In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

Mittwoch, 10. Juli 2019

"DNA" von Yrsa Sigurdardóttir (Band 1 Huldar und Freyja)

Nach der Leseprobe  wollte ich unbedingt R.I.P. von dieser Autorin lesen. Da dies aber der dritte Band um Kommissar Huldar und Kinderpsychologin Freyja ist, begann ich logischerweise mit Band 1 - DNA. Nach einem Prolog, der 28 Jahre vor der Haupthandlung spielt, werden wir zunächst in die Idylle eines Hause geführt, wo Elisa mit ihrem Mann und den Kindern lebt. Diese Bilderbuchfamilie wird je zerstört, als ein unbekannter Mann ins Haus eindringt und Elisa auf bestialische und dennoch unblutige Art tötet. Da die siebenjährige Tochter sich unter Mamas Bett versteckt hatte, wird die Kinderpsychologin Freya zu den Ermittlungen hinzugezogen. Dumm nur, dass sie und Huldar sich bereits begegnet sind und Freya zu recht sauer auf Huldar ist. Die Spannung zwischen diesen beiden Figuren tut der Geschichte gut, auch wenn sie beide dadurch nicht immer rational handeln. Da es weitere Morde gibt, die auf denselben Täter hinweisen, aber keinerlei Verbindung zwischen den Opfern, tappen die Ermittler lange Zeit im Dunklen. Ein Amateurfunker, der mit den Fällen erstmal gar nichts zu tun hat, kommt dem Zusammenhang Schritt für Schritt auf die Spur ... 

Mir gefiel vor allem die spannende Story, bei der ich lange miträtselte, wie wohl alles zusammenhängt. Auch die im Buch eingestreuten Informationen über Island waren sehr interessant. Und erst die Mordmethoden! Wie kommt man auf sowas??? Die Protagonisten, insbesondere Karl, aber auch Freyja und Huldar denken viel und immer wieder das Gleiche. Das nimmt ein bisschen den Schwung aus der Geschichte, denn sie bestätigen doch durch ihr Verhalten die bereits geäußerten Gedanken. Das kapiert der Leser auch ohne wiederholende gedankliche Monologe. Auch der Sprachstil ließ mich manchmal stolpern, was aber auch an der Übersetzung liegen kann. 

Fazit: ein spannender Thriller, der die Vorfreude auf Band 2 und 3 „SOG“ und „R.I.P.“ noch erhöhte. 4****

Das Taschenbuch ist im btb Verlag erschienen. Es hat 512 Seiten (inklusive Leseprobe zu Band 2 "SOG") und kostet 10 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich, das gebundene Buch für 19,99 Euro. 






Dienstag, 11. Juni 2019

"INSELblau" von Stina Jensen

„INSELblau“ ist der erste Teil der Inselfarben-Romane von Stina Jensen. Dieses Buch hat mir das verregnete Pfingstwochenende versüßt. Besonders gefiel mir, dass sowohl Langeoog als auch Mallorca eine Rolle im Buch und im Herzen der Hauptfigur Svea spielen. Diese doppelte Inselliebe kann ich so gut nachvollziehen. So durfte ich beim Lesen mit Svea immer wieder von der rauen Nordseeküste zum sonnigen Strand Mallorcas und zurück wechseln. Das norddeutsche Heimatgefühl, ihre sichere Beamtenstelle an der Grundschule in Oldenburg, ihr geliebter Opa auf Langeoog oder der Traum von Mallorca, die Tapasbar, ihre heimliche Jugendliebe ... Svea ist hin und hergerissen. Irgendwie passt Tobi perfekt dazu, oder doch nicht? Eigentlich war es von Anfang an ziemlich klar, wo die Geschichte mit einigen Überraschungen, Irrungen und Wirrungen hinführen müsste. Aber das ganze Hin und Her war spannend, die Beschreibungen der rauen Heimat im Norden und des nicht immer sonnigen Südens weckten auch bei mir Erinnerungen und Sehnsüchte. Ich mag Stina Jensens Schreibstil, er ist ausgefeilt und gerade deshalb leicht und sehr gut zu lesen. Und das Beste ist, dass nach „INSELblau“ noch mehrere weitere Inselfarben folgen, in denen die bekannten Figuren wieder auftauchen. So spielt Nebenfigur Wiebke die Hauptrolle in „INSELgrün“ ... Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Inselfarben. 


Fazit: Sommerlich leichte Urlaubslektüre. 5*****

Das E-Book ist im Sótano Verlag erschienen und kostet 0,99 Euro.




