttelt, die feuchte Luft nach Meer schmeckt und die Wellen rauschend an den Strand rollen. 

Ich mag die Charaktere, die Anja Behn beschreibt. Diese Menschen haben ihre Ecken und Kanten, ihre hellen und dunklen Seiten. Nicht jeder, der die Wahrheit verschweigt, verbirgt etwas Böses. Und immer sind starke Frauen dabei, auch wenn sie ihre Stärke manchmal geschickt verbergen. 

Für mich war die Lektüre dieses Buches spannende Unterhaltung und Reise in die alte Heimat zugleich. Herzlichen Dank an die Autorin für dieses erneute Lesevergnügen. Ich freue mich jetzt schon auf Richard Grubens nächste Fahrt an die Ostsee. 


Fazit: Leseempfehlung für alle, die Krimis und das Meer lieben. 5*****

Das Taschenbuch ist im Emons Verlag erschienen, hat 240 Seiten und kostet 10,90 Euro. Das E-Book ist für 8,49 Euro erhältlich.