"Johannisglut" von Karin Joachim

Der Ahrsteig dient als Schauplatz für Karin Joachims dritten Ahrtal-Krimi. Nach genau dreißig Jahren trifft sich eine ehemalige studentische Theatergruppe zu einer Wanderung. Jana Vogt, die Tatortfotografin, wird von ihrer Freundin Meike, der Wanderleiterin, gebeten, die Gruppe zu begleiten und Fotos zu machen. Dass Jana nicht nur Wanderer vor der romantischen Kulisse der Felsen und Weinberge fotografieren würde, sondern bald einen echten Tatort, hat sie nicht erwartet. Vor dreißig Jahren verschwand ein Mitglied der Theatergruppe spurlos. Zufälligerweise bekam Jana diesen alten Fall vor Kurzem auf ihrem Schreibtisch. Nun möchte sie gern wissen, was damals wirklich passierte und hört sich unauffällig unter den Mitgliedern der ehemaligen Theatergruppe um. Bis ein Mord geschieht und sie ihre wahre Identität nicht länger verbergen kann. Die Vermutung liegt nahe, dass der alte Vermisstenfall und der aktuelle Mord zusammenhängen ...

Dieses Buch hat mich nun schon zum dritten Mal Jana Vogt und ihren Hund Usti ins Ahrtal begleiten lassen. Zum Einen gefielen mir die Beschreibungen der Landschaft und insbesondere der Wanderung entlang des Ahrsteigs so gut, dass ich unbedingt selbst einmal dort entlang wandern möchte. Zum Anderen zogen mich der dreißig Jahre alte Vermisstenfall und der aktuelle Mord in ihren Bann. Ich wollte unbedingt wissen, ob und wie sie zusammenhängen. Angenehm fand ich die Fortsetzung der Geschichte von Jana und Clemens. Die Beiden ergänzen einander beruflich und privat sehr gut. Trotzdem grübelt Jana immer noch sehr viel, aber so ist sie eben. Mit der Figur der Jana hat Karin Joachim eine lebensechte, liebenswerte und doch in sich widersprüchliche Figur geschaffen - so wie Menschen im wirklichen Leben sind. Man kann diesen Krimi durchaus lesen, ohne vorher „Krähenzeit“ und „Bittertrauben“ gelesen zu haben. Schöner ist es allerdings, wenn man Janas private Geschichte der Reihe nach mitverfolgt. 

Hilfreich war die kleine gezeichnete Landkarte im vorderen Teil des Buches. 

Fazit: Ein schöner Krimi zum Wegschmökern, der ohne Gewaltszenen auskommt und dennoch bis zuletzt spannend bleibt. 5*****


Das Taschenbuch hat 288 Seiten, ist im Gmeinerverlag erschienen und kostet 12 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich. 


Mittwoch, 15. Mai 2019

"Mach dieses Buch zum Bienenhaus" von Lynn Brunelle und Anna-Maria Jung

„Mach dieses Buch zum Bienenhaus“, so lautet der Titel. Das Buch ist zum Glück mehr als ein Bastel-Set, mit dem Kinder ihr eigenes Häuschen für Wildbienen bauen können. 

In großer, kindgerechter Schrift und mit vielen bunten Bildern informieren die ersten Seiten über verschiedene Bienenarten, ihre Lebensbedingungen sowie ihre näheren Verwandten wie z.B. die Wespen. Eine Überschrift wie „Nicht alle Wespen sind gefährlich“, halte ich, vorsichtig ausgedrückt, aber für etwas unglücklich gewählt. Schön und interessant sind die meisten Experimente, mit denen beispielsweise der Flügelschlag oder das Bewegung verursachende Summen einer Biene nachempfunden werden kann. Das empfohlene Alter von 6 bis 12 Jahren passt, da bei den meisten Experimenten sowieso die Hilfe eines Erwachsenen benötigt wird, und sei es nur, um die Utensilien bereitzustellen. So weit noch okay. 

„Mach dieses Buch zum Bienenhaus“ – sollte, wenn man den Titel wörtlich nimmt, die Krönung der Experimente sein. Dazu habe ich gleich mehrere kritische Anmerkungen. Für den Bau verwendet werden 48 Blätter dieses Buches und jede Menge Klebestreifen. Die Fummelarbeit, 48 Röhrchen zu formen und ihnen den Boden zuzukleben, kann man ja noch als Geduldsübung fürs Kind ansehen bzw. mehrere Geschwister gleichzeitig beschäftigen. Allein die Menge des verwendeten Klebestreifens halte ich für fragwürdig. Was aber meiner Meinung nach gar nicht geht, ist grundsätzlich Papier als Material für eine Bienenbehausung. Wenn der Sommer mal nicht so trocken ist wie 2018, nehmen die Papierröhrchen Luftfeuchtigkeit auf, fangen an, weich zu werden und zu schimmeln. Todesfalle statt Kinderstube für die Bienenbrut! 

Das Buch bedient sich des erwachten Interesses am Wohl der Wildbienen. Meiner Meinung hat der zahlenmäßige Rückgang dieser nützlichen Insekten aber wenig mit fehlenden Behausungen zu tun. Viel schlimmer ist, dass die Wildbienenarten immer weniger Nahrung finden. An der Stelle müsste man ansetzen. Beispielsweise bienenfreundliche Pflanzen statt pflegeleichter Schottergärten, kein Einsatz von Unkraut- und Insektenvernichtungsmitteln, keine Gülle auf die Wiesen, wo dann nur noch Löwenzahn innerhalb eines kurzen Zeitfensters blüht usw. Mit ein paar Papierröllchen und meterweise Tesafilm helfen wir den Bienen nicht. 

Und noch eine Kritik zum Produkttext in den Online-Shops. Zitat: „Im anschließenden Quiz- und Rätselteil können die jungen Leser ihre Kenntnisse testen.“ Diesen Teil habe ich in unserem Buch nicht entdecken können. 

Fazit: Einerseits spürt man, dass viel Liebe und Mühe in dieses Buch investiert wurden. Andererseits hätte die Autorin statt ihre geliebten Familienmitglieder besser einen Bienenexperten mit ins Boot holen sollen. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Ich kann dieses Buch insgesamt nicht empfehlen. 2**

Das Softcoverbuch im Format 19,5 x 24,6 x 1,7 cm hat 192 Seiten, von denen 100 mit bunten Mustern bedruckt und für den Bau des Bienenhauses vorgesehen sind. Empfohlen für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren. Das Buch ist bei Ullmann Medien erschienen und kostet 14,99 Euro. Die 15 euro sollte man lieber in bienenfreundliche Pflanzen investieren.



Dienstag, 14. Mai 2019

Buchverlosung "PLASTIKSPARBUCH" aus dem smarticular Verlag

Das „PLASTIKSPARBUCH“ aus dem smarticular Verlag will helfen, Plastikmüll zu vermeiden. Über 300 nachhaltige Ideen und Alternativen, um der Plastikflut zu entkommen, so wird das Buch beworben. Brauchen wir so ein Buch? Genügt nicht der gesunde Menschenverstand? Zunächst einmal braucht es unsere Bereitschaft, wirklich Plastikmüll vermeiden zu wollen. Und damit meine ich nicht nur Wir-verzichten-auf-Plastikstrohhalme und bringen-unseren-eigenen-Coffee-to-go-Becher-mit

Fast alles ist heute in Plastik verpackt – gekühlte und ungekühlte Lebensmittel, Reinigungsmittel und Kosmetika, selbst frisches Obst und Gemüse oder T-Shirts. Bei uns im Landkreis wird „der-grüne-Punkt-Müll“, also Verpackungsabfall, 14-tägig in sogenannten gelben Säcken mit ca. 60 Liter Fassungsvermögen abgeholt. Wenn ich sehe, was am Müllabfuhrtag vor den Türen liegt, dann füllt im Schnitt eine Person in 14 Tagen einen Sack von 50 bis 60 Litern nur mit Verpackungsmüll, der im schlimmsten Fall auf Umwegen nach Südostasien verkauft wird und dort Meer und Strände verseucht. 

Was können wir dagegen tun? Das „PLASTIKSPARBUCH“ gibt Anregungen und Tipps, die im Einzelnen kaum Mühe machen. In der Summe aber hilft jedes Stück Müll, das vermieden wird. 

Das Buch beginnt nach einer kurzen Einleitung praktischerweise mit dem Kapitel Wocheneinkauf. Denn was wir hier nicht in den Einkaufswagen legen und nach Hause tragen, müssen wir später nicht entsorgen. Selbst wenn kein Unverpacktladen in der Nähe ist, kann man Verpackungsmüll und unnötigen Energieaufwand vermeiden. Großpackungen, mitgebrachte Einkaufsgefäße, regional und saisonal kaufen usw. helfen dabei. 

Weitere Kapitel befassen sich mit Küche, Ernährung, Körperpflege, Haushalt, Wäsche waschen, Kindern, unterwegs sein und noch mehr Plastik sparen. 

So lassen sich zum Beispiel viele Haushaltsreiniger und Kosmetika selbst herstellen. Das spart nicht nur Verpackungsmüll, sondern auch Chemiegifte, die nun nicht mehr auf unsere Haut und in unser Abwasser gelangen. Statt immer gleich die Super-Power-Fleck-weg-porentief-rein-Chemiekeule einzusetzen, ist es sehr hilfreich, sich auf die guten alten Hausmittel zurückzubesinnen. Eine Flasche Essigessenz ergibt die fünffache Menge an Haushaltsessig – und ungeahnte Möglichkeiten, vom Badputz über Fleckentfernung in Kleidungsstücken bis zum Weichspülerersatz in der Waschmaschine.

Beim Lesen des Buches erlebte ich ganz oft kleine Glücksmomente, wenn ich dachte – hey, das haben wir doch früher genauso gemacht! Zum Beispiel Essbesteck in einer Bestecktasche mitgenommen, statt unterwegs zum (damals nicht vorhandenen) Plastikbesteck zu greifen. Einkaufsnetze gehäkelt. Ringelblumensalbe selbst hergestellt, usw. 

Das PLASTIKSPARBUCH steckt voller Anregungen und Ideen. Ich wünsche diesem Buch ganz viele Leser, die sich von der Begeisterung für das Plastikeinsparen anstecken lassen. Darum freue ich mich, dass der smarticular Verlag mir ein zweites Exemplar dieses Buches für eine Verlosung zur Verfügung gestellt hat. Was müsst Ihr tun, um das Buch zu gewinnen? Schreibt einfach in den Kommentaren eine Möglichkeit, die Ihr bereits nutzt, um Plastikmüll zu vermeiden. Vergesst Euren Namen nicht, denn unter allen, die kommentieren, verlose ich am 21. Mai das „PLASTIKSPARBUCH“. Viel Glück.


Für alle, denen das Losglück nicht hold sein sollte, oder die das Buch jetzt schon unbedingt haben wollen: Das „PLASTIKSPARBUCH“ ist im smarticular Verlag erschienen, hat 288 Seiten aus umweltfreundlichem Recyclingpapier und viele schöne bunte Bilder. Es kostet 16,95 Euro (in Österreich 17,40 Euro). Das E-Book ist für 11,99 Euro erhältlich. 





Mittwoch, 20. März 2019

"Mädchenwiese" von Martin Krist

Mädchenwiese, das klingt nett, harmlos und irgendwie niedlich. Doch die Bedeutung dieses Ortes hat sich gewandelt, plötzlich wird eine Tote dort abgelegt. Und Lisa, die Tochter von Laura, ist verschwunden. Ist die Sechzehnjährige wirklich nur abgehauen, weil sie die Schnauze voll hat von ihrer ewig nörgelnden, seit Kurzem alleinerziehenden Mutter? Ihr kleiner Bruder Sam weiß etwas, doch er hat versprochen, zu schweigen. Er, der von den großeren Kindern immer nur geärgert wird, ist für mich neben Berta, der „Dorfhexe“, eine der interessantesten Figuren der Geschichte. Wie er sich der Angst um seine Schwester stellt, und, weil ihm niemand zuhört, selbst aktiv wird, ist nachvollziehbar und  liebenswert beschrieben. Die Handlung springt immer wieder in die Vergangenheit, als Berta jung war, Träume hatte. So begreift man als Leser langsam, welche Ereignisse von damals ihre bösen, tödlichen Schatten bis in die Gegenwart werfen.

Laura als hoffnungslos überforderte Mutter, die alles richtig machen will und doch das Gefühl hat, nichts wirklich hinzubekommen. Alex, der Expolizist, der nun die Dorfkneipe führt und selbst einen dunklen Fleck in seiner Vergangenheit hat. Frank, Lauras Nachbar, Schwager und ermittelnder Polizist. Lisa, die verschwunden ist ... Fast alle Figuren wirken sehr lebensecht und unverwechselbar mit ihren Sehnsüchten und in ihrer Unperfektheit. Manche Szene wollte in meinem Kopf aber einfach kein schlüssiges Bild ergeben, z.B. Lisas Begegnung mit Silke und wie sie gemeinsam herumkichern. Oder die Auflösung, weil aus meiner Sicht lange nichts an der Figur auf "die Bestie" hindeutete. Natürlich sollte das, wie die vielen gut platzierten Cliffhanger, die Spannung erhöhen. Aber in so einem Fall fühle ich mich als Leser ein bisschen an der Nase herumgeführt. Auch zeitlich hatte ich ein Problem mit der Einordnung von Berta, der „Greisin“, die lt. meiner Rechnung um die 60 Jahre als sein müsste. Diese kleinen Stolpersteinchen ändern aber nichts daran, dass ich mich richtig gut unterhalten gefühlt habe und das Buch innerhalb von zwei Tagen durchlesen musste.

Fazit: Ein geschickt und spannend konstruierter Thriller. Leseempfehlung. 4****

Das Taschenbuch ist bei epubli erschienen, hat 417 Seiten und kostet 12,99 Euro. Das E-Book ist momentan zum Einführungspreis der Neuauflage für 0,99 Euro erhältlich. 



Montag, 11. März 2019

"Ganz Ohr" von Thomas Sünder und Dr. Andreas Borta

Vor wenigen Tagen, am 3. März, war der Welttag des Hörens. Passend dazu erschien Ende Februar "Ganz Ohr - Alles über unser Gehör und wie es uns geistig fit hält“. Thomas Sünder begann aus persönlicher Betroffenheit, sich mit dem Thema Gehör zu befassen. Zwölf Jahre lang arbeitete er als DJ, hatte sich an seinen Tinnitus und einseitig eingeschränkte Hörfähigkeit gewöhnt. Heftige Schwindelanfälle warfen ihn aus der Bahn. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Mediziner Dr. Andreas Borta, recherchierte Thomas Sünder. Dabei geht er zurück bis zu den Urtierchen, denn vor dem Gehör entstand der Gleichgewichtssinn, der heute ebenfalls in unseren Ohren zu finden ist. 

Das Buch liest sich von Anfang an gut und flüssig. Mir persönlich waren die Erklärungen über die Entwicklung seit der Urzeit allerdings etwas zu ausführlich, diese hätte ich mir etwas kompakter gewünscht. Die persönliche Geschichte Thomas Sünders dagegen liest sich sehr viel spannender. Traurig sind die Einblicke in unser „Akkord-Gesundheitssystem“. Ohne seinen Freund, Dr. Andreas Borta, wäre Herr Sünder als Patient niemals optimal behandelt worden. Auch das ist ein Grund, warum ich dieses Buch für wichtig halte. Je mehr wir als medizinische Laien wissen, um so besser können wir vorbeugen, um im besten Fall gar nicht erst zum Patienten zu werden. Das ist für mich die wichtigste Botschaft des Buches. Auch dass Schwerhörigkeit mehr als nur ein lästiges Übel ist und Menschen, die ihr Hörgerät nicht regelmäßig benutzen, „... weil die Batterien so teuer sind“, sich erhöhtem Demenzrisiko aussetzen, war für mich neu. Und falls wir doch als Patienten zum Ohrenarzt müssen, hilft dieses Buch, die richtigen Fragen zu stellen. Insofern finde ich es schade, dass das Buch zwar den Untertitel trägt „Alles über unser Gehör ...“, aber z.B. die Mittelohrentzündung samt ihren Risiken nicht aufgeführt ist. Ebenso vermisse ich ein Register, um bestimmte Schwerpunkte später noch einmal gezielt nachlesen zu können. Viele interessante Fakten, die Erwähnung finden, lassen sich nur schwer wiederfinden. 


Fazit: Ein interessantes, wichtiges Buch. Das vermittelte Wissen über unser Gehör kann helfen, die eigene Gesundheit zu erhalten. 4****

Das Buch ist broschiert im Goldmann Verlag erschienen, hat 384 Seiten und kostet 14 Euro. Das E-Book ist für 11,99 Euro erhältlich. 


Donnerstag, 14. Februar 2019

"Less Meat, Less Heat - Ein Rezept für unseren Planeten" Paul McCartney

Sir Paul McCartney äußert sich in seinem Büchlein „Less Meat, Less Heat“ zu den negativen Folgen unsres stark gewachsenen Fleischkonsums und gibt Anregungen, was wir besser machen können. Er selbst ist bereits seit mehr als 40 Jahren Vegetarier. Seine Argumente sind nicht neu, jeder, der sich mit Vegetarismus oder Veganismus beschäftigt, hat sie bereits gehört oder gelesen. Aber die Art und Weise, wie sie hier präsentiert werden, spricht an – das kleine Büchlein hat nur 72 Seiten, inklusive Abbildungen und drei Rezepten von Sir Paul. 

Es enthält eine Rede, die McCartey am 3. Dezember 2009 bei einer öffentlichen Anhörung im EU-Parlament gehalten hat. Vorausgegangen war sein Einsatz für einen fleischfreien Montag (oder einen anderen Wochentag), der in Schulen, bei Behörden und Unternehmen weltweit Anklang fand. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an den Aufschrei, der durch Deutschland ging, als die Grünen 2013 im Wahlkampf zur Bundestagswahl einen „Veggieday“ pro Woche auch für Deutschland forderten. Sie wurden als Partei der Verbote und Spaßverderber beschimpft. Weil niemand, der sich gegen dieses Ansinnen wehrt, über den eigenen Tellerrand blickt. Hauptsache Fleisch und möglichst viel, oft und billig. Welchen Schaden wir dadurch unserer Umwelt und dem Klima auf Jahrzehnte hinaus zufügen, erklärt McCartey in seiner Rede. Knapp zusammengefasst: Unsere Fleischfresserei zerstört die Lebensgrundlage unserer Kinder.  Angesichts dieser durch nichts zu widerlegenden Tatsache ist die junge Generation gegenüber Argumenten wie denen McCartneys sehr viel aufgeschlossener. 

Die Rezepte am Ende des Buches hätte es meiner Meinung nach nicht unbedingt gebraucht, aber warum nicht mal Hummus nach Sir Pauls Rezept ausprobieren? 


Fazit: Die Welt braucht mehr solcher Initiativen, Reden und Bücher, bis auch der letzte Dumme begreift, dass er an dem Ast sägt, auf dem er sitzt. Es ist dringend an der Zeit, auf Menschen wie Paul McCartney oder Greta Thunberg zu hören. 5*****

Das Hardcover mit Schutzumschlag ist im Claudius Verlag erschienen, nur 16 x 10,5 cm groß, hat 72 Seiten und kostet 12 Euro. Es ist jeden einzelnen Euro davon wert. 


Dienstag, 29. Januar 2019

"Die Zeit heilt keine Wunden" von Hendrik Falkenberg

Ein Ostseekrimi! Cover, Titel, Klappentext und Prolog versprachen Spannung und Lesegenuss. Das Thema grundsätzlich war hochinteressant. Eine Entführung, ein ungeklärter Todesfall, Spuren, die bis in die NS-Vergangenheit zurückreichen. Dazu noch ein junger Sportler, der neben seiner neu begonnenen Tätigkeit bei der Mordkommission auch noch für Olympia trainiert. Doch leider konnte das Buch die so geweckten Erwartungen nicht erfüllen. Die Zufälle wirkten an den Haaren herbeigezogen. Natürlich trifft Hannes fast nur Leute, die sich für die NS-Vergangenheit interessieren. Und wenn er dafür mit ihnen im Riesenrad festhängen muss. Richtig schlimm fand ich die Auflösung am Ende. Da hab ich mich, auf Deutsch gesagt, veralbert gefühlt. Es passte einfach nicht mit dem vorher Gelesenen zusammen. Klar können Menschen sich verstellen. Aber das hier war so grundsätzlich, nee! Vom Meer war auch wenig zu spüren. Es gibt Bücher, da schmeckt man beim Lesen die salzige Luft, spürt den Wind in den Haaren und hört die Wellen rauschen. Nichts davon wollte sich hier einstellen. Auch mit den Figuren wurde ich nur teilweise warm. Bis ich den Autor gegooogelt habe, dachte ich tatsächlich, er wäre Ü80. Die Sprache wirkt so antiquiert. Ebenso die Namen. Welche jungen Frauen Ende 20, Anfang 30 heißen heute Elke und Ines??? Und wer spricht so, wie hier in den Dialogen?

Warum ich trotzdem bis zum Ende durchgehalten habe? Weil ich auf eine logische Auflösung hoffte. Weil die Geschichte vom Thema her interessant war. Und weil es eine kalte dunkle Winterwoche war. Seine weiteren Fälle muss Hannes Niehaus allerdings ohne mich lösen.

Fazit: Konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen. 2**

Das Taschenbuch ist im Ullstein Verlag erschienen, hat 576 Seiten und kostet 11 Euro. Das E-Book ist für 4,99 Euro erhältlich.